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Österreichische Nationalmannschaft: Gute Ansätze und zwei große Baustellen

Zwiespältige Bilanz nach den ersten sechs Spielen unter Rangnick

Österreichische Nationalmannschaft: Gute Ansätze und zwei große Baustellen

Auf Ralf Rangnick wartet noch viel Arbeit.

Auf Ralf Rangnick wartet noch viel Arbeit. GEPA pictures

Was unter dem Strich bleibt, ist der Abstieg: Das österreichische Nationalteam musste sich nach der 1:3-Heimniederlage gegen Kroatien aus der höchsten Spielklasse der Nations League verabschieden und spielt in der nächsten Saison wieder in Liga B. Ralf Rangnick, der im Juni dieses Jahres mit einem 3:0-Erfolg in Osijek einen perfekten Einstand als ÖFB-Teamchef gefeiert hatte, ist mit seiner Mannschaft mittlerweile seit fünf Spielen sieglos und blickt aus ergebnistechnischer Sicht auf einen ernüchternden Start zurück.

Nations League

In seinen ersten sechs Spielen weist Rangnick die schlechteste Bilanz seit Karl Brückner (2008 bis 2009) aus, fünf Matches ohne vollen Erfolg gab es zuletzt im Jahr 2011. Keine Frage: Nach dem überzeugenden Debüt sowie starken Heimaufritten gegen Dänemark (1:2) und Frankreich (1:1) wurden der österreichischen Nationalmannschaft in den Rückspielen dreimal klar die Grenzen aufgezeigt. Auch, wenn im abschließenden Gruppenspiel gegen Kroatien mehr möglich gewesen wäre.

Heimspiele machen Lust auf mehr

Letztlich bestätigte sich somit das, was vor Beginn der Nations-League-Saison erwarten worden war: Das Niveau Österreichs reicht nicht dafür aus, um Kaliber wie Frankreich, Kroatien und Dänemark über einen längeren Zeitraum zu gefährden. Wenngleich die couragierte Art und Weise, wie die ÖFB-Elf ihre Partien vor eigenem Publikum bestritt, den rot-weiß-roten Fans durchaus Hoffnung machen darf.

Die ÖFB-Noten zur Niederlage gegen Kroatien

Hervorzuheben ist auch, dass Rangnick nach dem Spiel gegen Kroatien offen zugab, mit seiner Umstellung auf die Viererkette einen Fehler gemacht zu haben. Vorgänger Franco Foda hatte eine derartige Selbstreflexion trotz großteils schwacher Auftritte meist vermissen lassen. Für Rangnick wird es nun darum gehen, den selbstkritischen Worten Taten folgen zu lassen und insbesondere im Offensivspiel Lösungen zu finden.

Denn wie sich - mit Ausnahme der Begegnung in Osijek - in sämtlichen Partien zeigte, hat Österreich an vorderster Front ein mittelgroßes Problem. Und das nicht erst seit dem verletzungsbedingten Ausfall von Sasa Kalajdzic. Es fehlt schlicht und ergreifend ein Vollblutstürmer, der auch in Begegnungen, in denen der ÖFB-Elf die spielerischen Mittel fehlen, für ein Tor gut ist. Dass Österreich dieses Problem nicht exklusiv hat, zeigt sich unter anderem bei einem Blick auf die deutsche Nationalmannschaft.

Außenverteidiger: Keine Dauerlösung in Sicht

Nicht minder problematisch stellt sich für das rot-weiß-rote Team die Lage auf den Außenverteidiger-Positionen dar. "Da müssen wir einfach schauen, dass wir immer die jeweils beste Lösung finden", deutete Rangnick gegnerabhängige Improvisationen an. Nicht die beste Voraussetzung, um die Nationalmannschaft dauerhaft auf ein höheres Niveau zu heben, sind starke Außenverteidiger im modernen Fußball doch längst unerlässlich. 

Nach dem Abstieg in der Nations League ist Rangnicks erklärtes Ziel nun die Qualifikation für die Europameisterschaft 2024. Daran ändert auch der Umstand, dass Österreich nach der Niederlage gegen Kroatien aus Lostopf zwei gezogen wird, nichts. Man wolle bei der Endrunde in Deutschland "eine richtig gute Rolle" spielen, so der 64-Jährige, der auch weiß: "Wir müssen uns im Hinblick auf die Qualifikation weiterentwickeln und verbessern."

Nikolaus Fink