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Notrufsäulen: Wer braucht die Helfer in Orange?

Noch immer werden viele Meldungen abgesetzt

Notrufsäulen: Wer braucht die Helfer in Orange?

Bereitschaftsdienst: Obwohl sie weniger häufig frequentiert werden als früher, haben die Notrufsäulen noch nicht ausgedient.

Bereitschaftsdienst: Obwohl sie weniger häufig frequentiert werden als früher, haben die Notrufsäulen noch nicht ausgedient. ampnet/GDV

Früher ist das ein gängiges Bild am Rand der Autobahn gewesen: Auf dem Seitenstreifen ein havariertes Fahrzeug, wenig weiter dessen Fahrer respektive dessen Fahrerin, der/die sich an einer Notrufsäule zu schaffen machte.

Solche Szenen sind inzwischen seltener geworden: Im Zeitalter des Handys haben die allermeisten ihren eigenen Notruf an Bord. Und doch stehen bundesweit noch immer rund 17.000 Notrufsäulen entlang der Schnellstraßen. Denn: Entbehrlich sind die orangefarbenen Kästen, von denen die ersten im Jahr 1955 aufgestellt worden sind, noch lange nicht. Jährlich werden über sie ca. 46.000 Hilfsersuchen auf den Weg gebracht, im Schnitt alle elf Minuten eines, mit erhöhter Frequenz während der ferienbedingten Hauptreisezeit, aber auch bei schwierigen Wetterlagen wie Frost. Und so werden die Notrufsäulen nach wie vor auch an neu gebauten Autobahnabschnitten installiert.

Funkloch oder leerer Akku

Auf das Handy ist schließlich nicht immer Verlass. Die Säulen dagegen "sind kabelgebunden, sie kennen weder ein Funkloch noch einen leeren Akku", wie Dr. Jens Bartenwerfer erklärt, Chef der GDV Dienstleistungs-GmbH des Gesamtverbands der Deutschen Versicherer, die seit 1999 im Auftrag des Bundes die Notrufsäulen an den Bundesautobahnen betreibt.

Keine Sprachbarrieren

Hinzu kommt, dass im Falle einer Panne oder eines Unfalls die Aufregung oft so groß ist, dass der genaue Ort des Geschehens nicht genau oder zumindest nicht in der erforderlichen Schnelligkeit weitergegeben wird. Auch dieses Problem stellt sich an der Säule nicht, denn sie übermittelt ihren Standort automatisch und exakt an die Notrufzentrale. Und noch einen weiteren Vorteil gibt es: Sprachbarrieren spielen in aller Regel keine Rolle, da am anderen Ende der Leitung viel-, häufig sogar muttersprachlich bewandertes Personal sitzt.

Eingerichtet sind die Notrufsäulen in einem Abstand von etwa zwei Kilometern. In welcher Richtung die nächste steht, zeigt ein schwarzer Pfeil auf den weißen Leitpfosten - letztlich läuft man also maximal einen Kilometer zum Helfer in Orange.

Zwei Typen von Säulen gibt es: Die einen besitzen eine Klappe; wird sie angehoben, erfolgt automatisch die Verbindung zur Notrufzentrale. Die anderen sind mit zwei Tasten ausgestattet - die gelbe dient der Meldung einer Panne, die rote dem Hinweis auf einen Unfall oder eine anderweitige Notsituation, denn auch "Geisterfahrer", Gegenstände auf der Fahrbahn oder Böschungsbrände werden auf diesem Wege aktenkundig gemacht.

Hinter der Leitplanke bleiben

Der Gang zum Telefon sollte hinter der Leitplanke erfolgen, für den Hilfesuchenden empfiehlt es sich, dabei eine Warnweste zu tragen.

Wer doch das Handy nutzt, wählt die Notrufnummer 112 an. Dabei sollten die Antworten fünf wichtigen W-Fragen parat sein: Wo ist der Notfall passiert? Was ist geschehen? Wie viele Personen sind betroffen? Welcher Art sind die Verletzungen? Wie schwer sind sie?

"eCall" ist Pflicht

Auch Pannenhilfs-Apps können helfen. Und seit März 2018 müssen neue Fahrzeugtypen mit dem Notrufsystem "eCall" ausgestattet sein, das im Falle eines schweren Unfalls automatisch Hilfe anfordert und sich auch nachrüsten lässt.

Gebraucht werden die Notrufsäulen zwar nach wie vor. Und dennoch wird es in Zukunft wohl noch ruhiger an ihnen werden.

Ulla Ellmer