2. Bundesliga

"Nur" ein Minus von 9,4 Millionen Euro beim FCN?

Bei der Jahreshauptversammlung betont der Club die Wichtigkeit eines neuen Stadions

"Nur" ein Minus von 9,4 Millionen Euro beim FCN?

Unterstreicht die Wichtigkeit eines Stadionneubaus in Nürnberg: FCN-Finanzvorstand Niels Rossow.

Unterstreicht die Wichtigkeit eines Stadionneubaus in Nürnberg: FCN-Finanzvorstand Niels Rossow. imago images/Zink

Die Antwort von Finanzvorstand Niels Rossow fiel je nach Blickwinkel ernüchternd oder zufriedenstellend aus: Das von der Corona-Pandemie geprägte Geschäftsjahr 2020/21 schloss der Club mit einem Minus von 9,4 Millionen Euro ab.

Von der vergangenen Saison überhaupt als eine durchwachsene sprechen zu können, verdankt der FCN seinem guten Endspurt im letzten Saisondrittel mit ordentlichen Ergebnissen und meist guten Leistungen. Der wirtschaftliche Bereich weist, was den Verlauf anbelangt, Parallelen dazu auf. Während des vergangenen Geschäftsjahrs, das nahezu anlog zur Spielzeit verlief, drohte es den Franken zwischenzeitlich, dass sie ihr positives Eigenkapital von 10,4 Millionen aufbrauchen und wieder in den Minusbereich rutschen werden. Dies konnte der Club verhindern, am Stichtag 30. Juni blieb die schwarze Zahl von 1,1 Millionen Euro stehen. Dies bedeutet aber auch, dass Finanzvorstand Niels Rossow bei der Jahreshauptversammlung den Mitgliedern berichten musste, dass der Club das Geschäftsjahr 2020/21 mit einem Minus von 9,4 Millionen Euro abschloss. Dabei erhöhten sich die Schulden um 3,2 auf 13 Millionen Euro. Ein Betrag, den der Verein bei einer Privatperson aufnahm.

Fehlende Zuschauererlöse große Herausforderung

Die Frage, ob man in Anbetracht der Corona-Pandemie dennoch von einem ordentlichen Ergebnis sprechen kann, lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Da dem Club aufgrund der Geisterspiele eine wichtige Grundlage des Geschäftsbetriebs weggebrochen ist, nämlich der eingeplante Zuschauererlös von fast neun Millionen Euro, war das Jahr allein schon deswegen fraglos "äußerst herausfordernd", wie Rossow betonte. Die Formel "alles Corona" greift dennoch nur bedingt, denn durch Kurzarbeit der Mitarbeiter, Gehaltsverzicht der Profis und staatlicher Hilfen reduzierten sich besagte neun Millionen deutlich. Und dass zum Beispiel bei den TV-Geldern rund 2,5 Millionen Euro weniger flossen, lag an der schlechten Platzierung der Saison 2019/20 mit dem Beinahe-Abstieg in die 3. Liga. Dass der Gesamtumsatz von 55,2 auf 35,8 Millionen Euro sank, ist fraglos im Wesentlichen der Corona-Pandemie zuzuschreiben.

Äußerst herausfordernd war das Jahr aber auch deswegen, weil in ihm der unausweichliche Umbau des Radikal-Umbaus nach dem Bundesliga-Abstieg 2019 eingeläutet wurde, was Doppelbezahlung von teuren Mitarbeitern wie Abfindungen zur millionenschweren Folge hatte.

FCN baut eigene Marketing-Abteilung auf

Zugleich konnte sich der FCN aber laut Rossow "dank großer Disziplin" auch eine Abfindung leisten, die der FCN als wichtige strategische Entscheidung für seine Zukunft erachtet: Er zog die Option der Sonderkündigung, die der 2018 bis 2028 verlängerte Vertrag mit dem Sportvermarkter Lagardere, ehemals Sportfive, dem FCN einräumte. Die fällige Abfindung im mittleren siebenstelligen Bereich sieht der Finanzvorstand als eine gute Investition für die weitere wirtschaftliche Grundlage des Vereins. Der FCN baut nun eine eigene Marketing-Abteilung auf, ab dem 30. Juni des nächsten Jahres wird er beim Abschluss eines neuen Sponsorenvertrags nichts mehr abgegeben müssen. Die Provision für den weiterhin parallel tätigen Sportvermarkter betrug und beträgt weiterhin bis Juni 2022 zwischen 20 und 30 Prozent. Da Rossow den Club klar "untervermarktet" sieht, sei dies eine Riesen-Chance für den Club.

Mit dem jetzigen Stadion ist es nicht zu schaffen, ein etablierter Erstligist zu werden. Und das ist unverändert unser Ziel.

Niels Rossow

Aufs laufende Geschäftsjahr wirkt sich dies freilich nur sehr bedingt aus. Kommt es im Winter nicht erneut wegen Corona zu einem Zuschauerausschluss rechnet er mit einem Verlust, der sich knapp im siebenstelligen Bereich bewegt.

Wird der Stadionbau konkret?

In einem anderen Punkt konnte Rossow indes nur Positives berichten. Der FCN hat sich auf die Fahnen geschrieben, viel mehr als nur ein Fußballverein zu sein - und auch so wahrgenommen zu werden. Das Vorhaben, seine gesellschaftliche Relevanz zu erhöhen, ließ der FCN zuletzt mit vielen, vielen sozialen Projekte auch Taten folgen.

Als weiteres wichtiges Thema führte Rossow den Bau eines neuen Stadions auf. Ein Thema, das die Vereinsoberen, egal wie sie hießen, immer mal wieder aufgriffen. Dieses Mal jedoch scheint es konkretere Züge anzunehmen. Mit der Stadt sei der Club bereits im engen Austausch, berichtete der Finanzvorstand den Mitgliedern - und bei der gelinde ausgedrückt schwierigen Finanzierung des Projekts gebe es ganz konkrete Lösungsmöglichkeiten. Was laut Rossow bereits feststeht: "Mit dem jetzigen Max-Morlock-Stadion ist es nicht zu schaffen, ein etablierter Erstligist zu werden. Und das ist unverändert unser Ziel."

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Chris Biechele

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