2. Bundesliga

Nürnberg: "Die Brust ist breiter geworden"

Oral-Aussage irritiert Wiesinger

Nürnberg: "Die Brust ist breiter geworden"

Michael Wiesinger bei der Ansprache an sein neues Team

Nürnbergs Coach Michael Wiesinger bei der Ansprache an sein neues Team. imago images

Das am vergangenen Mittwoch eingesetzte Interimstrainerteam Michael Wiesinger und Marek Mintal jedenfalls hat in den wenigen Tagen bereits für einen deutlichen Stimmungsumschwung gesorgt.

Klar erkennbar wurde dies in dem Kurztrainingslager, das der Club am Donnerstag in Bad Gögging bezog und am Samstagnachmittag beendete. Herrschte zuvor auf dem Trainingsplatz eine nach der Empfindung vieler Spieler gespenstische Stille, so kehrte in den Tagen in Niederbayern wieder das pralle Fußballleben zurück - mit lautstarken Kommandos, Anfeuerungen, Korrekturen und auch Gelächter. "Der Spirit ist zurück", fasst Wiesinger die vergangenen Tage zusammen und kann damit schon mal einen Haken hinter seine erste, vordringlichste Aufgabe machen. Der Mannschaft wieder Leben einzuhauchen, sie zu emotionalisieren, ist nun einmal die Grundvoraussetzung, um eine erfolgreiche Relegation spielen zu können. "Die Brust ist breiter geworden, die Köpfe sind nach und nach mehr nach oben gegangenen. Dies ist ein Beleg dafür, dass Marek und ich die Mannschaft erreichen, ihr Vertrauen gewonnen haben", sagt der 47-Jährige.

Die Basis ist somit dafür gelegt, dass die rein fußballspezifischen Vorgaben greifen können, die das Trainerteam der Elf mit auf den Weg geben. Dass Wiesinger nicht alles von links nach rechts krempeln wird, versteht sich alleine aufgrund der Kürze der Zeit. Zudem ist da ja der Spielstil von Ingolstadt. Und der wird wenig Überraschendes zu bieten haben. Seit Tomas Oral bei den Schanzern das Sagen hat, ist der nämlich sehr simpel: Hinten dicht, gewonnene Bälle hoch nach vorne, um dann auf den zweiten Ball zu gehen lautet das Oralsche Strickmuster. Daraus ergibt sich zwangsweise einer der Dinge, die Wiesinger seinem Team einbläut: Eben bei besagten zweiten Bällen hellwach zu sein, sie mit der entsprechenden Gier unbedingt holen zu wollen. Dazu gehört auch, dass es beim FCN im letzten Drittel kein Übergeben der Gegenspieler geben wird, sondern rein mannorientiert verteidigt wird.

Wir müssen in der Relegation nicht in den ersten 30 Minuten alles niederreißen, auch im ersten Spiel dürfte noch nichts entschieden sein.

Michael Wiesinger

Was es laut dem zum vorübergehenden Cheftrainer umfunktionierten NLZ-Leiter ebenfalls nicht geben wird: einen offenen Schlagabtausch wie eine Alles-oder-nichts-Marschroute. "Wir müssen in der Relegation nicht in den ersten 30 Minuten alles niederreißen, auch im ersten Spiel dürfte noch nichts entschieden sein", so der 47-Jährige, der damit rechnet, viel Ballbesitz zu haben. Und sollte es höchst überraschend anders kommen, auch kein Problem: "Natürlich haben wir einen Plan B und C."

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Wiesinger will Drucksituation umwandeln - Team hat "guten Geist entwickelt"

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Im gleichen Atemzug kündigt er an, dass er sehr wohl das eine oder andere im Köcher hat, mit dem er die Oberbayern überraschen kann: "Durch den Trainerwechsel sind wir für den Gegner unberechenbarer geworden. Das wollen wir nutzen."

Wie, hält er, logisch, unter Verschluss, doch es sollte mit dem Umstand zusammenhängen, dass den Ingolstädter eine körnerraubende Terminhatz in den Beinen steckt. Somit ist auch eine von der ersten Minute an aggressive Taktik mit hohem, resolutem Anlaufen des Gegners denkbar. So haben die Heidenheimer den hohen Favoriten Werder beim 0:0-Hinspiel in Bremen eiskalt erwischt - und mit deren Trainer Frank Schmidt ist Wiesinger im ständigen Austausch. So auch jetzt. "Wir haben uns viel Glück gewünscht."

Mavropanos kehrt ins Abwehrzentrum zurück

Kein Wunschgedanke ist es, dass er aus dem Vollen schöpfen kann. Alle 21 Feldspieler und die drei Keeper, die das Trainingslager bestritten, sind einsatzbereit. Somit wird in der Innenverteidigung auch wieder die Arsenal Leihgabe Konstantinos Mavropanos zum Zug kommen, der verletzungsbedingt die letzten drei Ligaspiele zuschauen musste. Mit dem 22-Jährigen hat der Club also wieder seinen Abwehrstabilisator an Bord und damit einen weiteren Grund, warum Wiesinger die Kopfballstärke des FCI kein Kopfzerbrechen bereitet: "Ich denke, da haben wir auch einiges zu bieten. Das ist ja auch ein Plus von uns, das entscheidend zum Tragen kommen könnte."

Dass es nun ausgerechnet gegen jenen Klub geht, den er 2012 per Relegation in die 2. Liga hievte, ist für ihn eine dieser Geschichten, die nur der Fußball schreibe. "Genau das ist mir in den den Kopf geschossen, als ich am Samstag den Aufstiegskrimi in der 3.Liga verfolgt habe." Somit kommt es für ihn auch zum Duell mit seiner eigenen Vergangenheit. "Ich freue mich darauf, etliche bekannte Gesichter wiederzusehen." Was seine Ambitionen anbelangt, kennt er freilich keine Verwandten: "Gratulation an Ingolstadt für eine ganz starke Saison - aber wir wollen unbedingt in der 2. Liga bleiben und dafür werden wir auch alles tun."

Orals Aussagen erstaunen Wiesinger: "Wüsste nicht, dass Oral mich kennt"

Ohnehin ist sein Gegenüber Tomas Oral in Wiesingers alte freundschaftliche Banden zum FCI gegrätscht. Der Trainer der Schanzer hat auf der Pressekonferenz gesagt, dass sie die neuen Verantwortlichen am Valznerweiher sehr gut kennen - und dass "vieles von dem, was sie von sich gegeben haben, nicht ihrem Naturell entspricht." Als Wiesinger wiederum bei der FCN-PK mit diesem "speziellen Gruß" konfrontiert wurde, blieb ihm sichtlich not amused erst einmal die Sprache weg, um dann den Konter zu fahren: "Das erstaunt mich schon sehr, denn ich wüsste nicht, dass mich Oral kennt."

Chris Biechele

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