Int. Fußball

Nur 20 Minuten Pause: George Best wäre 75 Jahre alt geworden

Nordire wäre am heutigen Samstag 75 geworden

Nur 20 Minuten Pause: Das wilde Leben des George Best

Als der Ballon d'Or noch etwas kleiner war: Für kurze Zeit war George Best der beste Fußballer Europas.

Als der Ballon d'Or noch etwas kleiner war: Für kurze Zeit war George Best der beste Fußballer Europas. picture alliance

"I think I found you a genius."

Bob Bishop wusste genau, wenn er einen besonderen Fußballer gesehen hatte. Und das hatte er. Also sendete Matt Busbys Talentsucher jenes berühmte Telegramm in Richtung Manchester United - für das sich durch die Entdeckung eines 15 Jahre jungen Hänflings eine ganze Menge ändern würde.

Best führt United zum größten Ziel

Ein Tunnel durch die Beine des letzten Verteidigers, ein Haken vorbei am verdutzten Torwart und schon jubelnd abdrehen, bevor der Ball die Torlinie überquert hat. In der Verlängerung des Europapokalendspiels der Landesmeister gegen Benfica Lissabon hätte wohl die ganze Welt das Genie erkannt.

1968 war das, eine Woche nach dem 22. Geburtstag von George Best, in dessen Geburtsurkunde noch Ronald Samuel Best gestanden hatte. Der Vorname war egal, der Nachname Programm. Er wurde noch im gleichen Jahr in den Sockel des Ballon d'Or eingraviert.

1969 gab Best, so sagte er zumindest selbst, die Frauen und den Alkohol auf - "es waren die schlimmsten 20 Minuten meines Lebens".

Die Schwerpunktsetzung hatte sich verschoben und der Wunderjunge, der gerade erst auf den Weg des Erwachsenwerdens abbog, eigentlich schon alles erreicht. Zum Beispiel Manchester Uniteds so heiß ersehnten Europapokaltriumph, zehn schmerzhafte Jahre nach dem Flugzeugunglück im kalten Münchner Schneetreiben.

Trainer Busby, Bests Ziehvater, war somit am Ziel - und plötzlich weg. Für George ging es fortan bergab.

Am Ziel: George Best (rechts am Pokal) und Manchester United auf dem Thron des europäischen Fußballs.

Am Ziel: George Best (rechts am Pokal) und Manchester United auf dem Thron des europäischen Fußballs. picture alliance

"Unmöglich, ihm wehzutun"

Für den "Belfast Boy" war das Leben - also der Fußball - immer ziemlich einfach gewesen. Das besondere Talent eben, das man selbst mit harter Arbeit bekanntlich nicht erlernen konnte. Im Gegensatz zu einer gewissen körperlichen Widerstandsfähigkeit, worauf Busby bei Best im täglichen Training großen Wert legte.

Ein einmaliges Gefühl für Ball und Körper, gegnerische Grätschen, die einfach verpufften. Nicht nur Manchester Citys Trainer Joe Mercer musste einsehen, dass "es unmöglich schien, ihm wehzutun". Mit Ball am Fuß konnte ihm keiner was. Doch die Gefahren lauerten für George Best nicht auf dem Platz.

Der fünfte Beatle

Als der Teenager aus Nordirland nach Manchester gekommen war, hatte die Gastmutter noch gegen sein Heimweh ankämpfen müssen. Neben dem Training verdiente sich Best als Arbeiter ein wenig Kleingeld dazu. Doch spätestens seit dem März 1966, nach der ersten Gala gegen Lieblingsgegner Benfica, war er selbst über die britischen Grenzen hinaus "der fünfte Beatle" - einer der ersten Popstars des Fußballs.

Ich wurde mit einem großen Talent geboren, und damit einher geht ein gewisser Zerstörungsdrang.

George Best

Bürgerliche Gastfamilie und bodenständige Hafenarbeit tauschte der Frauenschwarm nun gegen TV-Auftritte, eigene Modeboutiquen und Romanzen mit sämtlichen Schönheitsköniginnen. Die süßen Verführungen des Lebens. "Ich wurde mit einem großen Talent geboren, und damit einher geht ein gewisser Zerstörungsdrang", erklärte sich Best.

Nie bei einem großen Turnier

Ein Drang, dem er freien Lauf ließ. Sportlich begann sein Stern schon mit Anfang 20 zu sinken, vor allem versank er in Unmengen von Alkohol, der Best in jeglicher Lebenslage straucheln ließ. "Nur" 37 Länderspiele in 14 Jahren für Nordirland, mit dem er nie ein großes Turnier erreichte, repräsentierten die fehlende Zuverlässigkeit, die den "Belfast Boy" nach seinen frühen Erfolgen als Sportler, Ehemann und Vater ausmachte.

George und die Frauen: Seine Miss war meistens eine "Miss".

George und die Frauen: Seine Miss war meistens eine "Miss". picture alliance

Um 75 Jahre alt zu werden - an diesem Samstag wäre es so weit gewesen -, hätte Best auch seine Organe besser behandeln müssen. Ein wildes Leben, in dem er sein "Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgab - und den Rest einfach verprasste", endete bereits nach 59 Jahren, im November 2005.

"Ich sehe mich nicht als Fußballer", hatte George Best einmal gesagt, "sondern vielmehr als Unterhalter. Es ist meine Aufgabe, die Leute mit dem Gefühl nach Hause zu schicken, dass sie mich noch einmal sehen wollen."

Noch zu seiner Beerdigung erschienen 100.000 von ihnen.

Niklas Baumgart