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Peter Pacult vor Wiedersehen mit Rapid: "Ausgesprochen ist gar nichts"

Der 61-Jährige im exklusiven kicker-Interview

Pacult vor Wiedersehen mit Rapid: "Ausgesprochen ist gar nichts"

Peter Pacult hat mit Austria Klagenfurt derzeit viel Grund zur Freude.

Peter Pacult hat mit Austria Klagenfurt derzeit viel Grund zur Freude. GEPA Pictures

Herr Pacult, aus aktuellem Anlass: Wie bewerten Sie die Situation rund um das österreichische Nationalteam und Franco Foda?

Ich denke, dass man im Moment mit der Tabellensituation sicher nicht glücklich ist. Es steht mir allerdings nicht zu, einen Trainerkollegen zu kritisieren.

Bei Ihrer Mannschaft Austria Klagenfurt läuft es derzeit hingegen besser. Welche Gründe gibt es, dass Sie nach zehn Spieltagen auf dem dritten Rang liegen?

Das ist nur eine Momentaufnahme. Wir haben noch nicht einmal Halbzeit und werden am Samstag gegen Rapid erst unser elftes Spiel in der Liga bestreiten. Es ist aber so, dass wir von Anfang an sehr fokussiert waren und umgehend Punkte holen wollten. Die Mannschaft war auch bereit, Spiele wie gegen die Admira, in dem wir zwei unberechtigte Rote Karten bekommen haben, wegzustecken. Wir wissen, dass wir in jeder Partie hart arbeiten und an unsere Schmerzgrenze gehen müssen, um erfolgreich zu sein. Bislang hat die Mannschaft das sehr gut umgesetzt.

Sind Sie von Ihrem Team positiv überrascht?

Es war am Anfang natürlich schwer, aber wir sind jetzt in der Liga angekommen. Wir haben mit Ausnahme von Rapid gegen alle Mannschaften gespielt und wissen, wo unsere Stärken und Schwächen sind. Wir kennen die Bereiche, in denen wir uns noch verbessern müssen. Der Gesamtkader gibt aus verschiedenen Gründen derzeit nicht so viel her, aber im Moment ist es so, dass die Mannschaft sehr fokussiert in die Spiele geht und sie im Vergleich zu den ersten Partien dazugelernt hat.

Was meinen Sie genau mit den verschiedenen Gründen? Gibt es neben den Verletzungssorgen weitere Probleme?

Nein, ich meine nur die verletzten Spieler (Gkezos, Moreira, Blauensteiner, von Haacke, Miesenböck und Hadzic, Anm.). Sie haben schon bewiesen, dass sie viel Qualität haben. Daher können wir jetzt leider nicht so viel rotieren.

Für mich ist es nicht anders als sonst.

Pacult über das Spiel gegen Rapid Wien.

Am Samstag steht für Sie nun das Heimspiel gegen Ihren langjährigen Arbeitgeber Rapid Wien an. Wie sieht es in Ihrer Gefühlswelt angesichts dieser Vorgeschichte aus?

Klar, ich habe bei Rapid als Spieler und als Trainer eine Vergangenheit, aber für mich ist es nicht anders als sonst. Ich gehe ebenso fokussiert und mit dem gleichen Gefühl in diese Partie wie gegen alle anderen Gegner auch. Es geht wieder um drei Punkte und wir wollen den klaren Favoriten Rapid natürlich ärgern. Am Samstag wird man sehen, ob uns das gelingt.

Sie sprechen vom klaren Favoriten Rapid. Klagenfurt liegt in der Tabelle aber zwei Punkte vor Ihrem Ex-Verein. Wie bewerten Sie die bisherige Saison der Wiener?

Ich bin nicht dafür zuständig, Rapid zu beurteilen. Ich analysiere sie nur hinsichtlich ihrer Spielart, weiß aber auch, dass Rapid mit der aktuellen Tabellensituation sicher nicht glücklich ist. Das ist ganz normal, weil der Anspruch natürlich ein anderer ist. Die Saison dauert aber noch sehr lange und wenn man sich die Spieler sowie das Budget ansieht, weiß man genau, wie groß der Unterschied zu uns ist. Das heißt noch lange nicht, dass der Favorit auch gewinnen muss. Es gibt Spiele, in denen man auch als Außenseiter aufzeigen kann. Klar ist aber auch, dass bei uns viel funktionieren muss. Mit einem Blick auf den Kader von Rapid wissen wir, was uns am Samstag erwartet. Die Entscheidung fällt aber erst nach 90 Minuten auf dem Platz.

