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Pay-to-Win-Debatte in FUT: Leider "wie im realen Fußball"

EAs Chief Experience Officer bezieht Stellung

Pay-to-Win-Debatte in FUT: Leider "wie im realen Fußball"

EA gerät für seinen Ultimate Team-Modus der FIFA-Reihe immer wieder in die Kritik.

EA gerät für seinen Ultimate Team-Modus der FIFA-Reihe immer wieder in die Kritik. EA SPORTS

Der steinige oder doch lieber der einfache Weg an die Spitze? Diese Frage müssen sich jährlich Millionen von FIFA-Fans stellen, wenn sie in die neue FIFA Ultimate Team-Saison starten.

Der viel kritisierte, aber extrem populäre FUT-Modus lässt den Spielern die Wahl, ob sie sich ihr Erfolgsteam über Echtgeldeinsatz oder harte Arbeit zusammenstellen wollen. Ein signifikanter Teil der Community sieht in der Diskrepanz bezüglich der Herangehensweisen ein Problem.

Die besten FUT-Objekte sind in der Regel über Packs, die wie klassische Lootboxen funktionieren, oder auf dem Transfermarkt erhältlich. In beiden Fällen muss In-Game-Währung investiert werden, um die gewünscht starken Karten der eigenen Mannschaft hinzuzufügen - entweder FUT Coins oder FIFA Points, auf dem Transfermarkt ist lediglich mit Coins zu zahlen.

Während diese über Erfolge im Gameplay erspielt werden können, fließt für FIFA Points Echtgeld. Und genau in dieser Möglichkeit liegt der Kern der Debatte.

Akkordarbeit oder Mikrotransaktion

Ob nun also wochenlang im Akkord geschuftet wird oder einfach einige Hundert Euro gezahlt werden, das Ergebnis könnte dasselbe sein. Der Unterschied zwischen einer FUT-Karte mit 95er-Tempo und einer mit 65er-Tempo ist derart gravierend, dass durch bessere Objekte so mancher Mangel im eigenen Umgang mit dem Controller kompensiert werden kann. Die Spieler können sich zum Sieg kaufen - Pay-to-Win eben.

"Die Idee ist, unser Bestes zu geben, um die reale Welt des Fußballs abzubilden"

Chris Bruzzo, Chief Experience Officer bei FIFA-Publisher EA über Pay-to-Win

Auf eurogamer.net erschien zu dieser Thematik jüngst ein Interview mit Chris Bruzzo, Chief Experience Officer bei FIFA-Publisher EA. Dessen Erklärungsversuche und Rechtfertigungen für das Pay-to-Win-System in FUT fielen teils kontrovers aus.

Er schickte der gesamten Diskussion die Statistiken voraus, dass 90 Prozent aller Packs in Ultimate Team mit FUT Coins erstanden und 78 Prozent aller Spieler nie Echtgeld ausgeben würden.

"Wollen sie wie vollwertige Menschen behandeln"

Dass zehn respektive 22 Prozent angesichts der großen Spieler- und Packzahlen immer noch gewaltige Mengen bedeuten, fiel beinahe unter den Tisch. Womit Bruzzo bei seinem Hauptargument angelangte: der Entscheidungsfreiheit der Konsumenten.

EA wolle die Spieler nicht bevormunden. "Wir wollen sie wie vollwertige Menschen behandeln, die gute Entscheidungen treffen können. Und wir verschaffen ihnen die Wahl", meint Bruzzo.

Der freie Wille der Käufer dient schon seit jeher als Rechtfertigungsgrundlage für das Angebot fragwürdiger Ware. Doch nicht umsonst wurden gesetzliche Restriktionen in vielen Bereichen des Handels und der Dienstleistung aufgestellt, um die Menschen zu schützen. Glücksspiel, mit dem FUT aufgrund der zufallsbasierten Packinhalte oft gleichgesetzt wird, hält als Paradebeispiel her.

Ausgerechnet der Fußball als Schablone

Einen gemeinsamen Nenner vieler verbotener oder zumindest nur selektiv zugänglicher Güter und Services stellt das erhöhte Suchtpotenzial dar, das im Lootbox-System von FUT gegeben ist.

Um aber beim Thema Pay-to-Win zu bleiben, muss die Zielsetzung der FIFA-Entwickler verdeutlicht werden. "Die Idee ist, unser Bestes zu geben, um die reale Welt des Fußballs abzubilden", führt Bruzzo an dieser Stelle aus.

Mehr Meinung gefällig?

Ein Ansatz, der für eine Fußball-Simulation gegeben sein sollte. Bruzzo bezieht sich hierbei aber nicht nur auf das, was auf dem Platz passiert, sondern auch im erweiterten Ökosystem. Auf den Aspekt, dass die Lootboxen etwa Spieler enthalten, die in kompetitiven Multiplayer-Modi genutzt werden, entgegnet EAs Chief Experience Officer schlicht: "Wie im realen Fußball."

"Im realen Fußball können Ressourcen verwendet werden, um das bestmögliche Team zu formen. Und in unserem Videospiel sind es FUT Coins und FIFA Points", setzt Bruzzo weiter an.

Dass im Profifußball also neureiche Vereine wie Manchester City oder Paris Saint-Germain das Geschehen bestimmen, soll in FUT realitätsgetreu widergespiegelt werden. Die bedenklichen Auswüchse eines einstigen Volkssports, der auf dem Leistungsprinzip basierte - digital nachgebaut und für jedermann zugänglich.

Abbild eines kaputten Systems

Die hart arbeitenden und kein Echtgeld investierenden Spieler schauen regelmäßig in die Röhre, wenn sie von zig Icons und anderen Spezialkarten aus unzähligen durch FIFA Points finanzierten Pack Openings überrannt werden. Andererseits hat Bruzzo natürlich recht, wenn er meint, dass der Skill der Spieler immer noch "mit Abstand der fundamentalste Faktor für die Erfolgsrate ist".

Gerade auf ähnlichen Skill-Leveln können Qualitätsunterschiede der FUT-Teams dennoch den Ausschlag geben. Und In-Game-Qualität ist in Ultimate Team allzu oft leider Preisfrage. EA scheint sich Bruzzos Aussagen zufolge an einem kaputten System zu orientieren, denn auch der Profifußball muss sich ähnlichen Vorwürfen und Problemen stellen. Und selbst wenn dieser Vergleich mehr aus Erklärungsnot denn Überzeugung angestellt wird: Zum wirklich eSport-fähigen Titel kann es unter diesen Voraussetzungen kaum reichen.

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