Zur Loginbox springen Zur Navigation springen Zum Inhalt springen
16.05.2019, 10:31

MLS: Ehemaliger Zweitligastürmer im kicker-Interview

Kacper Przybylko: "Das Angebot vom FCK war unterirdisch"

Kacper Przybylko macht sich gerade in den USA einen Namen, traf zuletzt dreimal in Folge für Philadelphia. Mit dem kicker sprach der gebürtige Bielefelder über missglückte Operationen, einen schiefen Fuß und die vergessliche Fußballwelt.

Kacper Przybylko
Jubel in Philly, Frust in Lautern: Kacper Przybylko über seine Karriere.
© picture alliance (2)Zoomansicht

Kacper Przybylko, kennen Sie Grafite?

Klar! Ich erinnere mich noch an sein Tor gegen die Bayern.

In den vier (beeindruckenden) Jahren beim VfL Wolfsburg wanderte die Aussprache seines Namens von "Grafitti" über "Grafietsch" bis zu "Grafiete". Können Sie sich denken, warum ich Ihnen diese Frage stelle?

Vermutlich wegen meines Nachnamens? (lacht)

Richtig! Dann klären Sie uns bitte auf.

In Amerika nennt mich jeder "Käcper", in Deutschland bleiben wir einfach bei "Pritsche".

Das erste Rätsel ist gelöst, das zweite folgt sogleich: Gelingt Kacper Przybylko mit 26 Jahren doch noch der große Durchbruch?

Auf jeden Fall! Ich hatte leider das Pech, dass ich lange verletzt war und meine Qualität in den letzten anderthalb Jahren nicht so zeigen konnte. Aber jetzt wird's wieder heiß, ich bin motiviert und will angreifen.

Sie sind bereits im Sommer 2018 vom 1. FC Kaiserslautern zum MLS-Klub Philadelphia Union gewechselt, haben aber erst Ende April 2019 ihre ersten Minuten für die erste Mannschaft gesammelt. Wieso?

Anfang Juli war in den USA schon nahe am Saisonende, dazu musste ich lange auf das Visum warten. Als das da war, stand schon der letzte Spieltag auf dem Programm. Wir sind in die Play-offs eingezogen, der Trainer (Jim Curtin, d. Red.) hat verständlicherweise nicht viel ändern wollen.

Und warum haben Sie diese Saison noch beim Farmteam Bethlehem Steal in der USL (2. Liga, d. Red.) begonnen?

Dass ich die ersten zwei Spiele nicht im Kader war, hat mich ein bisschen überrascht, weil ich in der Vorbereitung einer der besten Knipser war. Am 3. Spieltag hätte ich dabei sein sollen, hatte mir aber vorher den kleinen Zeh gebrochen. Deshalb habe ich danach noch etwas Spielpraxis in der zweiten Mannschaft gebraucht - und das auch ziemlich erfolgreich (zwei Spiele, drei Tore, d. Red.).

Am 20. April dann endlich das MLS-Debüt für die letzten Minuten beim 3:0 gegen Montreal Impact. Zwei Wochen später twitterte Philadelphia beim furiosen 6:1-Sieg gegen New England Revolution: "Guess who?" Sie hatten gerade im dritten Spiel in Folge getroffen, standen dazu auch im "Team of the Week". Warum klappt es plötzlich?

Das klingt ja so, als hätte es vorher bei mir nicht geklappt.

Man wird heutzutage sofort vergessen, wenn man nicht funktioniert.Przybylko über die Zeit während seiner Verletzung

In immerhin 114 Zweitligaspielen für Bielefeld, Köln, Fürth und Kaiserslautern stehen "nur" 20 Tore zu Buche.

Ich war auch in Deutschland in jeder Mannschaft erfolgreich. Ich habe zwar nicht die 15 Tore gemacht, die jeder von mir erwartet hat, aber wir haben auch die meiste Zeit im Abstiegskampf gesteckt. In dieser Zeit ging es darum, an die Mannschaft zu denken: Da war Kampf angesagt.

Dass ich dann jetzt lange verletzt war... (Im April 2016 brach sich Przybylko den Mittelfuß, infolgedessen immer wieder Nachwirkungen auftraten, d. Red.) Da macht mich der Fußball und das Business etwas traurig. Man wird heutzutage sofort vergessen, wenn man nicht funktioniert. Wenn man so ein Pech hat wie ich, wird man gleich in die unterste Schublade gepackt: "Ach, der ist weg, der schafft es nicht mehr". Und gerade jetzt, wo ich wieder fit bin, zeige ich doch, dass ich die Qualität nie verloren habe. Ich bin einfach nur froh, wieder auf dem Platz zu stehen.

Was genau lief nach dem Mittelfußbruch schief, dass Sie in zwei Jahren im Grunde gar nicht auf dem Platz standen?

Kacper Przybylko
In Kaiserslautern verlief nicht alles nach Plan für Przybylko.
© picture alliance

Die erste Operation lief schon schief, da wurde die Schraube nicht richtig eingesetzt. Die musste dann wieder raus, das hat gedauert. Dann hat sich das auch noch entzündet, die Folge war die dritte OP in kürzester Zeit. Bei dieser hat ein Doktor, dessen Namen ich besser nicht nenne, den größten Mist gebaut. Der hat mir den Fuß sozusagen umgestellt, komplett die Statik verändert. Das ist das Schlimmste, was du bei einem Sportler machen kannst. Der Körper ist es 25 Jahre lang gewöhnt, so und so zu laufen. Als das geändert wurde, kamen noch weitere Entzündungen und Haarrisse hinzu.

