Bundesliga

Oft zwischen den Spielstilen mäandert: Marsch bekam keine Stabilität ins Team

Ein Kommentar von kicker-Redakteur Andreas Hunzinger

Oft zwischen den Spielstilen mäandert: Marsch bekam keine Stabilität ins Team

Jesse Marsch bekam keine Stabilität in sein Team.

Jesse Marsch bekam keine Stabilität in sein Team. imago images/Jan Huebner

Als Jesse Marsch im zurückliegenden Juli als neuer Trainer von RB Leipzig vorgestellt wurde, zeigte sich Oliver Mintzlaff hoch erfreut über die Verpflichtung des US-Amerikaners. "Wir sind total happy, dass wir unseren Wunschtrainer verpflichten konnten", sagte der Geschäftsführer der Sachsen damals.

Fünf Monate später ist man bei RB nicht mehr happy - und der Wunschtrainer auch schon wieder Geschichte. 18 Punkte nach 14 Spielen, die schwindenden Chancen auf das erklärte Saisonziel Champions-League-Platz, die jüngste Serie von drei Niederlagen nacheinander und vor allem der desolate Auftritt bei Union Berlin haben die Verantwortlichen dazu bewogen, Marsch von seinen Aufgaben zu entbinden. Aus Sicht der führenden Köpfe des Klubs gibt es nachvollziehbare Argumente für ihr Handeln. Der nahbare und sympathische Marsch hat es in dem knappen halben Jahr seines Wirkens nicht vermocht, eine Mannschaft, die nicht schlechter besetzt ist als der aktuelle Tabellendritte Leverkusen, in die Nähe ihres Leistungs-Limits zu führen.

Team vermittelte oft den Eindruck, zwischen den Spielstilen zu mäandern

Angetreten, um wieder kompromisslosen RB-Umschalt-Fußball mit hingebungsvollem Pressing zu spielen, bekam Marsch keine Stabilität in sein Team. Zwischendurch gab es Highlight-Spiele wie ein 6:0 gegen Hertha BSC, ein 2:1 gegen Borussia Dortmund oder das 5:0 in der Champions League in Brügge. Aber die in den zwei Jahren unter Julian Nagelsmann auf mehr Ballbesitz konditionierte Mannschaft vermittelte oft den Eindruck, zwischen den Spielstilen zu mäandern. Pressing und Gegenpressing wirkten längst nicht immer gut orchestriert, die Konter waren schlecht abgesichert. Mit den fehlenden Ergebnissen schwand bei den Spielern auch der Glaube, dass man in dieser Konstellation erfolgreich sein kann.

Man kann zu Gunsten des US-Amerikaners sicher anführen, dass ihm der durch EM- und Olympia-Teilnahme arg strapazierte und anschließend nahezu dauerverletzte Dani Olmo fehlte. Auch, dass die jüngsten Corona-Infektionen bei Trainern und Spielern nicht gerade leistungsförderlich waren. Aber die jüngsten Auftritte in Hoffenheim, gegen Leverkusen und in Berlin ließen wenig Spielraum mehr für die Zuversicht, dass Marsch das Team noch auf Kurs bringen kann.

Ein Sportdirektor wäre dienlich - und soll bereits gefunden sein

Seine Beurlaubung ist aber auch das Eingeständnis, dass das Experiment mit dem 48-Jährigen gescheitert ist. Im Nachhinein zeigte sich, dass der zum FC Bayern abgewanderte Julian Nagelsmann in Leipzig eine Lücke hinterlassen hat, die in der Konstellation mit Marsch und seinem Stab nicht zu schließen war. Die Kluboberen müssen sich fragen lassen, ob Marschs Spielidee und eine in puncto Ballbesitz unter Nagelsmann deutlich vorangekommene Mannschaft noch kompatibel waren. Bei der Niederlage am Freitag bei Union zeigte sich etwa erneut, dass ein Strafraumstürmer wie André Silva zu oft nicht in Szene gesetzt wird. Was an der Spielweise liegt, aber auch an der Komposition des Kaders - die Marsch aber nicht vorwiegend zu verantworten hat. Das berührt die Führungsebene von RB. Ein Sportdirektor wäre dienlich. Dieser soll bereits gefunden sein.

In Leipzig beginnt nun wieder eine neue Zeitrechnung. Nach 2019, als Nagelsmann antrat und die Ära Ralf Rangnick endete, und 2021, als Marsch Nagelsmann beerbte, die dritte binnen zweieinhalb Jahren. Ob sie länger andauern wird, wird sich zeigen.

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