Sie haben vorhin die Bedeutung der Partie etwas heruntergespielt. Nach der Trennung im Jahr 2011 war aber von "einem massiven Vertrauensbruch zwischen der Klubführung und Trainer" die Rede. Zwei Fragen dazu: Stellt diese Aussage eine zusätzliche Motivation dar und haben Sie sich mittlerweile mit Rapid ausgesprochen?

Ausgesprochen ist gar nichts. Das war aber vor zehn Jahren. Ich kann das nicht mehr rückgängig machen. Ich bin weit davon entfernt, darauf zurückzublicken und daraus Motivation zu ziehen. Schöner war aber natürlich, dass ich vor 13 Jahren mit diesem Verein Meister geworden bin. Das überwiegt für mich.

Keiner so ineffizient wie der BVB: Das Wechsel-Ranking der Bundesliga

Sie sind nach Ihrer Zeit in Wien bei RB Leipzig gelandet. Damals war die Mannschaft noch in der vierten Liga, heute spielt sie in der Champions League. Möglich gemacht wurde dies auch durch Red-Bull-Boss Didi Mateschitz. Wie stehen Sie grundsätzlich zum Modell Red Bull?

Ich sehe keinen unfairen Vorteil. Red Bull ist in Österreich im Jahr 2003 angetreten, um im Sport erfolgreich zu sein. Das war bei RB Leipzig genau das Gleiche. Das hat wunderbar funktioniert. Man muss sagen, dass mit der Bestellung von Ralf Rangnick im Sommer 2012 einiges passiert ist. Er hat beide Vereine auf ganz neue Füße gestellt und diese Glückssituation perfekt genutzt. Er hat die passenden Wege gefunden und auch die richtigen Personen und Spieler geholt. Sonst wäre das nicht so erfolgreich gelaufen. Daher muss man vor Ralf Rangnick den Hut ziehen. Er ist der Vater dieser Erfolgs. Das muss man ganz klar so sehen - zumindest mache ich das. Spielphilosophie, Ausrichtung des Vereins und Scouting - all diese Punkte gehen auf ihn zurück. Man muss ihm dafür danken. Danach wurde der Weg bei beiden Vereinen gut weitergeführt. Deswegen sind sie auch so erfolgreich. Dazu kann man nur gratulieren. Herr Mateschitz ist bei diesem Projekt sehr viel Risiko eingegangen und wurde dafür dann auch belohnt.

Die Kritik am Konzept von Red Bull können Sie demnach nicht nachvollziehen?

Das war ja vor allem am Anfang so. Ich habe während meiner Zeit in Leipzig auch mitbekommen, dass die Kritik der Fans groß war. Wir haben in der Vorbereitung nicht einmal Gegner bekommen. Im Endeffekt muss man aber sagen, dass RB im Prinzip alles richtig macht.

Nicht so gut läuft es hingegen bei einem Ihrer anderen Ex-Vereine, 1860 München. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage bei den Löwen ein?

2004 war aufgrund der finanziellen Situation viel Druck da. Ab diesem Zeitpunkt ging es bergab. Das neue Stadion war sicher auch nicht förderlich, aber der damalige Präsident (Karl-Heinz Wildmoser, Anm.) darf sicher auch nicht für den Abstieg verantwortlich gemacht werden. Es stehen immer noch die Spieler auf dem Platz. Nach einiger Zeit hat es dann wieder besser ausgesehen, aber jetzt ist erneut Unruhe drin. Ich bin noch sehr nah dran an diesem Verein und auch über die internen Vorgänge gut informiert. Auch wenn es an Hasan Ismaik (1860-Investor, Anm.) viel Kritik gibt, müssen die Leute bedenken, dass er den Verein nach wie vor am Leben hält. Natürlich hat auch er Fehler gemacht, wenn ich daran denke, dass er Fans beim Training ausgesperrt hat. Das geht natürlich nicht. Dennoch ist er der Mann, der die finanzielle Basis stellt. Ich finde es nicht in Ordnung, dass immer gegen ihn geschossen wird. Man sollte sich mit ihm arrangieren, um 1860 wieder dorthin zu bekommen, wo sie in puncto Fanpotential hingehören. Nämlich in die erste Liga. Wenn einige Herren ihr eigenes Spielchen spielen, wird es natürlich schwer.

