DFB-Pokal

Nollenberger zum HSV: "Der Gegner ist zu schlagen"

Bayreuths Offensivmann im kicker-Interview

Nollenberger zum HSV: "Der Gegner ist zu schlagen"

Will mit seinem Team gegen den HSV überraschen: Bayreuths Alexander Nollenberger.

Will mit seinem Team gegen den HSV überraschen: Bayreuths Alexander Nollenberger. IMAGO/Beautiful Sports

kicker: Lassen Sie uns kurz einige Wochen zurückblicken. In Bayreuth gab es einen Trainerwechsel. Timo Rost ging, Thomas Kleine übernahm. Wie haben Sie den Wechsel erlebt?

Alexander Nollenberger: Klar sind das zwei verschiedene Typen. Thomas zeichnet seine sehr ruhige Art aus. Mit Timo hatten wir die letzten Jahre sehr viel Erfolg bis hin zum Aufstieg in die 3. Liga, das war natürlich Wahnsinn. Von der Mannschaft her sind aber fast alle Eckpfeiler geblieben und so sind wir als eingeschworene Truppe auch in die Vorbereitung gegangen. Die Stimmung war letzte Saison super und sie ist auch in dieser Saison super. Der neue Trainer hat sich sehr gut mit eingefunden und weiß genau, wie die Mannschaft tickt. Unser Team hat sich schon immer durch viel Harmonie ausgezeichnet - und das ist jetzt unter Thomas nicht anders.

Also ist durch den Abgang des Erfolgstrainers keinesfalls ein Bruch zu erkennen.

Nein, absolut nicht. Wir sind sehr zufrieden mit unserem neuen Trainer.

Zufrieden waren Sie, abgesehen vom Ergebnis (0:1), auch mit dem Auftakt in Ingolstadt.

Wir wollten natürlich Punkte mitnehmen, das ist klar. Wir haben auch durchaus unsere Chancen gesehen, in Ingolstadt etwas zu holen. Nun haben wir gesehen, dass wir in der 3. Liga mithalten können. Klar gibt es Sachen, in denen wir uns verbessern können. Die ersten Minuten mit dem frühen Gegentor waren natürlich bitter. Doch man hat die ganze Woche nicht gemerkt, dass wir verloren haben, die Stimmung war gut und jeder hat gesehen, dass wir in der 3. Liga richtig sind und mithalten können.

Beim HSV sind Spieler drin, die verdienen wahrscheinlich so viel wie unsere ganze Mannschaft.

Alexander Nollenberger

Hand aufs Herz: Konnten Sie das Pokal-Highlight gegen den HSV vor dem Spiel in Ingolstadt komplett ausblenden?

Ja - und ich glaube, da kann ich für die ganze Mannschaft sprechen. Für viele war es das erste Spiel in der 3. Liga, für mich das Startelfdebüt in der 3. Liga - das ist schon auch ein sehr großer Moment in deiner Karriere. Der HSV war bei mir persönlich nicht präsent. Ich denke, das war bei vielen so.

Aber nun ist der HSV natürlich in Ihren Köpfen. Nehmen Sie uns mit in Ihre Woche.

Es ist bei allen eine totale Vorfreude zu spüren. Jeder ist heiß, jeder will weiterkommen. Wir wollen nicht wie gegen Bielefeld (3:6 im vergangenen Jahr in der ersten Pokalrunde, Anm. d. Red.) ein gutes Spiel machen und dann rausfliegen. Wir wollen alles rausholen und den Hamburger SV vor eine große Herausforderung stellen. Es gilt, so lange wie möglich die Null zu halten - und dann das Ding zu ziehen. Taktisch sind wir komplett auf den HSV eingestellt. Wobei ich auch ganz klar sagen muss: Beim HSV sind Spieler drin, die verdienen wahrscheinlich so viel wie unsere ganze Mannschaft. Wir haben da schon einen großen Gegner vor uns, der im Sommer kurz vor der Rückkehr in die Bundesliga stand.

Alexander Nollenberger

Zum Auftakt verloren Alexander Nollenberger & Co. knapp in Ingolstadt. IMAGO/Eibner

In Tim Walter haben die Hamburger einen Trainer, den Sie aus Ihrer Zeit bei Bayern München kennen.

Genau, wir haben damals eine halbe Saison zusammengearbeitet. Natürlich versuchst du da immer, deinen Ex-Trainer zu ärgern, das ist schon ein zusätzlicher Anreiz für mich.

Der HSV startete mit dem durchaus glücklichen Sieg in Braunschweig in die Saison, am Sonntag gab es eine Heimniederlage gegen Rostock. Haben Sie die Spiele verfolgt?