Ich war auch ein bisschen jung und naiv, wollte jedes Mal so schnell es geht auf den Platz zurück, im Nachhinein hätte ich mehr Geduld mitbringen müssen. Zwischenzeitlich war ich immer mal wieder dabei, es ist nicht so, dass ich komplett ein Jahr weg war. Das vergessen die Leute meistens, aber ich habe auch in Kaiserslautern in der zweiten Mannschaft Spielpraxis gesammelt. Das ändert aber nichts daran, dass dieser Arzt einen großen Fehler gemacht hat.

Wie sind die Verantwortlichen des FCK mit der Situation umgegangen?

Der Verein hat gesagt, das war zum Ende der Saison 2017/2018, man wolle mich auf die nächste Saison vorbereiten. Darüber habe ich mich echt gefreut, ich wollte meinen Vertrag in Kaiserslautern verlängern. Aber dann habe ich da so ein dermaßen schlechtes Angebot auf den Tisch bekommen und gesagt: "Tut mir leid, aber nicht mit diesem Vertrag." Die Verantwortlichen haben mich sehr enttäuscht. Es ist mir sowas von egal, was die Leute sagen, aber ich weiß, dass ich die Qualität habe, da musste ich mich mit sowas nicht zufriedengeben.

Und wie haben Sie dann den Abstieg in die 3. Liga erlebt?

Ich glaube, für mich war es noch etwas schlimmer, weil ich der Mannschaft nicht helfen durfte. Zum Ende der Saison meinte Michael Frontzeck (damaliger Trainer, d. Red.): "Ne ne, wir bauen dich für die nächste Saison auf, mach dir keine Sorgen." Da hat er sich, glaube ich, selbst ein bisschen ans Bein gepinkelt, weil ich in diesen Situationen, zum Beispiel mit Bielefeld, immer am stärksten war. Ich habe mich in Kaiserslautern sehr wohl gefühlt, aber das Angebot vom Verein war wirklich unterirdisch.

Also sind Sie weitergezogen und haben sich durch Probetrainings angeboten.

Richtig, ich war in England bei Sunderland. Dort ist es allerdings üblich, dass man sich über mehrere Monate empfehlen muss. Ich war aber viel zu gierig (lacht), auch wenn ich noch mit meinem Fuß zu kämpfen hatte. Dann war ich in Magdeburg und hatte noch die Möglichkeit in Philadelphia. Ernst Tanner (Sportdirektor bei Philadelphia Union, d. Red.) hat gesagt: "Ich kenne den Jungen, der hat so viel Qualität und jeder unterschätzt die MLS." Deshalb habe ich mich für Philadelphia entschieden und bin sehr dankbar.

Man nennt Philadelphia auch die Stadt der brüderlichen Liebe. Haben Sie in den ersten Monaten schon viel davon wahrnehmen können?

Philly ist eine super Stadt - und vor allem nah an New York. (lacht) Mir wird nie langweilig, drum herum passt hier einfach alles.

Philadelphia Union hat vier der letzten fünf Partien gewonnen, ist derzeit Tabellenführer in der Eastern Conference...

Kacper Przybylko
In Philadelphia läuft es für Przybylko umso besser.
© picture allianceZoomansicht

... übrigens zum ersten Mal in der Franchise-Geschichte.

Und das in vier von den fünf Partien ohne Marco Fabian, der im Februar aus Frankfurt als der Top-Transfer kam.

Daran sieht man, was für eine Qualität unsere Mannschaft hat. Wir haben viele junge Spieler, die sich sehr gut machen. Ich bin trotzdem froh, dass Marco jetzt wieder fit ist; der Junge bringt uns nochmal voran.

Wer wird Meister?

Es gibt so viele gute Teams, zum Beispiel Atlanta (United, amtierender Champion, d. Red.), Los Angeles FC, Seattle (Sounders) oder auch uns. Das macht die Liga so interessant.

Wo steht die MLS im Vergleich zu europäischen Ligen?

Man kann es, denke ich, mit der 2. Bundesliga vergleichen. Vereine wie Philly, Atlanta, Los Angeles oder New York, die könnten locker auch in der Bundesliga mithalten.

Wie sieht Ihre weitere Karriereplanung aus?

Ich habe hier für drei Jahre unterschrieben und weiter denke ich momentan auch nicht. Das war jetzt eine Woche, in der ich dreimal getroffen habe (englische Woche, d. Red.) - eine Woche! Erstmal muss ich Gas geben. Es wird auch wieder Spiele geben, in denen ich nicht treffe, da mache ich es wie in Deutschland und setze mich fürs Team ein. Letztendlich warte ich noch auf den großen Durchbruch, dann kann ich auch nochmal nach Europa wechseln.

Interview: Mario Krischel

Video zum Thema
kicker.tv Spezial- 01.11., 15:57 Uhr
Auf "Schweinis" Spuren - Vom Studenten zum MLS-Profi
Julian Gressel lebt den "American Dream". Zwar nicht vom Tellerwäscher zum Millionär - aber immerhin vom Studenten zum Fußballprofi in der Major League Soccer. Im kicker.tv Spezial spricht der "Rookie of the Year" der vergangenen Saison mit Marco Hagemann und kicker-Reporter Mario Krischel über das Leben in Atlanta, seinen Traum von der Bundesliga und über Spiele vor 70.000 Zuschauern gegen Legenden wie Zlatan Ibrahimovic, Wayne Rooney und Bastian Schweinsteiger.
Alle Videos in der ÜbersichtAlle Videos per RSS
 
Seite versenden
zum Thema

weitere Infos zu K. Przybylko

Vorname:Kacper
Nachname:Przybylko
Nation: Deutschland
  Polen
Verein:Philadelphia Union
Geboren am:25.03.1993


DIE GANZE WELT DER KICKER APPS!
Informieren Sie sich über unser vielfältiges App Angebot:
Smart TV Tippspiel kicker MeinVerein Voice & VR eMagazine