Bundesliga

Sahin: "Moukoko wird besser vorbereitet sein als ich"

Der Ex-Dortmunder über das Talent, das ihm seinen Rekord abluchsen wird

Nuri Sahin: "Moukoko wird besser vorbereitet sein als ich"

Der bisher jüngste Bundesligaspieler des BVB und sein wahrscheinlicher Nachfolger: Nuri Sahin und Youssoufa Moukoko.

Der bisher jüngste Bundesligaspieler des BVB und sein wahrscheinlicher Nachfolger: Nuri Sahin und Youssoufa Moukoko. Getty Images/imago images

Herr Sahin, vermutlich wird Ihnen Youssoufa Moukoko bald Ihre Uralt-Bestmarke entreißen. Stimmt Sie das traurig?

Überhaupt nicht. Als die neue Regel kam, dass auch 16-Jährige in der Liga spielen können, war mir schnell klar, dass mein Rekord bald gebrochen wird. Es macht mich glücklich, dass es einer von uns ist, auch jemand, den ich kenne.

Wie eng ist Ihr Verhältnis zu Moukoko?

Wir stehen schon länger unregelmäßig in Kontakt. Er schreibt mir seit ein paar Jahren, fragt auch mal um Rat.

Finden Sie die neue Regel für 16-Jährige richtig?

Wäre ich ein Egoist, müsste ich jetzt Nein sagen. (lacht)

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Und da Sie kein Egoist sind?

Der Fußball hat sich enorm entwickelt. Im Wettkampf mit den anderen Ligen musst du up-to-date sein. Wenn man sieht, dass in großen Ländern regelmäßig 16-Jährige spielen, fällt ein Joker weg, wenn du ein großes Talent an Land ziehen möchtest und ihm keine Möglichkeit geben kannst, früh zu spielen. Youssoufa muss jetzt den nächsten Schritt machen - die U 19 ist zu einfach für ihn.

Wenn man sieht, dass in großen Ländern regelmäßig 16-Jährige spielen, fällt ein Joker weg, wenn du ein großes Talent an Land ziehen möchtest und ihm keine Möglichkeit geben kannst, früh zu spielen.

Nuri Sahin

Was stürzt nun alles auf ihn ein?

Einiges. Doch mit Hans-Joachim Watzke, Michael Zorc und Sebastian Kehl sind beim BVB die richtigen Leute am Werk, um ihn zu schützen. Bei seinem ersten Einsatz wird extrem viel auf ihn einprasseln. Youssoufa wird darauf ein bisschen besser vorbereitet sein als ich.

Inwiefern?

Er hat schon viele Follower in den sozialen Netzwerken, war schon in den Medien, hat schon ein paar Interviews gegeben. Das war zu meiner Zeit noch etwas anderes, da gab es kein Instagram, Facebook oder Twitter. Was mir bei Youssoufa gefällt, ist sein extremer Fokus auf den Fußball. Ich bin sicher, dass er aufpasst, diesen Fokus zu behalten. Wenn man mit ihm redet, hört sich das alles schon sehr reif an.

Er wird auf Partys und Feiern weitgehend verzichten müssen. Das erging Ihnen nicht anders. Wie hoch ist der Preis, den junge Fußballer für ihre Karriere zahlen?

Ich habe es nie so empfunden, dass ich etwas aufgebe. Das Ziel, mir diesen Traum zu erfüllen, war viel größer als das Verlangen, durch die Straßen zu ziehen. Wenn du Profi werden willst und werden kannst, ist das kein Verzicht.

Empfindet Moukoko das denn auch so?

Das wird bei ihm nicht anders sein. Nach allem, was ich höre, ist er sehr professionell und macht das sehr gerne. Dass ein Jugendlicher, um den schon ein solcher Hype gemacht wird, noch immer im BVB-Internat wohnt, zeugt von Bodenständigkeit und zeigt, dass man sich um ihn keine großen Sorgen machen muss.

Dass ein Jugendlicher, um den schon ein solcher Hype gemacht wird, noch immer im BVB-Internat wohnt, zeugt von Bodenständigkeit und zeigt, dass man sich um ihn keine großen Sorgen machen muss.

Nuri Sahin

Moukoko wird von Boulevardmedien hofiert und als Wunderkind gefeiert. Was ist, wenn die Stimmung mal umschlägt?

Bisher scheint bei Youssoufa nur die Sonne, Regentage hatte er bisher nicht. Aber diese Regentage werden kommen. Wichtig ist dann, dass man Leute um sich hat, die einen begleiten und einem bewusst machen, dass negative Schlagzeilen dazugehören. Youssoufa wird auch mal Spiele verlieren - und nicht ins leere Tor treffen. Diese Erfahrung musste auch Robert Lewandowski machen.

Moukoko drückt das Durchschnittsalter beim BVB noch weiter. Reyna, Bellingham, Sancho, Haaland und er - wie viele junge Spieler verträgt ein Klub mit diesen Ambitionen?

Wenn es ein Verein verträgt, dann der BVB. Ich glaube nicht, dass das ein Problem ist. Dortmund hat eine sehr ordentliche Achse, dazu die jungen Talente - ich finde die Kaderzusammenstellung extrem interessant.

In welcher Hinsicht?

Der Mix gefällt mir. Mit den Wintertransfers Haaland und Can, dazu jetzt noch Bellingham, von dem ich sehr viel halte, ist die Borussia extrem gut aufgestellt. Und mit Youssoufa kommt, wenn er denn einschlägt, noch mal eine neue Komponente rein. Er verkörpert eine Art von Spieler, die bisher nicht im Kader vorhanden ist. Faszinierend finde ich seine Kaltschnäuzigkeit, wenn er im Sechzehner gefühlt noch dreimal aufzieht, bevor er abschließt.

Wie groß war Ihr Bammel vor dem ersten Bundesligaspiel?

Vor meinem ersten Länderspiel war ich extrem aufgeregt, obwohl ich gar nicht wusste, ob ich zum Einsatz komme. Vor dem ersten Bundesligaspiel sagte mir Bert van Marwijk zwei Tage vorher Bescheid. Es war nicht so, dass ich Bammel hatte. Doch dann ging der Start nach hinten los: Ich bekam in Wolfsburg früh eine Gelbe Karte und dann auch noch einen Beinschuss. Danach lief es aber ganz gut.

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