Bundesliga

DFB-Vizepräsident Peter Peters: "Fehlendes Miteinander in der Spitze ohne jedes Vertrauen"

DFL-Aufsichtsratsboss und DFB-Vizepräsident fordert "harte Entscheidung" nach Weihnachten

Peters: "Fehlendes Miteinander in der Spitze ohne jedes Vertrauen"

Peter Peters sieht im exklusiven kicker-Gastbeitrag DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius für den Zustand an der Verbandsspitze verantwortlich.

Peter Peters sieht im exklusiven kicker-Gastbeitrag DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius für den Zustand an der Verbandsspitze verantwortlich. Getty Images

Multifunktionär Peters (58), der bis zum 30. Juni 2020 Finanzvorstand des FC Schalke 04 war, Aufsichtsratsvorsitzender der DFL und 1. Stellvertretender Sprecher der Liga sowie 1. DFB-Vizepräsident und der deutsche Kandidat für den FIFA-Rat bei den Wahlen im April 2021 ist, legt in der großen Krise des deutschen Fußballs den Finger tief in die klaffenden Wunden. "Kritisch mit Blick auf die Dissonanzen beim DFB sehe ich das fehlende Miteinander in der Spitze ohne jedes Vertrauen", schreibt Peters. Dafür sei nicht die DFL verantwortlich; im Gegenteil: sie leide darunter. Verantwortlich macht er für diesen Zustand unter anderen DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius: "Eigentlich ist es die Aufgabe des Generalsekretärs als Bindeglied in der DFB-Zentrale die gemeinsam beschlossene Präsidiumslinie reibungslos operativ umzusetzen. Das funktioniert leider nicht mehr, auch wegen unfassbar vieler Indiskretionen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich dieses Misstrauen wieder beseitigen lässt."

Peters bezieht klar Position pro DFB-Präsident Fritz Keller

In dem seit Monaten tobenden Streit zwischen Curtius und DFB-Präsident Fritz Keller bezieht Peters, auch im Namen der 36 Profiklubs, klar Position pro Keller: "Dass auch Fritz Keller in seinem ersten Jahr als Präsident nicht immer alles richtig gemacht hat, wird er selbst nicht bestreiten. Aber ganz ehrlich: Wer hätte denn bei dieser Mammut-Aufgabe keine Fehler gemacht? In der Bundesliga haben wir Fritz Keller über Jahre hinweg als wertegetrieben und charakterfest erlebt - und es gibt auch jetzt keinen Grund, an seiner Integrität zu zweifeln."

Der DFB muss seine eigene Linie finden

Der DFB habe seine eigene Linie zu finden. "Die DFL wird nicht über den DFB bestimmen. Also müssen jetzt folglich die Vertreter der Landesverbände im Präsidium Verantwortung übernehmen und entscheiden, was das Beste für den DFB ist." Dabei sind laut Peters "harte Entscheidungen gefragt, die Zeit über Weihnachten ist jetzt die letzte Pause, um darüber nachzudenken und weiteren Schaden vom DFB abzuwenden."

Zur Situation des gesamten deutschen Fußballs meint Peters: "Es gibt keine pauschale Entfremdung vom Fußball. Das ist in dieser Verallgemeinerung nicht belegt und faktisch falsch. Dagegen wehre ich mich - angesichts des Miteinanders von Klubs und Fans vor Ort, aber vor allem mit Blick auf die hohe Zahl an Menschen, die nachweislich weiter Woche für Woche die Spiele verfolgt."

Was Peters darüber hinaus zu Bundestrainer Joachim Löw, zur neu beschlossenen Verteilung der Fernsehgelder ab 2021, zur Nachfolge des am 30. Juni 2022 ausscheidenden DFL-Bosses Christian Seifert und zu seiner Kandidatur für den FIFA-Rat sagt, lesen Sie im kicker am Donnerstag oder hier im eMagazine.

Rainer Franzke