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NHL 22 Review: Neue Engine - aber alte Probleme

Das Eishockey Franchise im Test

NHL 22 Review: Neue Engine - aber alte Probleme

Kann NHL 22 den Erwartungen gerecht werden?

Kann NHL 22 den Erwartungen gerecht werden? EA Sports

Am 15. Oktober ist mit NHL 22 der mittlerweile 31. Teil der Videospielserie auf dem Eisparkett erschienen. Im Vorfeld wurde vor allem die grafische Überarbeitung angepriesen. Mit der Frostbite Engine, die EA bereits seit Jahren erfolgreich in Battlefield und FIFA anwendet, soll auch die Eishockey-Simulation den nächsten Schritt wagen.

An der Mechanik ändert die neue Engine aber nicht viel. Während die Lichtverhältnisse oder auch die Eisoberfläche deutlich realistischer dargestellt werden, merkt man an den Bewegungen der einzelnen Spieler keinen allzu großen Sprung nach vorne. Die Arenen, Zuschauer und vor allem die virtuellen Stars profitieren aber von dem neuen Anstrich, die Details in ihrer Ausarbeitung sind definitiv eine Aufwertung für die Anhänger der Reihe. Die Gesichter der Cracks sind in der Simulation mittlerweile deutlich besser wiederzuerkennen. Aber wie sieht es abseits der grafischen Neuerungen aus?

Das Leben eines Profis: Zwischen Karriere und X-Faktoren

Ein großer Fokus liegt natürlich wie immer auf dem "Be a Pro"-Modus. Hier verfolgt man als aufstrebendes Talent seinen großen Traum von der NHL. Egoismus wird aber hart bestraft: Die Vorgaben des Trainers sind zu befolgen, etwaiges Fehlverhalten führt zu schlechten Bewertungen und einer möglichen Verbannung auf die Bank.

Alle Entscheidungen und die daraus resultierenden Konsequenzen münden in die eigene Leistung auf dem Platz und das Wachstum des Charakters. Auch Talent, Fähigkeiten und die Beziehung zu den Mannschaftskollegen hängen schlussendlich davon ab. Das Freischalten der sogenannten Superstar X-Faktoren sind der Knackpunkt in der Entwicklung zum Leistungsträger.

Dem Weg zum Star geht ein harter Weg voraus. 

Dem Weg zum Star geht ein harter Weg voraus.  EA Sports

Wie zuvor bereits erwähnt, zählen die X-Faktoren zu den wichtigsten Neuerungen in NHL 22. Sie stellen einzigartige Fähigkeiten dar, die auf dem Eis am Ende den Ausschlag für Sieg oder Niederlage geben können. Aber nicht alle Spieler verfügen über derartige Eigenschaften, wodurch die Simulation ihrem Anspruch an Realitätstreue etwas gerechter wird. Im Karrieremodus können solche Fähigkeiten nur durch harte Arbeit erlangt werden. Um es an die Spitze der Nahrungskette zu schaffen, steht also ein strammes Trainingsprogramm auf dem Plan.

Insgesamt hat der Karrieremodus - abgesehen von den eben jenen Sonderfähigkeiten - keine nennenswerten Änderungen erfahren. Er stellt nach wie vor das solide Fundament der NHL-Reihe dar und besticht durch seine ansprechende und vollständig durchdachte Atmosphäre.

Trotz Neuerungen noch ein weiter Weg zum authentischen Eishockey

Auch wenn die X-Faktoren das Spiel um eine weitere realistische Komponente bereichern, ist der Begriff "Simulation" doch fehl am Platz. Dies lässt sich vor allem an den Abläufen während eines Matches ablesen. Zwar büßen die Spieler im Laufe der kräftezehrenden Minuten auf dem Eis stetig an Ausdauer ein, auf die eigentliche Leistung hat dies aber keine Auswirkungen. Nach wie vor kann ein einzelner Crack den Unterschied machen - egal ob er erst frisch eingewechselt wurde oder bereits zwei volle Drittel hinter sich gebracht hat.

Im Zweikampf zieht NHL dieses Jahr selbst den Kürzeren.

Im Zweikampf zieht NHL dieses Jahr selbst den Kürzeren. EA Sports

Hinzu kommt das Verhalten der gegnerischen KI. Fouls und Strafen sind wie üblich eine Rarität in NHL 22. Körperbetonte Zweikämpfe und darauffolgende Auseinandersetzungen sind nur zwei der vielen Markenzeichen des Sportes, im Spiel kommt dieser Aspekt jedoch kaum zur Geltung. Auf einem höheren Schwierigkeitsgrad ist das regelwidrige Verhalten der KI noch seltener zu beobachten. Eine doch eher surreale Entwicklung, die in Sachen Authentizität Minuspunkte einbringt.

Im Vergleich zu NHL 21 hat sich die Steuerung kaum verändert, die Beweglichkeit der Spieler wurde jedoch viel natürlicher. Das Passen wurde ebenso überarbeitet und erfordert deutlich mehr Feingefühl als in den vergangenen Jahren. Eine falsche Dosierung der Passstärke kann mittlerweile schnell in eine Interception münden. Für Einsteiger gestaltet sich der Start demnach etwas schwierig, dazu tragen vor allem die fehlenden bzw. nicht gerade ausführlichen Tutorials bei.

Neue Engine sorgt für Spielspaß

Insgesamt stellt NHL 22 aber definitiv das beste Spiel der Geschichte des Franchises dar. Die Einführung der neuen Engine poliert die bisher etwas raue und kantige Oberfläche etwas auf und bereitet die Simulation optimal auf die neue Konsolengeneration vor.

"Be a Pro" bleibt nach wie vor das Zugpferd von NHL und wurde durch das Implementieren der X-Faktoren um einen weiteren wichtigen Aspekt erweitert. Dadurch werden die eigentlichen Superstars der Szene ihrer Rolle auch gerecht und können den siegbringenden Unterschied machen.

Daher kann man auch darüber hinwegsehen, dass das Spiel eigentlich mehr einem Arcadespiel als einer Simulation ähnelt. Das ist bei den Sportspielen von EA aber sowieso eher die Regel als eine Ausnahme - und grafische Last-Gen-Abstriche müssen auch bei NHL gemacht werden.

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Christoph Niederkofler