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Offiziell: Mourinho verlässt Madrid am Saisonende

Spanien: Real-Präsident Perez gibt Trennung bekannt

Offiziell: Mourinho verlässt Madrid am Saisonende

Zeit zu gehen: José Mourinho verlässt Real Madrid am Saisonende nach drei Jahren.

Zeit zu gehen: José Mourinho verlässt Real Madrid am Saisonende nach drei Jahren. Getty Images

Nach der 1:2-Pokalniederlage gegen Atletico Madrid am vergangenen Freitag hatte Mourinho erklärt, dass die laufende Spielzeit "die schlechteste Saison seiner Karriere sei". Der erfolgsverwöhnte Portugiese konnte mit dem millionenschweren "weißen Ballett" 2012/13 keinen einzigen Titel erringen - in der Meisterschaft hinken die Königlichen dem FC Barcelona deutlich hinterher, in der Champions-League kam im Halbfinale das Aus gegen Borussia Dortmund und auch im Pokal reichte es nicht. "Für manche Trainer wäre das eine großartige Bilanz - für mich ist sie einfach schlimm", erklärte Mourinho und deutete danach indirekt Veränderungen an: "Solange ich mich nicht mit unserem Präsidenten Florentino Perez getroffen habe und der Klub nicht etwas offiziell macht, geht es eben so weiter."

Am Montagabend wurde es dann offiziell: Perez verkündete vor 200 Journalisten die Trennung zum Saisonende. "Mourinho ist nicht entlassen worden, es geschah in beiderseitigem Einverständnis", betonte der allmächtige Präsident: "Es war der richtige Zeitpunkt, getrennte Wege zu gehen." Mourinho werde keine Abfindung erhalten und gehe aus "persönlichen Gründen", die ich nachvollziehen kann, erklärte Perez, der zudem versicherte, dass es noch keinen Vorvertrag mit einem neuen Trainer gebe. "Alles in allem war es eine positive Erfahrung für uns."

Trainersteckbrief Mourinho
Mourinho

Mourinho José

Real Madrid - Vereinsdaten
Real Madrid

Gründungsdatum

06.03.1902

Vereinsfarben

Weiß-Blau

Real Madrid - Die letzten Spiele
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Diese Meinung dürften in Madrid wohl nicht viele teilen. Mourinhos Ego-Show war in Madrid in den vergangenen Wochen zunehmend aus den Fugen geraten. Immer wieder eckte der Exzentriker mit Spielern, Fans und den mächtigen spanischen Medien an und zog damit großen Unmut auf sich. Streitereien mit Sergio Ramos, Kapitän Iker Casillas, den er zum Bankdrücker degradierte, und zuletzt Pepe waren ebenfalls nicht förderlich für das Ansehen des 50-Jährigen, der am Ende völlig isoliert gewesen sein soll. Ironie des Schicksals: Die Trennung von Mourinho wurde am Geburtstag der von ihm demontierten Real-Legende Casillas verkündet. Sicherlich ein schönes Geschenk für den Welt- und Europameister.

Mourinhos größtes Problem dürfte aber der ausgebliebene sportliche Erfolg gewesen sein: Seine Bilanz in drei Jahren nimmt sich eher mager aus. Ein Pokalsieg und eine Meisterschaft fallen in die Ära des Portugiesen, dessen einziger Saisonerfolg der niedrig bewertete spanische Supercup ist - viel zu wenig für die erfolgsverwöhnten Königlichen, die vergeblich "La Decima", dem zehnten Triumph im Landesmeister-Wettbewerb hinterherliefen. Nach dem verlorenen Pokalfinale stürzten Mourinhos Umfragewerte bei den Fans auf unter 20 Prozent.

Wunschkandidat Ancelotti - PSG blockt noch

Carlo Ancelotti

Wird er Mourinhos Erbe? Carlo Ancelotti wird als neuer Real-Coach heiß gehandelt. picture alliance

Mit Carlo Ancelotti haben die Madrilenen bereits einen Wunsch-Nachfolger. Das Problem dabei ist, dass der Italiener noch einen laufenden Vertrag bei Paris St. Germain besitzt und die finanzstarken Franzosen bisher nicht gewillt sind, ihren Erfolgstrainer gehen zu lassen. Dabei macht Ancelotti keinen Hehl daraus, dass er nach Madrid will. "Er sagte, dass er zu Real gehen möchte. Ich sagte, dass das nicht möglich ist, da er noch ein Jahr Vertrag hat. So lautet unsere Entscheidung", erklärte Paris' Boss Nasser al-Khelaifi, der auf die Einhaltung des Vertrags pocht: "Wenn man einen Kontrakt hat, sollte man sich verpflichtet fühlen, diesen auch einzuhalten."

Al-Khelaifi hat klar Stellung bezogen, oder pokert er nur hoch? Immerhin hat Ancelotti öffentlich erklärt, dass er nicht bleiben will. "Mein Wunsch ist es, den Verein zu verlassen", sagte der Italiener. Ancelottis öffentliche Bitte um Entlassung aus seinem Vertrag erschwert eine weitere Zusammenarbeit ungemein, macht sie schier unmöglich - ein unwilliger Ancelotti würde Paris wohl nicht weiter helfen. Vielleicht kommt es daher doch noch zu einer Übereinkunft. Dafür müsste Real Madrid aber sicher tief in die Tasche greifen.

Mourinho vor der Rückkehr nach Chelsea

Dagegen scheint Mourinhos Zukunft bereits klar zu sein. Seit Wochen wird in spanischen und britischen Medien fest mit seiner Rückkehr zum FC Chelsea gerechnet. "In der kommenden Saison wird es einen neuen Trainer geben. Ich denke, jeder weiß, wer hier sein wird", hatte Chelseas Interimscoach Rafael Benitez jüngst angefeuert, was ohnehin schon ein offenes Geheimnis war.