U 21

Lukas Nmecha (U 21): "So will ich es ins A-Nationalteam schaffen"

Der U-21-Torjäger über seinen Verbandswechsel, Anderlecht und seine EM-Ziele

Nmecha: "Auf dieser Basis will ich es ins A-Nationalteam schaffen"

Schoss für den RSC-Anderlecht zahlreiche Tore: U-21-Nationalspieler Lukas Nmecha.

Schoss für den RSC-Anderlecht zahlreiche Tore: U-21-Nationalspieler Lukas Nmecha. picture-alliance

Über die U-21-EM berichten Michael Pfeifer und Carsten Schröter-Lorenz

Nach einer kräftezehrenden Saison trat "England-Import" Nmecha in Sachen Training am Donnerstag etwas kürzer, gab sich dafür aber in einer Medienrunde umso angriffslustiger. "Wenn es um so etwas geht, denkt man nicht so viel über den Körper nach, man muss einfach im Kopf stark und fokussiert sein." Der Stürmer ist davon überzeugt, dass die DFB-Junioren im Viertelfinale am Montag im ungarischen Szekesfehervar (21 Uhr, LIVE! bei kicker) die starken Dänen schlagen können, die ohne Punktverlust und Gegentor die Gruppe mit Frankreich, Russland und Island dominierten.

Lukas Nmecha (22) sprach über ...

... die Gründe für seinen Wechsel vom englischen Verband, für den er von der U 16 bis zur U 21 in allen Auswahlteams spielte, zum DFB Anfang des Jahres 2019: "Ich habe in der Jugend bei Manchester City gespielt und alle meine Freunde sind für die englische Nationalmannschaft aufgelaufen. Das war eine Art Belohnung für die Leistungen, deswegen habe ich auch für England gespielt. Sobald ich die Möglichkeit hatte, für Deutschland zu spielen, die sich erst gegen Ende meiner Karriere in den U-Teams ergab, habe ich entschieden, das zu machen, weil ich in Hamburg geboren und zur Hälfte Deutscher bin. Abgesehen davon, dass ich dort gelebt habe, habe ich eigentlich nichts Englisches in mir."

... seinen DFB-Premiereneinsatz beim 2:1-Sieg der U 21 in England im März 2019 und den Stellenwert der U 21 in seiner Karriere: "Erst ein paar Minuten vor dem Warm-up erfuhren wir, dass ich spielen darf. Wir haben gewonnen, das war schön und extra süß (grinst). Ich bin jetzt schon zwei Jahre bei der deutschen U 21 - das ist eine längere Zeit, als ich bisher bei einem Klub verbracht habe. Das ist auf eine Art eine Stabilität für mich, ich fühle mich hier wie zu Hause mit den Mitspielern und dem Staff. Hier gibt es einen absoluten Feel-Good-Faktor."

"Ich hatte mit Kompany einen top Trainer"

... die Rolle als Mittelstürmer: "Ich bin eigentlich kein hundertprozentiger Strafraumstürmer, aber ich habe in Anderlecht nun zum ersten Mal eine ganze Saison auf dieser Position gespielt und lerne immer besser, wo ich mich vorne am besten positioniere. Ich habe früher auch auf dem Flügel gespielt, ich spiele gerne mit der Mannschaft und will nicht nur vorne drinstehen. Ich finde gerade meinen Weg und fühle mich als Mittelstürmer immer wohler, sehe dort auch perspektivisch die besten Chancen für mich. Ich hatte diese Saison mit Vincent Kompany im Verein einen top Trainer, der mir viel geholfen hat, auch durch die regelmäßige Spielzeit habe ich viel gelernt. Ich glaube, dass ich das Talent habe, diese Rolle auszufüllen, muss aber noch ein paar Schritte machen."

... die Aussichten auf einen Platz in der A-Nationalmannschaft: "Als Fußballer schaut man immer auch danach, wo man die besten Chancen hat, sich durchzusetzen. Es gibt aktuell nicht so viele deutsche Stürmer, auch deshalb habe ich mich auch mit Blick auf die Zukunft für den DFB entschieden. Es gibt natürlich Timo Werner, der das gut macht und die A-Nationalmannschaft schießt ja auch Tore. Ich denke also nicht, dass ich sofort da oben reinspringe. Aber ich habe diese Saison gut gespielt, auf dieser Basis will ich nächstes Jahr versuchen, es ins A-Nationalteam zu schaffen. Wenn ich mich so weiterentwickele, wie ich es möchte, bin ich hoffentlich bald nah dran."

