Regionalliga

OLG Naumburg stellt Petersen-Verfahren endgültig ein

Kletke fordert auch Ende des Sportgerichtsprozesses

OLG Naumburg stellt Petersen-Verfahren endgültig ein

Andreas Petersen war zuletzt als Sportdirektor bei Germania Halberstadt tätig.

Andreas Petersen war zuletzt als Sportdirektor bei Germania Halberstadt tätig. imago images

In der Folge der Regionalligapartie zwischen dem SV Babelsberg 03 und Halberstadt im November 2018 waren Vorwürfe gegen Petersen aufgekommen. Der Vater von SC-Freiburg-Profi Nils Petersen soll nach Darstellung von SVB-Verantwortlichen gegnerischen Akteuren Geld angeboten haben, damit diese "die Füße hochlegen", wie es Babelsbergs damaliger Coach Almedin Civa formulierte. Petersen bestritt die Kontaktaufnahme zu zwei Spielern, die er aus vorherigen Engagements kannte, nicht. Nach Darstellung des 60-Jährigen sei es dabei aber um mögliche Transfers in der Winterpause gegangen und darum, die Gegner im Spaß ein wenig zu verunsichern.

Die zuständige Staatsanwaltschaft Magdeburg, Zweigstelle Halberstadt, hatte aufgrund einer Strafanzeige aus Babelsberg wegen des Verdachts der Manipulation von berufssportlichen Wettbewerben im Januar 2019 Ermittlungen aufgenommen und diese im Oktober 2019 eingestellt. Die folgende Beschwerde dagegen hatte die Generalstaatsanwaltschaft (GenStA) Naumburg am 3. März 2020 als unbegründet zurückgewiesen. Damals sagte SVB-Präsident Archibald Horlitz: "Wenn die Entscheidung nun wegen der Berufssportdefinition Bestand haben sollte, öffnet das doch alle Türen, künftig in der vierten Liga munter Spiele zu manipulieren." Der Regionalligakonkurrent ging den letztmöglichen Weg und reichte einen sogenannten Klageerzwingungsantrag beim OLG Naumburg ein, den die Behörde nun als unbegründet zurückwies.

Berufssportlicher Wettbewerb? Definition sorgt auch für Kritik

Im OLG-Beschluss, der dem kicker vorliegt, heißt es, dass die Staatsanwaltschaft Magdeburg zunächst eingestellt habe, "weil es sich bei dem Fußballspiel der Regionalliga nicht um eine berufssportliche Veranstaltung gehandelt habe. Es seien nicht überwiegend Spieler daran beteiligt gewesen, die erhebliche Einnahmen durch die Tätigkeit erzielten." Worüber man angesichts mindestens semiprofessioneller Strukturen bei zahlreichen Regionalligisten bundesweit zumindest diskutieren kann. Die GenStA und das OLG dagegen zielten in ihren Beschlüssen darauf ab, dass ein berufssportlicher Wettbewerb nur dann vorliege, wenn dieser von einem Bundesverband, in diesem Falle also vom DFB, organisiert werde. Die Regionalliga Nordost läuft jedoch unter der Führung des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV), einem DFB-Mitglied und Regionalverband.

Erst 2017 hatte der Bundestag die Manipulation berufssportlicher Wettbewerbe als Straftatbestand eingeführt. Gemäß des entsprechenden Strafgesetz-Paragraphen 265d liegt ein berufssportlicher Wettbewerb vor, wenn ein Bundesverband oder ein internationaler Verband diesen organisiert, entsprechende Regeln jener Verbände zum Einsatz kommen und die Athleten erhebliche Einnahmen erzielen. Diese Definition ruft auch Kritiker auf den Plan, weil sie im Umkehrschluss bedeutet, dass eine sportlich motivierte Manipulation unterhalb der 3. Fußball-Liga in Deutschland keine Straftat darstellt (im Gegensatz zum Beispiel zu einer Manipulation für einen Sportwettbetrug).

Petersen-Anwalt Kletke fordert Ende des sportrechtlichen Verfahrens

"Man kann die Definition des berufssportlichen Wettbewerbs nun beweinen, aber die Gesetzeslage ist eben so, wie sie ist", sagt Petersen-Anwalt Horst Kletke im Gespräch mit dem kicker. Der Frankfurter Jurist fordert nun auch das Ende des sportrechtlichen Verfahrens gegen seinen Mandanten: "Wir haben nun mehrere Einstellungs-Entscheidungen im ordentlichen Verfahren. Das Verbandsgericht des NOFV ist nicht nur mit Blick auf diese Entscheidungen staatlicher Stellen aufgerufen, ebenfalls zu einem entsprechenden Abschluss des dortigen Verfahrens zu kommen." Gegen ein erstes Urteil des NOFV im März 2019, das eine Geldstrafe von 6000 Euro und eine Zwölf-Monatssperre für Petersen vorsah, hatte dieser Berufung eingelegt. Derzeit ruht das Verfahren wegen einer Erkrankung Petersens.

Benni Hofmann