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Perchtold: "Wir haben die beste Zweitligamannschaft, die der GAK je hatte"

Ewig lockt das Grazer Derby

Perchtold: "Wir haben die beste Zweitligamannschaft, die der GAK je hatte"

Marco Perchtold verkörpert den GAK wie kaum ein anderer.

Marco Perchtold verkörpert den GAK wie kaum ein anderer. GEPA pictures/Mario Buehner

Keiner der aktuellen Spieler verkörpert den GAK so sehr wie Marco Perchtold. Der 33-jährige Kapitän ist Grazer mit Leib und Seele und hat noch eine Scharte auszumerzen. Zwei Derbys gegen Sturm hat er in seiner Vita stehen und beide (im Frühjahr 2007) hat er verloren.

2. Liga, 11. Spieltag

Vorerst heißt die Realität aber Aufstiegskampf und da gilt des für den GAK noch einiges zu bewerkstelligen. Im Interview mit dem kicker verrät Perchtold, dass er die Seinen eher in der Lauerstellung sieht, aber die Qualität innerhalb seines Teams sehr schätzt. Bevor er zu seinem "Herzensklub" zurückgekehrt ist, wäre er beinahe nach "Down Under" abgebogen.

Herr Perchtold, vor Saisonbeginn galt der SKN als Topfavorit auf den Meistertitel. Der GAK wurdet bei den Wettbüros oft als Nummer drei oder vier hinter Liefering und Wacker Innsbruck gehandelt. Am Freitag spielt aber jetzt der Elfte gegen den Vierten. Wie schätzen Sie die Situation im Titelkampf ein?

Marco Perchtold: Für mich sind der SKN und Wacker schon noch die Topfavoriten. Der SKN ist der Absteiger, hat das höchste Budget und, dass nach einem Abstieg nicht immer alles gleich nach Plan läuft, weiß ich aus eigener Erfahrung. Zuletzt waren sie ja wieder im Kommen. Wacker war letztes Jahr bereits knapp dran. Wir werden versuchen zuzuschlagen, sollten andere auslassen. Das Spiel am Freitag ist schon sehr wichtig, kann die künftige Richtung anzeigen.

Beim SKN haben Sie unter Karl Daxbacher und Jochen Fallmann in der Bundesliga 2016/2017 eine wichtige Rolle gespielt. Warum sind Sie nicht länger als ein Jahr in St. Pölten geblieben?

Wie so oft im Fußball ging es ums Geld. Ich bin von Kapfenberg gekommen und hatte den Vertrag  eines Zweitligaspielers. Da ich aber, wie Sie ja auch sagen, durchaus eine wichtige Rolle gespielt habe und übrigens im Abstiegskampf gegen Ried in zwei Duellen auch wichtige Tore geschossen habe, wollte ich dann einen Bundesliga-Vertrag. Letztlich waren wir gar nicht viel auseinander. So ist halt das Business. Aber sie wollten damals auch etwas weg von den Mentalitätsspielern wie Manuel Hartl, Martin Grasegger, Dani Segovia oder eben mir. Das ist dann zu akzeptieren. Ich bin da niemanden böse.

Für mich war immer klar, sollte ein Angebot des GAK kommen, dem ich alles zu verdanken habe, dann werde ich es annehmen.

Marco Perchtold

Verpflichtet hat Sie Daxbacher, beim GAK wurden Sie unter Lars Söndergaard zum Bundesliga-Spieler und Adi Hütter holte Sie nach Grödig. Drei Trainer-Kapazunder im österreichischen Fußball. Im Nachhinein betrachtet, bedauern Sie es jetzt mit 33 Jahren, nicht länger in der Bundesliga gespielt zu haben?

Nein, überhaupt nicht. In Pasching beispielsweise hatte ich eine sehr schöne Zeit. Da wurden wir Cupsieger (2013, Anm.) und haben in Österreich lange für Furore gesorgt. Da haben wir auch trainiert wie ein Bundesligist. Das war ein Red-Bull-Projekt und natürlich sehr interessant und lehrreich. Schade aber ist, dass einmal ein Wechsel nach Australien nur beinahe zustande gekommen ist.

Was war da genau?

Melbourne City war 2017 sehr interessiert, wollte mir aber nur ein Jahr Vertrag geben. Bei zwei Jahren hätte ich es sofort gemacht. Für mich wäre das sehr reizvoll gewesen. Nicht nur wegen der tollen Liga mit einigen internationalen Stars wie zum Beispiel Alessandro del Piero oder Marc Janko seinerzeit, oder jetzt Alessandro Diamanti  - mein Opa lebt in Adelaide und meine Partnerin wäre mitgekommen. Da die Legionärsplätze aber sehr rar waren, wollten sie sich offenbar die Option wahren, vielleicht schon nach einem halben Jahr wieder zu wechseln. Das kam dann für mich nicht in Frage und dann kam ja die Anfrage meines Herzensklubs GAK.

Da sind Sie ja sogar in die vierthöchste Spielklasse, in die Landesliga, hinunter gegangen.

Ja, da habe ich dann "nebenbei" auch 40 Stunden als Versicherungsmakler gearbeitet, in der Regionalliga rund 30 und jetzt 20 Stunden. Für mich war immer klar, sollte ein Angebot des GAK kommen, dem ich alles zu verdanken habe, dann werde ich es annehmen. Ich bin dort aufgewachsen und über die Schule und Nachwuchsteams in die Bundesliga gekommen. Die Derbys gegen Sturm waren das Größte, was es damals gegeben hat, nicht nur für die Stadt Graz und die Steiermark, sondern sicher auch für viele Fußballfans in ganz Österreich.

Das heißt, da möchten Sie wieder hin?

Ja! Sollte es heuer nicht klappen, greifen wir nächstes Jahr wieder an. Wir müssen ja nicht, wir können. Aber ich glaube schon, dass wir jetzt die beste Zweitligamannschaft haben, die der GAK jemals hatte, mit Routiniers wie Stephan Palla, Markus Rusek, David Peham, Michael Huber und mir, und dazu noch die vielen guten Jungen, die enorm anziehen und es unbedingt wissen wollen.

Peham ist für viele so etwas wie der "Königstransfer", hatte in Amstetten eine unglaubliche Torquote. Warum hat es beim GAK für ihn bislang noch nicht so geklappt?

Das sehe ich ganz anders. Er ist ein enorm wichtiger Spieler für uns, hält viele Bälle, kann sie gut verteilen, beherrscht das Pressing und bringt sich nicht nur am Spielfeld sondern auch in der Kabine gut ein. Und es ist ja nicht so, dass wir keine Tore schießen als Mannschaft.

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Immer wieder ein brisantes Thema in Graz ist das Stadion. Sind sie zufrieden mit dem aktuellen, oder brauchen der GAK und Sturm jeweils ein eigenes?

Ich finde, wir haben ein schönes Stadion. Es heißt nur immer irgendwie anders (lacht). Es klappt ja anderswo auch, dass zwei große Klubs in einem Heimstadion spielen. Das ist jetzt schon eine Luxus-Frage. Da haben wir in Graz erst einmal andere Baustellen zu bewältigen, wenn ich da nur an die Akademien denke. 

Ihr Vertrag gilt bis 2022? Haben Sie auch schon einen Plan für Ihre Laufbahn nach Ihrer Karriere als Spieler?

Ja, mein Vertrag gilt bis 2022. In vier, fünf Jahren werde ich fix in der Versicherungsbranche einsteigen bei einer von mehreren gleichberechtigten Partnern geführten Kanzlei in Graz.

Interview: Thomas Schöpf