DFB-Pokal

Wie Bayer Leverkusen das Aus gegen Eintracht Frankfurt abwendete

Bayer 04 zieht sich nach schwierigem Start selbst aus dem Schlamassel

"Nichts" gelernt und doch entwickelt: Wie Leverkusen das Aus abwendete

Jubel trotz schwachen Beginns: Bayer 04 Leverkusen steht im Achtelfinale des DFB-Pokals.

Jubel trotz schwachen Beginns: Bayer 04 Leverkusen steht im Achtelfinale des DFB-Pokals. imago images

Ob man aus der 1:2-Niederlage in Frankfurt in der Liga vor eineinhalb Wochen etwas gelernt habe, wurde Lukas Hradecky nach dem 4:1-Sieg von Bayer 04 gegen die Eintracht gefragt. Und die Antwort des Leverkusener Torhüters fiel typisch für diesen aus. "Am Anfang nichts", sagte der 31-Jährige und fügte ironisch an: "Vielleicht haben wir davon gelernt, dass wir nicht in Führung gehen, sondern sie in Führung gehen lassen sollen. Hat funktioniert..."

Natürlich war es kein taktischer Zug, dass Frankfurt in der ersten halben Stunde das Spiel dominierte, Bayer aggressiv zustellte, gute Angriffe entwickelte und früh in Führung ging. Und hätte André Silva seine Topchance zum 0:2 genutzt, als er alleine vor Hradecky am starken finnischen Nationaltorhüter scheiterte, hätte Bayer wohl nicht wieder so in die Spur zurückgefunden.

"Die erste halbe Stunde war die Eintracht die bessere Mannschaft. Aber heute waren die Marginalien auf unserer Seite", urteilte Hradecky. In der Tat stand Edmond Tapsoba beim 2:1, einem ersten Pflichtspieltreffer für Bayer 04, im Abseits. Und der Strafstoß zum 1:1 war diskussionswürdig und zugleich der Knackpunkt des Spiels.

Das 1:1 als "Dosenöffner" - Bosz macht ein "Riesenkompliment"

So erklärte Mittelfeldspieler Nadiem Amiri, der das 3:1 durch eine Energieleistung hervorragend vorbereitet hatte, zum Spielverlauf: "Ich dachte in den ersten 20 Minuten: Was ist hier schon wieder los? Was passiert hier wieder? Wir sind nicht gut ins Spiel gekommen. Nach dem 0:1 war es wieder eine schwierige Kiste, aber das 1:1 war wie ein Dosenöffner. Da waren wir viel aktiver, haben Gas gegeben und immer mehr zu unserem Spie gefunden. Und in der zweiten Halbzeit hat man den Unterschied gesehen."

Der Sieg dürfte für Bayer besonders wertvoll sein, da man mit diesem die Dursttrecke von drei Ligaspielen mit nur einem Punkt (und den zuhause gegen Bremen) beendet zu haben hofft. "Es sind alles nur Menschen. Da sieht man, dass das Vertrauen nicht mehr so da war", analysierte Peter Bosz zur schwierigen Startphase nach den drei Misserfolgen, "dann haben wir gekämpft und besser und besser Fußball gespielt. Da muss ich der Mannschaft ein Riesenkompliment machen, dass wir das Spiel überhaupt noch gedreht haben."

Eine Weiterentwicklung. Denn auch wenn die Werkself während ihres Laufes bis zum 13. Spieltag wiederholt Rückschläge in einem Spiel weggesteckt hatte, so stellt diese Fähigkeit in einer schlechten Phase eine deutlich höher zu bewertende Qualität dar. Ob dieser Entwicklungsschritt ein dauerhafter ist, muss Bayer allerdings in der Liga erst noch beweisen. Schon am Freitag (20.30 Uhr, LIVE! bei kicker) bei Union Berlin.

Amiri: "Das macht gierig genug"

Im DFB-Pokal eröffnen sich nach dem Sieg gegen Frankfurt mit Achtelfinal-Gegner Rot-Weiss Essen aus der Regionalliga West gute Perspektiven. Das ist der Wettbewerb, in dem Bayer unbedingt etwas reißen möchte. "Wir standen letztes Jahr im Finale. Das macht gierig genug, den Pokal zu gewinnen und wieder gut zu machen, was wir da im Finale verkackt haben", erklärte Amiri unverblümt in Bezug auf den enttäuschenden Auftritt der Werkself bei der 2:4-Niederlage im Endspiel gegen Bayern München.

Dass Essen im DFB-Pokal nicht die Endstation für Bayer 04 sein wird, davon ist Amiri überzeugt: "Wir sind heiß auf Rot-Weiss Essen", sagt er, "ich glaube, die freuen sich nicht, gegen uns spielen müssen." Erst recht nicht, nachdem Bayer jetzt seine Comeback-Qualitäten in dieser beeindruckenden Form wiederentdeckt hat.

Stephan von Nocks

Bilder zur Partie Bayer 04 Leverkusen - Eintracht Frankfurt