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20.03.2019, 12:23

Deutschlands Testspiel-Gegner im Porträt

Jovic & Co. haben bei Serbien neue Euphorie entfacht

Gegen Serbien startet Bundestrainer Joachim Löw die Mission "Neustart" - ein Weg, den der kommende Gegner in den letzten Jahren selbst durchschritten hat. Mittlerweile wurde sogar so etwas wie Euphorie entfacht. Der deutsche Testspielgegner im Porträt.

Mladen Krstajic
Will mit Serbien zur EM: Trainer Mladen Krstajic.
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Jahrelang dümpelte der serbische Fußball vor sich hin. Auf Klubebene verabschiedeten sich die Vertreter meist schon in der Qualifikation, und auch die Nationalmannschaft schaffte es trotz durchaus namhafter Besetzung - Dejan Stankovic, Nemanja Vidic oder Branislav Ivanovic - nicht zu überzeugen. Bei der EM 2012, der WM 2014 und der EM 2016 glänzte Serbien durch Abwesenheit.

Hoffnung machte jedoch die Jugend, denn im Junioren-Bereich machten die "Weißen Adler" von sich reden: U-19-Europameister 2013 und zwei Jahre später U-20-Weltmeister. Der ein oder andere Spieler hat mittlerweile den Sprung zu den Großen geschafft: Predrag Rajkovic (Maccabi Tel Aviv), Milos Veljkovic (Werder Bremen), Sergej Milinkovic-Savic (Lazio Rom), Nemanja Maksimovic (FC Getafe), Mijat Gacinovic (Eintracht Frankfurt), Andrija Zivkovic (Benfica Lissabon), Marko Grujic (Hertha BSC) oder Aleksandar Mitrovic (FC Fulham) - sie spielen inzwischen für die A-Nationalmannschaft.

Damit einher ging auch ein Aufschwung des gesamten Teams. Das mündete dann auch in der erfolgreichen Qualifikation zur WM in Russland. Dort zahlten die "Weißen Adler" zwar Lehrgeld - vor allem gegen die Schweiz (1:2) und Brasilien (0:2) -, verkauften sich aber unter dem Strich trotz Vorrunden-Aus letztlich anständig. Dies wurde auch in der sonst äußert kritischen heimischen Presse registriert - das Aus war kein Weltuntergang. Ähnlich war die Stimmung unter den emotionalen Fans, die anders als sonst mal nicht alle Beteiligten zum Teufel jagen wollten.

Euphorie neu entfacht

Ein Hoffnungsträger des serbischen Fußballs: Luka Jovic.
Ein Hoffnungsträger des serbischen Fußballs: Luka Jovic.
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Inzwischen ist sogar so etwas wie Euphorie aufgekommen, erst recht nach der erfolgreichen Nations League. Serbien setzte sich in Gruppe 4 der Liga C vor Rumänien, Montenegro und Litauen durch und stieg auf. Bei den Gegnern handelte es sich zwar nicht um Kontrahenten von großem Format, dennoch gilt das Abschneiden als großer Erfolg, zumal sich die Serben in der Vergangenheit immer wieder gegen vermeintliche Fußballzwerge blamiert hatten (z.B. 1:2 in Kasachstan, 1:3 gegen Estland, 0:1 in Mazedonien).

Durch den Erfolg in der Nations League können sich die "Weißen Adler" auf zwei Wegen für die EM 2020 qualifizieren - über die Playoffs und natürlich über die reguläre Qualifikation. In dieser bekommt es das Team von Trainer Mladen Krstajic erneut mit Litauen zu tun, aber auch mit Portugal, der Ukraine und Luxemburg. Das Ziel ist klar. "Nach 20 Jahren mal wieder bei einer EM dabei zu sein, das ist mein Traum", verriet Krstajic. "Für mich wäre das mein größter Erfolg als Trainer."

Verzockte sich Krstajic bei der WM oder wurde Mut einfach nicht belohnt?

In der Tat würde das zutreffen, da Krstajic erst kurz vor der WM als Nationaltrainer installiert wurde. Zuvor hatte sich der Verband von Slavoljub Muslin aufgrund von Differenzen im Hinblick auf die Kadernominierung getrennt. Krstajic trat die Aufgabe als völliger Neuling an, hatte er doch zuvor nur etwas Erfahrung als Co-Trainer von Muslin gesammelt. Bei der WM erlaubte er sich dann auch den einen oder anderen Fehler. So ließ er sein Team im zweiten Gruppenspiel gegen die Schweiz beim Stand von 1:1 weiter stürmen und wurde ausgekontert.

Gegen Brasilien ging er hohes Risiko, vertraute auf eine sehr junge und recht offensiv ausgerichtete Startelf: Die Leistung stimmte, das Ergebnis nicht - 0:2. So manch ein Kritiker hielt Krstajic vor, dass er sich verzockt hatte. Andere wiederum lobten Krstajic für seine mutige Herangehensweise und dafür, dass die Mannschaft wieder etwas offensiver spielte.

Bedrückt: Aleksandar Mitrovic, Adem Ljajic, Milos Veljkovic und Nemanja Matic (v.l.).
Bedrückt: Aleksandar Mitrovic, Adem Ljajic, Milos Veljkovic und Nemanja Matic (v.l.).
© imago

So oder so: Er verfügt über eine Mannschaft, die aus einer guten Mischung von Alt und Jung besteht. Das Korsett des Teams bilden gestandene Profis wie Nemanja Matic (30, Manchester United), Dusan Tadic (30, Ajax Amsterdam) und Aleksandar Kolarov (33, AS Rom). Dazu kommen die zahlreichen jungen Wilden wie beispielsweise Frankfurts Luka Jovic, den Krstajic mit Luis Suarez vergleicht, oder Florenz' Abwehrass Nikola Milenkovic. Taktisch sind die Serben recht berechenbar, was auch am Trainer liegt, der bislang stur am 4-2-3-1 festhält und sich anderen Systemen konsequent verweigert. Ob es bei ihm zu einem Umdenken kommt, bleibt fraglich, allerdings dürfte auch Krstajic nicht entgangen sein, wie erfolgreich die drei Frankfurter Serben - Jovic, Gacinovic, Filip Kostic - im 3-5-2 agieren.

Mediale Schlammschlacht - Differenzen mit Nastasic und Milivojevic

Ganz ohne Querelen geht es bei den Serben aber nicht. So gab es zwischen Krstajic und Matija Nastasic (Schalke 04) sowie Luka Milivojevic (Crystal Palace) Differenzen, die letztlich dazu geführt haben, dass beide Profis nicht mehr für Serbien spielen möchten. Milivojevic hatte den Coach wegen dessen Taktik gegen Brasilien scharf kritisiert und lieferte sich mit dem Trainer in den Folgemonaten eine mediale Schlammschlacht, in der er Krstajic gar der Lüge bezichtigte.

Nastasic indes beklagte sich über die schlechte Kommunikation des Nationaltrainers bei seiner WM-Ausbootung. Der Schalker hatte sich nach Kreuzbandriss wieder rangekämpft, wurde aber auf den letzten Drücker gestrichen. Anschließend beklagte er sich bitter darüber, dass Krstajic mit ihm nicht persönlich darüber gesprochen hatte. Dazu äußern will sich der 25-Jährige nicht mehr. "Was ich im vergangenen Jahr gesagt habe, ist noch aktuell. Ich spiele derzeit nicht für die Nationalmannschaft. Das gilt nicht für immer, aber für jetzt und die nächste Zeit", sagte Nastasic auf kicker-Nachfrage.

drm

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