Nationalelf

Nur Müller hatte einen Plan: Löws Standard-Ärgernis gegen Frankreich

Flick sieht schwache Ecken und Freistöße gegen Frankreich

Nur Müller hatte einen Plan: Löws Standard-Ärgernis

Toni Kroos beim Freistoß gegen Frankreich - Thomas Müller ist schon hinter die französische Abwehrmauer gelaufen.

Toni Kroos beim Freistoß gegen Frankreich - Thomas Müller ist schon hinter die französische Abwehrmauer gelaufen. imago images

Als Thomas Müller in der 25. Minute loslief, musste man plötzlich an Algerien denken: Der wird doch nicht wieder stolpern? Müller stolperte dann nicht, sondern rannte nur wild auf die französische Abwehrmauer zu, die Toni Kroos' Freistoß trotzdem abblockte.

Es war der einzige Moment im EM-Auftaktspiel der deutschen Nationalelf am Dienstag, der zumindest ein bisschen zu dem passte, was Joachim Löw und seine Spieler in den letzten Tagen und Wochen so nachhaltig betont hatten: dass sie "konsequent" Standards trainiert und darauf einen "Schwerpunkt" in der Vorbereitung gelegt hätten.

Standardtraining ohne Ertrag: Löw will "Hebel nochmal ansetzen"

Abgesehen von Müller, der in jener 25. Minute offensichtlich einen Plan hatte, verbargen das die Kollegen gegen Frankreich allerdings bemerkenswert gut. Fünf Ecken - alle in der letzten halben Stunde - ließ der Weltmeister zwar zu, dazu gleich drei exzellente Freistoßgelegenheiten. Doch der Ertrag war so ernüchternd wie in den letzten Löw-Jahren.

"Wir haben viele Standards trainiert. Leider sind wir dafür nicht belohnt worden heute", sagte der Bundestrainer nach der 0:1-Niederlage. "Es ist eine Aufgabe von uns, da in den nächsten zwei, drei Tagen nochmal den Hebel anzusetzen. Auf der anderen Seite ist Frankreich auch Weltmeister im Verteidigen und war in den letzten zwei, drei Jahren die beste Mannschaft im Verteidigen von defensiven Standards. Von daher war klar, dass sie fünf, sechs, sieben Kopfballspieler haben, die im Sechzehner extrem gut verteidigen können."

"Vielleicht war die eine oder andere Ecke zu kurz oder zu lang"

Weil aus dem Spiel heraus vor dem Tor der kompakten Franzosen ohnehin kaum etwas gelang, war die Standardschwäche der DFB-Auswahl besonders schmerzhaft. Vor den Augen von Löw-Nachfolger Hansi Flick, dessen sagenumwobene Standard-Arbeit bei der WM 2014 zu sechs Toren geführt hatte, schoss Toni Kroos einen Freistoß in die Mauer (25.) und einen drüber (27.); der eingewechselte Leroy Sané scheiterte aus ähnlich vielversprechender Position noch deutlicher (88.).

Auch mit den Freistoßflanken aus dem Halbfeld und den Ecken, getreten von Kroos oder Joshua Kimmich, hatten Raphael Varane & Co. wenig Mühe. "Vielleicht war die ein oder andere Ecke zu kurz oder zu lang", räumte Löw ein und stellte mit Blick auf Samstag (18 Uhr, LIVE! bei kicker) fest: "Wir müssen schauen, dass wir uns da verbessern, denn wir brauchen gegen Portugal das ein oder andere Tor."

Dass der spielentscheidende Treffer in München just nach einem ruhenden Ball fiel, passte ins unglückliche Bild. Mats Hummels' Eigentor ging ein Einwurf voraus, bei dem Zuordnung und Aufmerksamkeit nicht stimmten - also genau das, was Löw nach der 7:1-Generalprobe gegen Lettland angemahnt hatte. "So was - aus einem Einwurf", hatte Löw damals gesagt, "das möchte ich nicht sehen."

jpe

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