Bundesliga

Piatek oder Cordoba? Labbadia vertraut seinem Bauch

Hertha traf gegen keinen Klub öfter als gegen Frankfurt

Piatek oder Cordoba? Labbadia vertraut seinem Bauch

Krzysztof Piatek, Jhon Cordoba

Es kann nur einen geben: Krzysztof Piatek (l.) und Jhon Cordoba. Getty Images (2)

Nach dem geglückten Liga-Auftakt mit dem 4:1 in Bremen sagt Bruno Labbadia vor der Heim-Saison-Premiere: "Der gute Start hilft uns. Wir wollen ihn mitnehmen." Mit der Zuweisung der Favoriten-Rolle hat der Hesse, der mehrere Eintracht-Fans unter seinen acht Geschwistern hat, indes so seine Probleme: "Die Eintracht stand in den letzten Jahren zweimal im Pokalfinale und einmal im Europa-League-Halbfinale. Sie hat sich in den letzten Jahren sehr stabil gezeigt und die Abgänge in der Offensive im Vorjahr gut kompensiert. Wir sind noch im Aufbau. Wir haben den Weg noch vor uns, den die Eintracht schon gegangen ist."

Der Hertha-Coach, der Mitte Juni beim in Unterzahl zustandegekommenen 1:4 gegen die Eintracht seine erste und bislang einzige Heimniederlage in Berliner Diensten kassierte, erwartet "ein kampfbetontes, robustes Spiel" gegen "eine sehr körperliche Mannschaft".

In Bremen kam Cordoba für Piatek

Mit welchem Personal er in vorderster Reihe Frankfurt attackieren will, wird sich vermutlich erst am Spieltag entscheiden. Neuzugang Jhon Cordoba, der in Bremen als Joker sofort überzeugte und traf, oder Krzysztof Piatek, der in Bremen mit einem Kopfball die Latte traf und auf seine Auswechslung gegen Cordoba nach gut einer Stunde eher ungehalten reagierte - nur einer der beiden wird neben den aktuell gesetzten Dodi Lukebako und Matheus Cunha beginnen.

"Jhon kann viele Dinge noch nicht verinnerlicht haben, die wir mit den anderen seit Monaten trainiert haben. Aber er bringt uns mehrere Komponenten, die für uns gut sind: seine körperliche Präsenz, seine Läufe in die Tiefe, seine Torgefährlichkeit", sagt Labbadia über ein mögliches Startelf-Debüt des vor neun Tagen für 15 Millionen Euro aus Köln verpflichteten Kolumbianers.

Unterschiedliche Stürmertypen

Es gebe "ein paar Dinge, die sprechen dafür, ein paar dagegen", meint Labbadia und will am Spieltag womöglich auch dem eigenen Bauchgefühl vertrauen: "Jhon war noch nicht so viel dabei. Da muss man abwägen, inwieweit er alle Abläufe kennt. Das ist eine Gefühlssache. Ich bin froh, dass wir diese Situation haben. Wir haben unterschiedliche Stürmertypen, die es uns erlauben, flexibel zu sein."

Die Vorzeichen klingen nicht schlecht. Gegen keinen anderen Klub erzielte Hertha in der Bundesliga mehr Tore als gegen die Eintracht (112), nur gegen den HSV (103) und Borussia Mönchengladbach (101) trafen die Berliner ebenfalls dreistellig. In der Liga ist Hertha seit acht Freitagabendspielen ungeschlagen (drei Siege, fünf Unentschieden).

Berlin erlaubt 5000 "zeitgleich Anwesende"

Und zum ersten Mal in Zeiten der Corona-Pandemie sind wieder Fans im Olympiastadion dabei. 4000 Karten gingen an sie, insgesamt erlaubt die SARS-CoV-2-Infektionsschutzverordnung des Landes Berlin 5000 zeitgleich Anwesende bei Veranstaltungen im Freien. Der Berliner Senat hatte seine Verordnung in dieser Woche nicht modifiziert, sondern wegen der steigenden Fallzahlen unangetastet gelassen, obwohl die Staatskanzleien der Bundesländer in der Vorwoche für eine sechswöchige Testphase eine Auslastung von bis zu 20 Prozent der Sportstätten erlaubt hatten.

Bei einer Olympiastadion-Kapazität von fast 75 000 Plätzen hätte das knapp 15 000 Zuschauer bedeutet. "Wir finden es wunderbar, dass wir das erste Mal nach vielen Monaten wieder vor einigen Zuschauern spielen können", sagt Manager Michael Preetz.

"Das Spiel steht bei 4000 Zuschauern nicht unter dem Aspekt der wirtschaftlichen Betrachtung, das versteht sich von selbst. Es ist völlig in Ordnung, dass es 5000 (inklusive Spieler, Schiedsrichter, Staffs, Delegationen, Medienvertreter, Sicherheitskräfte, Helfer, d. Red.) sind und nicht die mögliche 20-Prozent-Kapazität zu diesem Zeitpunkt ausgereizt wird. Die Gesundheit aller Stadionbesucher steht absolut im Vordergrund. Wir gehen völlig d'accord mit der Entscheidung der örtlichen Behörden. Der Weg zu einem irgendwann wieder vollen Olympiastadion führt über wenige Zuschauer, das haben wir immer gesagt. Insofern werten wir das als sehr gutes Zeichen."

Steffen Rohr