U-21-EM als große Bühne - "Danach oft gute Transfers"

... die Bedeutung der K.o.-Phase der U-21-EM für die Mannschaft und ihn persönlich: "Wir wissen, dass es für uns alle eine große Bühne ist. Wenn man bei einer U-21-EM gut spielt, ergeben sich danach oft gute Transfers. Luca Waldschmidt zum Beispiel ist ein Jahr später zu Benfica gewechselt. Da schauen viele Leute hin. Von den Marktwerten her müssten die anderen Teams eigentlich besser sein als wir, aber wir haben schon oft gezeigt, dass wir eine gute Truppe sind. Wir haben alle Selbstvertrauen und denken, dass wir mit den Top-Nationen mithalten und sie auch schlagen können. Ich selbst möchte natürlich so viele Tore schießen wie möglich, das ist klar bei einem Stürmer (grinst). In der Gruppenphase war es ganz gut (zwei Tore in drei Einsätze, Anm. d. Red.). Natürlich sieht man immer in der Analyse Situationen, in denen ich es hätte besser machen können, insgesamt bin ich ganz zufrieden, will mich aber weiter pushen und treffen."

"Möglichkeiten gesehen, wie wir sie schlagen können"

... Viertelfinalgegner Dänemark: "In der Videoanalyse haben wir Möglichkeiten gesehen, wie wir sie gut schlagen können. Es wird natürlich kein einfaches Spiel sein, gegen Frankreich waren sie stark. Wenn wir aber fokussiert bleiben, hart arbeiten und den Matchplan umsetzen, schaffen wir das schon."

... seine Erfahrungen als junger Joker bei der U-21-EM 2019, die Deutschland als Zweiter beendete: "Das Wichtigste war für mich zu sehen, dass es vor allem um das Team geht. Man hat bei der aktuellen Gruppenphase gesehen, dass es ein Team wie England mit großen Spielernamen nicht geschafft hat, weil es dort mehr um die Einzelspieler geht. Das gibt es bei uns nicht. Wir haben nicht den einen Spieler, der mit Abstand der beste ist. Wir sind eine gute Truppe, mit klarem Kopf, wir geben alles, sind ein super Team. Das hilft sehr bei einem solchen Turnier."

Dorsch herausragend, doch gelbgesperrt

... den besten Spieler in der deutschen U 21: "Ich würde nicht vom besten Spieler sprechen, aber in der Gruppenphase hat Niklas Dorsch herausragende Leistungen gezeigt. Er hat sehr gut gespielt, aber leider kann er am Montag wegen seiner Gelbsperre nicht dabei sein."

... seine Saison beim RSC Anderlecht, in der Nmecha 21 Tore in 41 Pflichtspielen zur Halbfinalteilnahme im Pokal und Platz vier in der Liga beisteuerte: "Wir wollten eigentlich nicht Vierter werden, in den Play-offs waren es schwierig, wir hatten viele junge Spieler, haben in den Spielen einige entscheidende Fehler gemacht. Für mich persönlich war es eine super Saison einfach für den Kopf. Die zwei Saisons davor liefen nicht so gut, es ist dann immer schwierig, das Selbstvertrauen zu behalten. Ich habe es beibehalten, mich diese Saison top gefühlt, einiges dazu gelernt verglichen mit dem Beginn der Saison. Für mich war es sehr erfolgreich, aber die Saison ist für mich noch nicht vorbei, wir haben jetzt hoffentlich noch drei Spiele, wo wir alles geben können."

... seine Zukunftspläne, da seine Leihe nach Anderlecht endet und sein Vertrag bei Manchester City nur noch bis 2022 läuft: "Ich versuche meinen Kopf klar zu halten, im Hinterkopf gibt es dieses Thema, aber ich konzentriere mich jetzt auf die EM-Spiele. Wenn das hier vorbei ist und wir hoffentlich den Titel gewonnen haben, dann entscheide ich gemeinsam mit meiner Familie, was der beste nächste Schritt für mich ist. Der nächste Move für mich wird sehr wichtig, da muss ich gut drüber nachdenken und werde jetzt keine schnelle Entscheidung treffen."

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