Tennis

"Nole, Nole" - Novak Djokovics erfolgreiche "Achterbahnfahrt"

Weltranglistenerster bestätigt "Muskelriss"

"Nole, Nole" - Djokovics erfolgreiche "Achterbahnfahrt"

Neun Finals in Melbourne, neun Siege: Novak Djokovic.

Neun Finals in Melbourne, neun Siege: Novak Djokovic. imago images

Nach seiner eindrucksvollen Machtdemonstration und dem einzigartigen neunten Australian-Open-Triumph sehnte sich Novak Djokovic nach seiner Familie. "Es war sicher einer der emotional herausfordernsten Titel", sagte der 33-Jährige, der aufgrund der Coronavirus-Pandemie ohne seine Frau und seine zwei kleinen Kinder angereist war: "Es zerreißt mir das Herz. Ich vermisse sie. Ich kann es nicht erwarten, sie zu sehen."

Der Tennis-Star war nachdenklich und euphorisch zugleich. Am Tag nach dem Sieg von Naomi Osaka feierte Djokovic mit dem unerwartet einseitigen 7:5, 6:2, 6:2 am Sonntag gegen Herausforderer Daniil Medvedev seinen zweiten Titel-Hattrick bei den Australian Open und seinen insgesamt 18. Grand-Slam-Triumph.

Liebeserklärung an die Rod-Laver-Arena

Djokovic ließ sich rücklings auf den blauen Hartplatz fallen, nachdem er bei seinem ersten Matchball im Rückwärtslaufen auch noch den komplizierten Schmetterball gemeistert hatte. Gnadenlos hatte er den Lauf des 25-jährigen Russen beendet, der zuvor 20 Partien in Serie gewonnen hatte. "Ich möchte der Rod-Laver-Arena danken. Ich liebe dich jedes Jahr mehr und mehr", sagte der alte und neue Champion.

Aufgrund einer Bauchmuskelverletzung hatte Djokovic nach der dritten Runde von Aufgeben geredet, es waren aber auch Zweifel an der Schwere der Verletzung aufgekommen. Mit dem funkelnden Norman Brooks Challenge Cup vor sich offenbarte er: "Es ist ein Riss, ein Muskelriss". Er habe es akzeptiert, dass er mit Schmerzen spielen müsse: "Es war eine Achterbahnfahrt für mich."

Djoker erwartet kaum noch Publikum

Fairer Verlierer: Daniil Medvedev gratuliert Novak Djokovic (r.) zum Sieg.

Fairer Verlierer: Daniil Medvedev gratuliert Novak Djokovic (r.) zum Sieg. imago images

Grübelnd bedankte sich die Nummer eins dafür, dass das Grand-Slam-Turnier in der Corona-Pandemie stattfand: "Wenn wir Bilanz ziehen, war es ein erfolgreiches Turnier. Es wird sehr unwahrscheinlich, dass wir irgendwo anders Publikum sehen werden."

Mit rund 7500 Zuschauern war in den vergangenen Tagen etwa die Hälfte der Ränge belegt, der zwischenzeitliche fünftägige Lockdown in der australischen Metropole war am Donnerstag vorbei gewesen. Die Australier haben mit strikten Maßnahmen auf Corona reagiert und sind auch deshalb bislang gut durch die Krise gekommen. Auch die Tennisprofis bekamen die harte Haltung der Australier bei ihrer notwendigen zweiwöchigen Quarantäne vor dem Turnier zu spüren.

Nachfolger-Debatte wird weitergehen

Djokovic wurde von seinen Fans mit serbischen Flaggen sowie "Nole, Nole"-Rufen gefeiert. "Es ist eine Frage der Zeit, wann du einen Grand Slam gewinnen wirst", sagte Djokovic zu Medvedev und witzelte, wenn er nichts dagegen habe, solle er noch ein paar Jahre warten.

Die Debatte, wann endlich ein Spieler der inzwischen nicht mehr ganz so jungen Nachfolge-Generation einen Vertreter des prägenden Herren-Trios Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer in einem der wichtigsten Endspiele bezwingen kann, wird weitergehen.

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Djokovic erteilt Medvedev eine Tennis-Lektion

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Djokovic rückte mit seinem 18. Grand-Slam-Titel näher an die Bestmarken seiner Rivalen Federer und Nadal heran, die jeweils 20 haben. All seine Endspiele in der Rod-Laver-Arena hat er gewonnen. Die Hälfte seiner nun 18 Grand-Slam-Titel hat der Weltranglisten-Erste bei den Australian Open gewonnen.

Er ist der König von Melbourne, was soll man anderes sagen.

Daniil Medvedev

"Er ist der König von Melbourne, was soll man anderes sagen", meinte der neue Weltranglisten-Dritte Medvedev, dem viele eine ernsthafte Chance zugetraut hatten. Medvedev ließ die Möglichkeit aus, seine zuletzt bestechende Form für seinen ersten großen Titel zu nutzen. Djokovic dominierte den Beginn, nach acht Minuten stand es 3:0. Zunächst ließ sich Medvedev nicht irritieren und glich wieder aus.

Doch nach dem noch recht ausgeglichenen ersten Durchgang war der Serbe dann viel zu stark für seinen Kontrahenten. Beim 1,98 Meter großen, russischen Schlaks wuchs der Frust, bei 2:5 im zweiten Satz zerstörte er wütend seinen Schläger. In seinem ersten Major-Finale bei den US Open 2019 hatte Medvedev gegen Nadal mit 0:2-Sätzen zurückgelegen und den Favoriten noch in den fünften Durchgang gezwungen. Diesmal erteilte Djokovic ihm eine Lektion.

Den einzigen Major-Titel, der in den vergangenen vier Jahren nicht an Djokovic, Nadal oder Federer gegangen war, sicherte sich im vergangenen September Dominic Thiem. Der Österreicher gewann im Endspiel gegen Alexander Zverev, nachdem sich Djokovic selbst aus dem Turnier genommen hatte, weil er mit dem Ball unabsichtlich eine Linienrichterin getroffen hatte und disqualifiziert wurde.

dpa

Der Djoker bleibt der König von Melbourne