Bundesliga

Paulo Otavio: Sie nannten ihn Robinho

Die Geschichte des schnellen Wolfsburger Linksverteidigers

Paulo Otavio: Sie nannten ihn Robinho

Wollte nicht Leichtathlet, sondern Fußballer werden: Paulo Otavio.

Wollte nicht Leichtathlet, sondern Fußballer werden: Paulo Otavio. imago images

Die Anfangsphase ließ zunächst Schlimmes befürchten. Der VfL bekam in Leverkusen keinen Zugriff, Paulo Otavio gestattete Gegenspieler Moussa Diaby ein ums andere Mal eine gefährliche Flanke. Mit der Zeit aber fand der Wolfsburger ins Spiel und lieferte dann eine nahezu perfekte Leistung. 30 gewonnene Zweikämpfe (Zweikampfquote 86 Prozent), mit Tempo, Technik und Robustheit kochte er seine Gegenspieler ab, ob sie nun Diaby, Leon Bailey oder Karim Bellarabi hießen. "Insgesamt", lobt Geschäftsführer Jörg Schmadtke seinen Linksverteidiger, "war das überragend." Paulo Otavio (kicker-Note 2) selbst sagt: "Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung."

Der Brasilianer sorgt dafür, dass der VfL trotz des Roussillon-Ausfalls kein Problem hinten links hat. Schon im vergangenen Mai war Paulo Otavio drauf und dran, den Franzosen im internen Duell zu überflügeln, dann warf ihn eine Sprunggelenkverletzung zurück. Er sei zuletzt zu viel verletzt gewesen, sagt der 26-Jährige, nun aber sei er "zu 100 Prozent stabil". Und in der Lage, Roussillon tatsächlich zu verdrängen? "Das ist eine Frage für den Trainer", weicht Paulo Otavio aus.

Schon immer einer der Schnellsten

Dabei ist er rasant unterwegs. Mit gemessenen 35,53 km/h weist ihn die Statistik aktuell als viertschnellsten Spieler der Liga aus, nur die Bayern Alphonso Davies (35,94 km/h) und Kingsley Coman (35,68) sowie der Ex-Schalker Rabbi Matondo (35,66) waren in dieser Saison noch schneller. Paulo Otavio, aufgewachsen in Ourinhos im brasilianischen Bundesstaat Sao Paulo, hat früh gemerkt, dass er schnell ist. "Schon mit fünf", erzählt er. "Wir haben Wettrennen auf der Straße gemacht, ich war immer vorne." Eine Begabung, die er vielleicht vom Onkel habe, der Leichtathlet war. Er selbst aber wollte Fußballprofi werden, immer spielte er mit den Älteren, lernte, sich durchzubeißen. "Ich war nie das größte Talent, das waren Spieler wie Neymar. Aber ich war gut." Und zunächst sogar offensiv im Einsatz - die Kumpel beim Kicken benannten ihn nach seinem Vorbild. "Ich wollte wie Robinho sein." Als er dann aber zu einem neuen Klub kommt und dort bereits fünf Angreifer um die Plätze balgen, sagt er dem Trainer, er sei Linksverteidiger. "Das bin ich geblieben" - mit offensivem Drang.

Der Traum von der Selecao

Der ihn 2016 nach Österreich bringt. Linzer ASK, Trainer Oliver Glasner. "Klar", sagt Otavio, "es war nur Österreich, damals nur die 2. Liga. Aber ich war in Europa. Da wollte ich immer hin." 2017 geht's nach Ingolstadt, dann nach Wolfsburg, wieder zu Glasner. Schritt für Schritt. Wohin kann das führen? Auch Paulo Otavio träumt den Traum, den jeder brasilianische Fußballer hat. "Natürlich würde ich gerne für die Selecao spielen, wenn der Trainer mich ruft, bin ich bereit", hat er im vergangenen Jahr schon erzählt. Er weiß aber auch: "Die Konkurrenz in Brasilien ist riesig. Realistisch ist es aktuell nicht." Mit Leistungen wie in Leverkusen lässt er jedoch aufhorchen.

Thomas Hiete

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