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31.10.2018, 23:43

Nürnberg erlebt verrückte Pokalpartie

Köllner: "Das ist total krank"

Es hätte durchaus Anlass zur Verärgerung gegeben, gleich in mehrfacher Hinsicht sogar. Michael Köllner aber schlenderte durch die Mixed Zone im Ostsee-Stadion und grinste verschmitzt. Gewankt, aber nicht gestürzt - so ließ sich der Pokalabend für den 1. FC Nürnberg zusammenfassen. Und deswegen sagte ein entspannter Köllner auch: "Am Ende darf so ein Spiel nicht schiefgehen, dann kann man einen Haken hinter machen. Wenn es aber schiefgeht, ist es ein bisschen blöd."

Es ist tatsächlich noch geschafft: Zwei Mal stand Nürnberg dicht vor dem Aus - und kam am Ende doch weiter.
Es ist tatsächlich noch geschafft: Zwei Mal stand Nürnberg dicht vor dem Aus - und kam am Ende doch weiter.
© imagoZoomansicht

Lange Zeit hatte es so ausgesehen, als solle das Spiel bei Drittligist Hansa Rostock für den favorisierten Bundesligisten nicht nur ein bisschen blöd laufen, sondern sehr blöd. Nürnberg hatte mit dem starken Außenseiter seine liebe Mühe, spielte über weite Strecken der regulären Spielzeit fahrig, geriet durch ein Slapstick-Gegentor nach doppeltem Aussetzer von Robert Bauer und Simon Rhein in Rückstand (35.), rettete sich in den Schlusssekunden dank Joker Adam Zrelak (90.) in die Verlängerung, lag nach einem sehenswerten Freistoß-Treffer von Hansas Jonas Hildebrandt erneut hinten (95.). Doch wieder zog der Club dank des ebenfalls eingewechselten Federico Palacios den Kopf aus der Schlinge (103.) und setzte sich schließlich souverän im Elfmeterschießen 4:2 durch. Kurzum: "Es war eine ganz verrückte Partie", meinte nicht nur FCN-Torwart Christian Mathenia, der mit einem gehaltenen Versuch im Elfmeterschießen und mehreren starken Paraden in den vorherigen 120 Minuten zum Matchwinner wurde.

Verrückt, das passt allerdings auch zu den Begleiterscheinungen der Partie. Denn neben den Ausschreitungen zwischen Anhängern beider Lager in der Nähe des Ostsee-Stadions am Vormittag, bei denen ein Polizist einen Warnschuss abgegeben hatte, beschädigte laut Köllner ein Unbekannter in der Nacht vor der Partie den Nürnberger Mannschaftsbus. "Es war ein Steinwurf, die ganze Heckschiebe ist zertrümmert", berichtete Köllner am Mittwochabend im Anschluss an die Pressekonferenz.

"Wie Schwerverbrecher oder ein Staatspräsident"

Michael Köllner
Michael Köllner: "In solchen Momenten zeigt sich, dass der Fußball auch unschöne Seiten hat."
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Die ganze Situation bezeichnete der Trainer als "ein bisschen komisch". Denn aufgrund der Beschädigung des Busses und der Vorkommnisse in der Stadt ging es für die Nürnberger am Nachmittag mit einer Eskorte von zwei Polizeifahrzeugen ins Stadion. "Da denkst du, dass du entweder ein Schwerverbrecher oder ein Staatspräsident bist. Das alles kannst du nicht so einfach verdrängen. Meine Frau hat mir ständig geschrieben und gefragt, was bei uns los wäre", erzählte Köllner, der sich an die jüngsten Ausschreitungen beim Bundesligaspiel zwischen Borussia Dortmund und Hertha BSC erinnert fühlte. "Da hört der Spaß auf. So was ist für mich total krank. In solchen Momenten zeigt der Fußball, dass er auch unschöne Seiten hat", urteilte Nürnbergs Coach, der am Ende eines langen Pokalabends feststellen durfte: "Aber wir haben es gepackt, jetzt freuen wir uns auf die nächste Runde."

Jan Reinold

 

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