Bundesliga

Paulinhos Chancen sinken noch weiter

Leverkusen Brasilianer vor einem tristen Herbst

Paulinhos Chancen sinken noch weiter

Hat keine gute Perspektive in Leverkusen: Paulinho.

Hat keine gute Perspektive in Leverkusen: Paulinho. IMAGO/Sven Simon

Am Dienstag führte Gerardo Seoane nach der Einheit am Nachmittag noch ein kurzes Gespräch mit Paulinho auf dem Trainingsplatz. Der Inhalt des Gesprächs ist nicht überliefert. Doch unabhängig davon dürfte dem Brasilianer klar sein, dass er in Leverkusen kaum noch zum Einsatz kommen dürfte, wenn er sich in den kommenden Wochen im Training nicht ganz massiv aufdrängt

Zuletzt war dies aus Sicht des Trainers offenbar nicht ansatzweise der Fall. Am Samstag in der Partie gegen Werder Bremen tauchte Paulinho erneut nicht auf dem Spielberichtsbogen auf. Wie schon eine Woche zuvor beim 2:2 bei Hertha BSC verzichtete Seoane darauf, den Brasilianer für das Aufgebot zu nominieren.

Dabei war der 21-Jährigen für beide Partien der einzige richtige offensive Flügelspieler, den der Trainer als Joker auf der Ersatzbank bereithalten konnte. Doch Seoane wählte mit dem 17-jährigen Zidan Sertdemir lieber einen weiteren Mittelfeldspieler aus, obwohl er in Berlin schon ohne diesen mit Andrich, Aranguiz und Amiri drei Optionen für das Zentrum zur Verfügung hatte. Gegen Werder setzte Seoane neben Aranguiz und Amiri wieder Sertdemir auf die Bank und verzichtete erneut auf Paulinho.

Einzig beim Champions-League-Spiel gegen Atletico Madrid (2:0) am Mittwoch vergangener Woche schaffte Paulinho noch den Sprung ins Spieltagsaufgebot, weil weder Sertdemir noch Daley Sinkgraven für die Königsklasse gemeldet sind und Seoane sonst mit einem unbesetzten Kaderplatz Paulinho öffentlich bloßgestellt hätte.

Perspektive wird noch schlechter

Besaß Paulinho schon zuletzt keine guten Karten, so wird sich seine Perspektive bald noch deutlich verschlechtern. Stehen Trainer Seoane doch mit Amine Adli und Karim Bellarabi zwei zuletzt verletzte Flügelspieler in absehbarer Zeit wieder zur Verfügung. Derzeit absolviert das Duo nur Teile des Mannschaftstrainings. Zweikämpfe sind für Adli, dessen Schlüsselbeinbruch erst final verheilen muss, noch tabu. Und auch bei Bellarabi ist nach seiner Meniskusoperation Vorsicht angesagt. Weniger wegen des Knies, sondern weil man bei der verletzungsanfälligen Muskulatur des Sprinters kein Risiko eingehen möchte.

Anders als für Kerem Demirbay, der gegen Bremen einen Bluterguss am Schienbein davontrug und zeitnah wieder ins Training einsteigen soll, könnte die Partie in München für das Duo noch zu früh kommen. Eine Woche später gegen Schalke 04 dürften Adli und Bellarabi bereits Alternativen für die Ersatzbank darstellen.

Im Sommer läuft Paulinhos Vertrag aus

Dann hätte Seoane zwei Außenstürmer zur Verfügung. Womit Paulinhos Chancen, nominiert zu werden, noch weiter sinken dürften. Spätestens im Sommer 2023 wird Paulinho, der im Sommer einen Wechsel nach Spanien und Italien abgelehnt haben soll, Leverkusen verlassen, wenn sein Vertrag ausläuft.

Kriegt der Rechtsfuß, der zuletzt davon sprach, dass seine Nicht-Nominierung (wohl wegen seines abgelehnten Wechsels) eine politische Entscheidung sei, nicht komplett die Kurve, ist es nicht unwahrscheinlich, dass er kein Spiel mehr im Leverkusener Trikot absolvieren wird. Es wäre ein bitteres Ende für Paulinho und auch für Bayer, das einst 18,5 Millionen Euro Ablöse für ihn bezahlte.

Stephan von Nocks

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