2. Bundesliga

Pfiffe und Häme schon nach vier Spielen: Pulverfass Hamburg

Nach wildem Vortrag gegen Darmstadt

Pfiffe und Häme schon nach vier Spielen: Pulverfass Hamburg

Für den HSV reichte es gegen Darmstadt nur zu einem Punkt.

Für den HSV reichte es gegen Darmstadt nur zu einem Punkt. picture alliance / nordphoto GmbH

Klaus Gjasula stand am Sonntag auf der anderen Seite. Für 90 Minuten war der Mittelfeldabräumer mit Darmstadt zurückgekehrt nach Hamburg. An jenen Ort, an dem er, wie er im "Hamburger Abendblatt" verraten hat, bisweilen den Spaß am Fußball verloren hatte. Der 31-Jährige hat die Häme in den sozialen Medien als Hauptgrund genannt. Beim spektakulären 2:2 mit seinem neuen Klub gab es Häme für die alten Kollegen schon während der Partie von den Rängen - am 4. Spieltag. Ein klares Zeichen, dass die Geduld in Hamburg nach einem jahrelangen Niedergang aufgebraucht ist. Und der Vertrauensvorschuss für die neuen Protagonisten gering. Hamburg ist ein Pulverfass.

Tim Walter hat sowohl die Pfiffe als auch den höhnischen Applaus ab Mitte der zweiten Hälfte vernommen. Sie kamen immer dann auf, wenn Torwart Daniel Heuer Fernandes ins Aufbauspiel mit einbezogen wurde. Und das war häufig. Der Trainer ist bekannt dafür, dass er nicht daran denkt, sich für den diplomatischen Dienst zu bewerben. "Das ist unser Spiel", sagt der 45-Jährige, "wir wollen keine langen Bälle schlagen, sondern attraktiv spielen. Wir nehmen unseren Torhüter mit."

Fehlentwicklung seit rund zwölf Jahren

Klar ist: Die Unmutsbekundungen vom Sonntag sind nicht allein ein Ergebnis des willigen, aber eben auch sehr wilden Vortrags gegen die Lilien, sondern der Fehlentwicklung seit rund zwölf Jahren geschuldet. Klar ist aber auch: Der HSV hat kein Fan-Problem, sondern ein hausgemachtes durch immer wieder kehrende Paradigmenwechsel. Regelmäßige Umbrüche und die ständige Abkehr vom Prinzip des Vorjahres haben eine grundsätzliche Skepsis im Umfeld erzeugt. Und der Fehlstart mit nur fünf Punkten aber schon sieben Gegentoren nach vier Partien hat diese zusätzlich befeuert.

Walter setzt darauf, die Grundstimmung drehen zu können. "Ich hoffe, dass uns die Zuschauer in Zukunft noch mehr nach vorne treiben, was sie in anderen Situationen auch tun. Wir wollen sie mitnehmen, emotionalisieren. Und irgendwann knacken wir sie!"

Mit lückenhaftem Abwehrverhalten wie bislang wird dies nicht gelingen, zumal die Vorträge des HSV bislang wirken, als müsse Walter nicht nur in die Köpfe der Zuschauer vordringen, sondern auch noch in die seiner Spieler. Denn so spektakulär seine Spielidee nach vorn auch aussieht, so lückenhaft ist sie hinten. "Wir hatten genug Chancen für einen Sieg", reklamiert er. Gegner Darmstadt aber auch. Und das entspricht genauso wenig den Hamburger Ansprüchen wie die bescheidene Punkteausbeute. 

Sebastian Wolff

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