Bundesliga

Streich schwärmt: Aber Nils Petersen torpediert seine eigene Präferenz

"Eine Karte mehr auf der Hand" - Streich schwärmt vom Joker-König

Petersen torpediert seine eigene Präferenz

Nicht nur als Joker wertvoll: Nils Petersen und Trainer Christian Streich.

Nicht nur als Joker wertvoll: Nils Petersen und Trainer Christian Streich. imago images

Zunächst zu den Zahlen: Petersen wurde am Sonntag gegen Bayer in der 63. Minute eingewechselt, traf neun Minuten später zum 2:3-Anschluss und verzeichnete in der Folge noch eine von Lukas Hradecky stark parierte Großchance, benötigte dafür insgesamt nur fünf Ballkontakte. Trotz dieses hoch effizienten Auftritts konnte der 31-Jährige die 2:4-Niederlage nicht verhindern, hinter seinen Status als bester Einwechselspieler der Bundesliga-Historie setzte er allerdings erneut ein Ausrufezeichen. Es war sein insgesamt 26. Jokertor in Deutschlands Eliteklasse - Vorsprung auf den im Sommer in den Ruhestand getretenen Claudio Pizarro (21) ausgebaut.

Weitere eindrucksvolle Fakten: Für den SC Freiburg, für den er seit Januar 2015 aufläuft, sind es 22 Treffer nach Einwechslung in 56 Partien (1543 Minuten), während er als Startspieler auf 36 Tore (85 Einsätze, 7233 Minuten) kommt. Bringt ihn Streich von der Bank ins Spiel, vergehen im Schnitt also nur 70 Minuten pro Petersen-Tor, während es vom Anpfiff weg 201 Minuten dauert. Als Joker tritt er deutlich effektiver auf, feuert alle 21 Minuten einen Torschuss ab (alle 42 als Startspieler), benötigt nur drei Versuche für einen Treffer (fünf) und - von wichtiger Bedeutung für die Mannschaft - mit dem Teilzeit-Arbeiter Petersen holt der SC im Mittel mehr Punkte (1,46 zu 1,19).

Ein Joker ist er eh nicht - außer man sagt, man hat eine Karte mehr auf der Hand als der andere, so könnte man es dann vielleicht Joker nennen.

Christian Streich über Nils Petersen

Stichhaltige Argumente, die Petersens eigene Präferenz für ein Startelfmandat torpedieren. Da die einzige personelle Umstellung - hinten rechts Kübler für Schmid, der Rechtsaußen Sallai auf Petersens Platz im Zentrum schob - mit ihren Auswirkungen gegen Leverkusen trotz der Niederlage gut funktionierte, spricht einiges dafür, den Freiburger Publikumsliebling nach dessen Saisonpremiere als Einwechselspieler vorerst in dieser Rolle zu belassen. Oder, Herr Streich?

Petersen und Streich: "Eine große Erfolgsgeschichte"

Der 55-Jährige tut sich seit jeher mit dem Etikett Joker für Petersen schwer: "Ein Joker ist er eh nicht - außer man sagt, man hat eine Karte mehr auf der Hand als der andere, so könnte man es dann vielleicht Joker nennen." Dann erzählt Streich die Geschichte, die er nach eigenen Angaben schon zigmal in den letzten Jahren geschildert habe: "Er weiß alles eigentlich, ich weiß es. Er kennt die Geschichte, ich kenne sie. Wir haben sie zusammen über viele Jahre gewissermaßen zusammen so gestalten können. Im Wesentlichen er und ich habe ihn mit begleitet, weil ich halt Trainer war von ihm. Und es ist eine große Erfolgsgeschichte."

Dass er ihm immer wieder in Phasen nur einen Teilzeit-Auftrag erteilt, sieht Streich als unspektakulär an, das sei bei den meisten Spielern der Fall. Das habe mit der Position und der Konkurrenzsituation zu tun, die nicht überall gleich sei. "Von daher ist es relativ normal, auch für ihn, dass er ab und zu nicht von Anfang an spielt und es ist auch vollständig normal, dass er von Anfang an spielt, weil er auch mental die Fähigkeiten hat, mit diesen Entscheidungen umzugehen und aus der Situation, wenn er nicht von Anfang an spielt, das Positive herauszuziehen", erläutert Streich: "Positiv ist es, wenn er reinkommt in ein Spiel, das oft offener ist, und so fokussiert ist wie gegen Leverkusen, wo er dieses Tor macht und danach noch den tollen Schuss hat, der pariert wird, aber auch hätte in den Winkel gehen können."

Streich adelt Petersen

Das sei "eine große Fähigkeit" von Petersen, "deshalb kann er uns immer wieder helfen, wenn er nicht von Anfang an spielt", so Streich. Petersen sei ein bestimmter Spielertyp, aufgrund von taktischen Überlegungen, abhängig vom Gegner oder bei langen Wegen zum Tor "kann es sein, du lässt ihn eher draußen und bringst ihn dann rein". Dass das meist so gut funktioniere, ist "zu 95 Prozent Nils' Verdienst", meint Streich und adelt seinen Angreifer: "Er hat einfach die mentale Stärke, das Verantwortungsbewusstsein für die Mannschaft und ist ein Teamplayer. Bei ihm kann man es wirklich sagen, er redet nicht drüber, sondern er ist es." Er wolle der Mannschaft bestmöglich helfen und Streich bespreche seine Entscheidungen in aller Regel vorher mit Petersen.

"Wenn du 90 Minuten spielst, brauchst du ja zwei oder drei Tore, wenn du die Bilanz halten willst, die er hat, wenn er reinkommt. Das schafft ja fast kein Spieler", sagt Streich und unterstreicht Petersens hohe Bedeutung für den Sport-Club: "Es ist für uns extrem wichtig, dass das gut funktioniert, weil wir haben jetzt nicht so viele Leute auf dem Platz, die sehr viel Tore schießen." Welche der beiden Rollen er damit konkret meint, lässt Streich offen. Gut möglich aber, dass für Petersen erst einmal wieder eine Teilzeit-Phase begonnen hat.

Carsten Schröter-Lorenz

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