EM

O'Neills heikler Doppeljob - "Wie soll das funktionieren?"

Unruhe bei Deutschlands letztem Gruppengegner

O'Neills heikler Doppeljob - "Wie soll das funktionieren?"

Mal mit der grünen Krawatte, mal mit der roten: Michael O'Neill als Nationalcoach Nordirlands (l.) und bei seinem Debüt am letzten Wochenende bei Stoke City.

Mal mit der grünen Krawatte, mal mit der roten: Michael O'Neill als Nationalcoach Nordirlands (l.) und bei seinem Debüt am letzten Wochenende bei Stoke City. imago images

Die Ära von Michael O'Neill als Coach der nordirischen Nationalelf ist eine Erfolgsgeschichte. Seit Februar 2011 im Amt, führte er Nordirland zur EURO 2016 in Frankreich und damit erstmals überhaupt zu einer EM. Unter ihm stellten die Nordiren mit zwölf ungeschlagenen Länderspielen in Serie einen neuen Verbandsrekord auf, in der Qualifikation für die WM 2018 scheiterten die Nordiren erst in den Play-offs denkbar knapp an der Schweiz (0:1; 0:0). Vor dem abschließenden Doppelspieltag in der laufenden EM-Qualifikation können die Nordiren, die am kommenden Dienstag letzter Gruppengegner der deutschen Nationalelf sein werden (20.45 Uhr, LIVE! bei kicker.de), sogar noch aus eigener Kraft die direkte Qualifikation für die EURO 2020 schaffen.

Doch ausgerechnet nun sorgt O'Neill, der für seine Verdienste um die nordirische Nationalelf bereits Ehrendoktorwürden erhielt, für gehörig Unruhe. Denn am vergangenen Wochenende feierte er beim englischen Zweitligisten Stoke City sein Debüt als Trainer. Sein Einstand glückte, mit einem 4:2 beim FC Barnsley kehrte das in höchster Abstiegsnot schwebende Stoke nach zuvor drei Niederlagen in Folge wieder in die Erfolgsspur zurück.

O'Neill hat bei den Potters einen Vierjahresvertrag unterschrieben, in den beiden noch ausstehenden Qualifikationsspielen am Samstagabend gegen die Niederlande sowie am Dienstag in Frankfurt gegen Deutschland (jeweils 20.45 Uhr) betreut er Nordirland auf jeden Fall. "Es war wichtig für mich, diese Kampagne mit Nordirland zu beenden", sagte O'Neill. "Die Spieler haben mir sieben oder acht Jahre lang alles gegeben, und ich konnte nicht einfach vor diesen beiden Spielen aussteigen." Doch was ist, sollte sich Nordirland für die im März 2020 stattfindenden Play-offs oder sogar für die Endrunde vom 12. Juni bis 12. Juli qualifizieren?

Evans: "Wenn wir uns für die Endrunde qualifizieren, was ist dann?"

O'Neill wäre bereit, auch in diesem Fall an der Seitenlinie zu stehen. Und auch der nordirische Verband hat bereits grünes Licht gegeben - zumindest für die Play-offs: "Natürlich sind wir sehr enttäuscht, dass Michael uns verlässt", sagte IFA-Boss Patrick Nelson. "Wir freuen uns jedoch, dass sich alle Parteien darauf geeinigt haben, dass Michael das Team Nordirlands für die Spiele gegen die Niederlande und Deutschland und die möglichen Play-off-Spiele der EURO 2020 im nächsten März leiten wird."

"Ich verstehe nicht ganz, wie das funktionieren soll", fragt sich nicht nur Verteidiger Jonny Evans, was nach einer möglichen EM-Qualifikation passieren wird. Der 83-malige Nationalspieler glaubt nach einem Gespräch mit O'Neill aber daran, dass dieser auch bei einer möglichen EM-Teilnahme noch Nordirlands Nationalcoach sein wird: "Es besteht meiner Meinung nach die große Chance, dass er auch dann bei uns sein wird", sagte der Leicester-Legionär gegenüber der BBC.

Sollte O'Neill bei der EURO 2020 das Zepter bei Nordirland schwingen, käme allerdings eine enorme Doppelbelastung auf ihn zu. Denn die Championship in England umfasst 24 Teams, bis Anfang Mai 2020 stehen sage und schreibe noch 30 Spieltage an. Hinzu würden noch anschließende Aufstiegsspiele zur Premier League kommen, sollte O'Neill mit Stoke noch irgendwie auf den Rängen drei bis sechs einlaufen.

jer