Ja, habe ich. Man sieht schon, dass man ihnen weh tun kann, wenn man hinten gut steht und vorne mit guten Kontern reinsticht. Der Gegner ist zu schlagen, das ist klar. Klar ist allerdings bei so einer Konstellation auch immer, dass wir einen sehr guten Tag brauchen und der Gegner einen schlechten. 

Die Leistungen der Hamburger waren wenig überzeugend. Das dürfte Ihren Glauben an die Überraschung nicht unbedingt verringert haben, oder?

Klar, wenn der Favorit im ersten Spiel fast strauchelt und das zweite verliert, ist es immer so, dass sie Medien direkt schlecht berichten. Trotzdem sind sie Aufstiegsanwärter, natürlich dürfen wir sie nicht unterschätzen - und das werden wir selbstredend auch nicht tun. Wir lassen uns da nicht blenden, sie sind Aufstiegsfavorit, wahrscheinlich sogar der größte in diesem Jahr. Der HSV hat unglaubliche Qualität.

Es werden 15.000 Zuschauer erwartet, dazu spielen Sie gegen einen großen Traditionsverein in der 1. Pokalrunde: Ist das das größte Spiel Ihrer bisherigen Karriere?

Mit Bayreuth den Aufstieg geschafft zu haben und dann in Ingolstadt mein Startelfdebüt in der 3. Liga gefeiert zu haben, war schon auch sehr besonders. Aber jetzt vor 15.000 Fans zu Hause gegen den HSV zu spielen, das ist für mich dann schon das größte Spiel meiner Karriere bisher. Ich habe zwar schon einmal vor 60.000 mit Bayern im Audi Cup gespielt oder vor gut 17.000 in der 3. Liga in Rostock, aber die Bedeutung des Spiels am Samstag ist natürlich größer. So eine Kulisse gibt dir natürlich nochmal einen richtigen Schub. 

Gegen Bayern II haben Sie vergangene Saison schon vor 10.000 Zuschauer gespielt. Beim 4:0 war auch klar zu sehen, wie Sie das beflügelt hat.

Wenn man gesehen hat, was da los war - das hat großen Spaß gemacht. Klar macht das mit dir was, wenn die eigenen Fans dich so nach vorne peitschen, das treibt doch auf eine neue Ebene. Das haben wir zum Beispiel auch gegen Bielefeld gesehen.

Stichwort Bielefeld: Da haben Sie vor einem Jahr schon gesehen, was in so einem Spiel geht. Sie haben beim 3:6-Erstrundenaus einen packenden Fight geliefert. Was ist jetzt anders?

Damals waren mit der Situation rund um Corona noch nicht so viele Zuschauer da. Es war auch am Anfang der Saison, wo wir noch nicht eingespielt waren, jetzt sind wir das. Zudem war es für Bielefeld das erste Punktspiel, Hamburg hatte schon zwei Begegnungen und ist schon in der Saison drin. Wir nehmen aus dem letzten Jahr mit, dass wir auch gegen solche Gegner Tore machen können. Wir wollen hinten gut stehen, dann setzen wir auf Konter. Und wenn dann vielleicht das 1:0 für uns fällt, dann kommen auch die Fans. Wir werden definitiv alles aus uns herausholen, auch wenn es eigentlich nicht mehr geht. Das Bielefeld-Spiel war für die meisten das erste im DFB-Pokal. Jetzt haben wir diese Erfahrung und wissen, was abgeht. Der Glaube an den Sieg ist dadurch auch einfach größer. 

Wie stehen denn die Chancen?

Hamburg ist natürlich der große Favorit. Wir gehen demütig an die Sache ran, aber auch mit vollem Mut und mit totaler Überzeugung. Wir gehen in das Spiel rein, um es zu gewinnen - und für dieses große Ziel werden wir alles geben.

Werfen wir mal noch einen kurzen Blick weiter in die Zukunft. Nach dem Spiel gegen den HSV steht eine Woche später das erste Heimspiel in der 3. Liga gegen Freiburg II an. In Bayreuth herrscht nach dem Aufstieg eine große Euphorie und Vorfreude. Was erwarten Sie von der Saison?

Man merkt die Euphorie in der ganzen Stadt. Es werden Gespräche über unseren Verein geführt, immer wieder hört man den Namen "Altstadt" heraus - das ist für uns schon sehr schön und zugleich ein Anreiz, etwas zurückzugeben. Wir wollen uns in der Saison nicht verstecken, auch Spiele mal dominieren. Wir wollen unbedingt den Klassenerhalt schaffen und da arbeiten wir hart für. Wir werden uns weiterhin entwickeln und dann hoffentlich so früh wie möglich den Ligaverbleib feiern.

Interview: Mirko Strässer

Die Trainer in der 3. Liga