Bundesliga

"Nichts ist, wie es scheint" - Jols Leitsatz passt zum Abschied

Einwurf von Sebastian Wolff

"Nichts ist, wie es scheint" - Jols Leitsatz passt zum Abschied

Martin Jol

Monierte regelmäßig die fehlende Qualität im Kader: Martin Jol. imago

Nichts ist, wie es scheint. Martin Jol, etikettiert mit dem Ruf des sympathischen Holländers, hat das oft gesagt in seiner Hamburger Amtszeit, die nur elf Monate dauerte. Er sagte dies, wenn es um die Zukunft von Spielern ging. Oder um die Ausrichtung in Spielen. Es wirkte wie ein Leitsatz. Sein Leitsatz. Nur diesen Rückschluss lässt ein Abschied zu, der den HSV nicht ganz unvorbereitet trifft und der beinahe folgerichtig ist nach dem jüngsten Richtungsstreit, der den Klub aber auch - wieder mal - zur Großbaustelle macht.

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Dass die Baustelle selbst verschuldet sei, sagen Kritiker. Doch die Alternative wäre gewesen, Jol mit aller Machtfülle auszustatten und mit Dietmar Beiersdorfer jenen Mann in seinen Kompetenzen zu beschneiden, der in den zurückliegenden Monaten oft nur noch als Chef-Verkäufer des HSV wahrgenommen wurde, der mit seiner Politik jedoch maßgeblich daran beteiligt ist, dass Hamburg sich nach Jahren des Mittelmaßes zum fünften Mal in Folge für das internationale Geschäft qualifiziert hat.

"Der Verein steht über allem", lautet Beiersdorfers Leitsatz. Das klingt verantwortungsbewusster als "Nichts ist, wie es scheint." Jol, der als Trainer fraglos eingeschlagen hat, monierte in der Vergangenheit regelmäßig die fehlende Qualität in seinem Kader und die vielen Verkäufe. Er ließ in seinem Klagelied jedoch unerwähnt, dass der HSV im Sommer auch 30 Millionen in neues Personal investiert hatte und dass ihm mit Thiago Neves und Alex Silva für rund 13 Millionen zwei Wunschsspieler gekauft wurden, von denen einer bereits seit einem halben Jahr wieder weg ist und der andere wohl bald weg sein wird.

Bereits am Donnerstag, also zwei Tage vor dem Alles-oder-Nichts-Spiel des HSV in Frankfurt, soll Jol mit Ajax weitgehend Klarheit über eine gemeinsame Zukunft erzielt haben. Sonntag, nach dem wichtigen 3:2, verkündete er, er könne sich vorstellen, noch vier, fünf Jahre in Hamburg zu arbeiten. Zwei Tage später heuerte er in Amsterdam an. Nichts ist, wie es scheint.

Sebastian Wolff