Sie haben gesagt, dass Sie noch immer nah an 1860 dran sind. Was meinen Sie damit genau?

Es gibt Kontakte (lacht).

Wie darf man das verstehen?

So, wie ich es sage: Es gibt Kontakte.

Austria Klagenfurt war (...) das Bauernopfer.

Pacult über die Einführung des VAR.

Sie sind als jemand bekannt, der sich kein Blatt vor den Mund nimmt. Denken Sie, dass Typen wie Sie derzeit aussterben?

Das kann ich nicht beurteilen. Ich weiß nicht, warum viele Trainer anders sind. Vielleicht will sich der eine oder andere Kollege nicht äußern, andere dürfen es möglicherweise auch nicht. Ich bin jedenfalls so, wie ich immer war und daran wird sich in nächster Zeit auch nichts ändern. Ich habe mich in meiner ganzen Karriere nie verstellt und werde das auch nicht mehr machen. Ich werde weiterhin versuchen, so durch das Leben zu gehen, wie ich es bisher getan habe.

Auch beim Thema Videoschiedsrichter haben Sie Ihre Abneigung kundgetan. Sind sie grundsätzlich kein Freund des VAR oder liegt es an der Umsetzung in Österreich?

Ich war grundsätzlich ein Befürworter, aber momentan liegt es an der Umsetzung. Austria Klagenfurt war in den ersten sechs bis sieben Runden das Bauernopfer. Da waren Entscheidungen dabei, die in anderen Spielen nicht getroffen wurden. Wir waren der Leidtragende und haben in sechs Begegnungen fünf Rote Karten bekommen. Teilweise gab es Entscheidungen, die es sonst niemals gegeben hätte. Ich war immer dafür, den VAR bei Abseitssituationen oder Handspielen einzusetzen. Man sieht aber auch in anderen Ländern, dass es weiterhin Diskussionen gibt. Also kann man darüber diskutieren, ob man den VAR nicht wieder abschafft und den Schiedsrichtern die Entscheidung überlässt. Man merkt auch, dass die Unparteiischen in Österreich sehr unsicher sind. Wir haben jetzt schon zwei Spiele gehabt, in denen acht Minuten nachgespielt wurden. Das ist auch nicht angenehm - vor allem, wenn man ein Ergebnis hat, mit dem man eigentlich zufrieden ist. Ich würde eindeutige Entscheidungen wie etwa Abseitsstellungen nach wie vor durch den VAR entscheiden lassen, Situationen im Spiel, bei denen man die Super-Zeitlupe benötigt, aber nicht. Es stellt sich auch die Frage, welche Linie der VAR verfolgt. Da befinden wir uns in Österreich derzeit in einer Grauzone.

Man könnte dagegenhalten, dass der Prozentsatz richtiger Entscheidungen durch den VAR weltweit von 93 auf 99 Prozent angestiegen ist.

Wir müssen nicht von weltweiten Entscheidungen sprechen, wenn es um Österreich geht. Es hilft mir nicht, dass in den USA oder Deutschland gut gepfiffen wird, wenn bei uns nicht richtig entschieden wird.

Nun gibt es den VAR in Österreich erst seit Beginn dieser Saison. Ist etwas Anlaufzeit da nicht normal?

Doch. Es ist ja keine Frage, dass das Zeit braucht. Nur war es bei uns leider so, dass wir in fünf Spielen klar benachteiligt worden sind. Damit kann ich nicht leben. Ich hoffe aber doch, dass sich der VAR im Laufe der Zeit verbessert. In einigen Stadien kommen derzeit nur sechs Kameras zum Einsatz, in anderen zehn. Auch da geht es darum, wie und wann ich eine einheitliche Linie ziehen kann. Man muss aus den bisherigen Erfahrungen die richtigen Schlüsse ziehen.

Interview: Nikolaus Fink