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11.01.2019, 15:25

Jeder will offenbar den "nächsten Sean McVay"

Das absurde Auswahlverfahren für neue NFL-Coaches

Jung, offensiv denkend und am besten irgendwie mit Sean McVay befreundet. Die diesjährige Head-Coach-Suche in der NFL zeigt, dass ein toller Lebenslauf gar nicht mehr nötig ist.

Kliff Kingsbury und Sean McVay
Freunde? Sean McVay (re.) war an Kliff Kingsburys Verpflichtung nicht unbeteiligt.
© Getty Images (2)Zoomansicht

So nett die Zeilen sind, fragwürdiger könnten sie kaum sein. Als die Arizona Cardinals vor drei Tagen auf ihrer Website Kliff Kingsbury als neuen Head Coach vorstellen, heben sie dabei hervor, dass Kingsbury, 39 und zuletzt sechs Jahre als Texas-Tech-Coach semierfolgreich am College unterwegs, "ein Freund von Sean McVay" sei. Und dass McVay, 32 und seit zwei Jahren erfolgreich als Rams-Coach aktiv, "ein offensives Genie" und der "Entwurf der neuen Trainersuche in der NFL" sei.

Das mit der Freundschaft mag stimmen oder nicht, zumindest die zwei Punkte danach sind Tatsachen; und letzterer zugleich etwas bedenklich. Nachdem zum Abschluss der Regular Season gleich acht NFL-Teams ohne Trainer dastanden, war klar, dass die Suche nach einem neuen Taktgeber bei dieser Fülle an führungslosen Mannschaften etwas Feingespür und Mut brauchen würde.

LaFleur und Kingsbury: Nicht erfolgreich, aber mit McVay-Verbindung

Nun, da fast alle acht fündig wurden, ist das Muster so eindeutig wie absurd. Die Green Bay Packers haben Matt LaFleur geholt, der als Coordinator in Tennessee für die viertschlechteste Offense der NFL zuständig war. Niemand sonst schien sich ernsthaft um den 39-Jährigen bemüht zu haben, aber immerhin: Er ist jung und hat als Offensive Coordinator ein Jahr für McVay in Los Angeles gearbeitet, auch wenn er dabei keine Spielzüge ansagen durfte.

Kliff Kingsbury hat am College immerhin MVP-Kandidat Patrick Mahomes trainiert, eine 35:40-Gesamtbilanz und auch sonst nicht wirklich etwas vorzuweisen. Aber immerhin: Er ist jung und offenbar mit McVay befreundet. Und er denkt offensiv, soll also Quarterback Josh Rosen, den letztjährigen First-Round-Draft-Pick, weiterbringen.

Zac Taylor: Völlig ohne Erfahrung, aber mit McVay-Verbindung

Die Cincinnati Bengals sind sich nun angeblich mit Rams-Quarterbacks-Coach Zac Taylor einig, dürfen aber noch nichts verkünden, solange L.A. in den Play-offs mitwirkt (Samstagnacht, 2.15 Uhr, gegen die Dallas Cowboys). Taylor, 35, war vorher der Assistenz-Wide-Receivers-Coach. Also nicht mal der tatsächliche Coach, sondern der Assistent. Zuvor durfte sich der ehemalige Quarterback immerhin für fünf Spiele als Interims-Offensive-Coordinator bei den Miami Dolphins zeigen. Aber: Er ist jung und offensiv denkend.

Weil die Rams vor zwei Jahren mit McVay, dem footballbesessenen Mastermind, einen Glücksgriff landeten, der jüngste Head-Coach der NFL-Geschichte in seinem Debütjahr aus der schlechtesten die beste Offense formte, Quarterback Jared Goff auf das nächste Level brachte und jetzt in beiden Jahren die Play-offs erreicht hat, wollen viele Teams dieses Konzept kopieren.

"Der Balljunge der Rams hat schon Anrufe erhalten"

Das darf man Mut nennen, im Grunde sind sie alle aber nur auf der Suche nach dem "nächsten Sean McVay". Da reicht es inzwischen wohl schon aus, mit McVay befreundet zu sein. Die New York Jets und Cleveland Browns gehen den gleichen Weg, haben mit Adam Gase (40, zuletzt Dolphins-Head-Coach) und Freddie Kitchens (44, zuletzt OC bei den Browns) ebenfalls junge und offensiv eingestellte Trainer verpflichtet.

Der beste Defensive Coordinator der laufenden Saison ging dabei fast unter. Den Denver Broncos wird es egal sein, sie hatten im Werben um Vic Fangio (60, zuletzt in Chicago) fast keine Konkurrenz. Bleiben derzeit nur noch die Dolphins, die auf der Suche sind. Aber, so treffend witzelt "The Ringer", "der Balljunge der Rams hat schon Anrufe erhalten".

mkr

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