Vorerst keine offizielle Verabschiedung für Müller und Co.

Bierhoff verteidigt Strategie - Brandt hat Zweifel an "endgültigem Schnitt"

Nationalelf - 18.03. 16:08

Oliver Bierhoff hatte eine "Aufbruchstimmung" ausgemacht bei der ersten Teamsitzung der Nationalmannschaft im Jahr 2019, und das lag nicht etwa daran, dass Joachim Löw wegen einer Zahn-OP noch nicht in Wolfsburg eingetroffen war. Bierhoffs Aussage bezog sich vielmehr darauf, dass in den aussortierten Weltmeistern Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels drei absolute Führungsfiguren fehlten und stattdessen die drei Debütanten Lukas Klostermann, Maximilian Eggestein und Niklas Stark das Gesicht der DFB-Auswahl verjüngen.

"Die Mannschaft muss sich finden, sie muss wachsen": Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff. © imago

"Es ist wirklich ein Neustart", betonte Bierhoff, der sich am Stammsitz des neuen DFB-Generalsponsors VW erstmals öffentlich zur Ausmusterung der drei Weltmeister vor zwei Wochen äußerte. Der Direktor Nationalmannschaften und Akademie verteidigte Löws Vorgehen sowohl inhaltlich als auch in der Form und wies damit die Kritik von DFB-Präsident Reinhard Grindel an der internen und externen Kommunikation zurück. "Ich glaube, es war der richtige Schritt, die Information relativ knapp zu halten", so Bierhoff: "Hätten wir mehr Vorlauf gehabt, wäre das Risiko groß gewesen, dass die Nachricht vorzeitig raus geht." Das habe man unbedingt vermeiden wollen, so der als Bindeglied zwischen Nationalmannschaft und DFB-Präsidium fungierende Bierhoff.

Am Rande des Testspiels gegen Serbien am Mittwoch (20.45 Uhr, LIVE! bei kicker.de) soll Bierhoff die Vorgänge in einem Gespräch mit der Delegationsleitung erläutern. Diese wird von Grindel angeführt und besteht unter anderem aus Generalsekretär Friedrich Curtius, Vizepräsident Reinhard Koch sowie DFL-Präsident Reinhard Rauball und dessen Stellvertreter Peter Peters. Er habe "keine Verteidigungslinie" für diese Unterredung, betonte Bierhoff. Er betonte zudem, dass es eine offizielle Verabschiedung für Hummels, Müller und Boateng zumindest in absehbarer Zeit nicht geben werde, auch wenn Löw ("Ich plane nicht mit ihnen") seinen Entschluss als final darstellte. "Solange ein Spieler nicht aus der Nationalmannschaft zurücktritt, werde ich ihn nicht verabschieden", so Bierhoff.

Brandt: "Man sieht sich immer zweimal im Leben"

Ohnehin bleiben in der Mannschaft - Aufbruchstimmung hin oder her - Zweifel an der Endgültigkeit von Löws Entscheidung. Dies verdeutlichte im 22-jährigen Julian Brandt ausgerechnet ein Vertreter der Generation Zukunft. "Ich glaube nicht, dass es ein endgültiger Schnitt ist. Es kann so viel passieren", sagte der für sein Alter bemerkenswert reflektiert auftretende Offensivspieler und fügte schmunzelnd hinzu: "Man sieht sich immer zweimal im Leben." Die ausgemusterten Weltmeister hätten "mit ihrer Körpersprache andere Spieler mitgerissen und den DFB über Jahre super repräsentiert".

Bierhoff: "In Holland sind wir nicht der Favorit"

Das sollen jetzt andere tun. "Wir haben die Persönlichkeiten, die das schaffen werden. Wir kriegen das Führungsthema hin", glaubt Brandt. Davon ist auch Bierhoff überzeugt, der allerdings zurecht darauf hinwies, dass dieser Verjüngungskurs wohl nicht ohne Rückschläge bleiben wird. "Es ist ein Prozess. Die Mannschaft muss sich finden, sie muss wachsen." Die souveräne EM-Qualifikation in Form einer der beiden ersten Gruppenplätze ist trotzdem Pflicht, auch wenn Bierhoff die eigenen Reihen im Gruppen-Topspiel am Sonntag in Amsterdam in der Außenseiterrolle sieht: "In Holland sind wir nicht der Favorit."

Gnabry soll am Dienstag nachreisen

Für diese Partie gilt es, sich gegen Serbien einzuspielen. Bei der von Assistent Marcus Sorg geleiteten ersten Trainingseinheit am Montag waren 22 der 23 berufenen Spielern mit dabei. Serge Gnabry fehlte wegen einer Erkältung, der Münchner soll am Dienstag nachreisen.

Oliver Hartmann

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