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15.05.2019, 18:49

Frankfurts Sportvorstand im Interview

Bobic über Videobeweis: "Schiedsrichter leiden am meisten"

290.575 Leser machten bei der kicker-Umfrage mit, 58,6 Prozent sagten: Der Videobeweis sollte wieder abgeschafft werden. Die Diskussionen und der Ärger ebben nicht ab. Im Interview (Donnerstagsausgabe) spricht auch Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic über die Technik und die Probleme bei der Auslegung des Handspiels.

Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic
"Als Ex-Profi schlage ich die Hände über dem Kopf zusammen": Sportvorstand Fredi Bobic.
© picture allianceZoomansicht

Im Gespräch mit dem kicker erklärt Bobic: "Ich bin ein großer Befürworter des Videobeweises gewesen. Aber die Art und Weise, wie er angewendet wird, ist nur noch ärgerlich. Das ist kontraproduktiv und macht gar keinen Spaß mehr. Bei Abseitssituationen ist der Videobeweis wie die Torlinientechnologie sehr einfach umzusetzen. Was aber bei Handspielen entschieden wird, ist willkürlich und abenteuerlich. Als Ex-Profi schlage ich die Hände über dem Kopf zusammen."

Dann würde ich den Fan verstehen, wenn er sagt: Ach, schmeißt doch die ganze Technik wieder in die Tonne.Fredi Bobic

Von dem in der Debatte immer wieder vorgebrachten Vorschlag eines Challenge-Systems, das den Trainern die Möglichkeit geben würde, die Überprüfung einer Szene zu fordern, hält der 47-Jährige nichts. "Was soll das bringen? Das ändert doch nichts daran, dass Elfmeter gegeben wird, wenn die Hand aus zwei Metern angeschossen wird. Die Entscheidung liegt immer noch beim Schiedsrichter, nicht beim Trainer", erläutert Bobic.

Stattdessen fordert er, die Handspielregel so einfach wie möglich zu gestalten: "Man muss eine klare Regel finden, so wie früher: Hand ist Hand, wenn eine klare Absicht vorliegt, dass die Hand zum Ball geht. Dabei geht es nicht um Modewörter wie Körperfläche vergrößern. Leider befürchte ich, dass es noch chaotischer wird. Dann würde ich den Fan verstehen, wenn er sagt: Ach, schmeißt doch die ganze Technik wieder in die Tonne."

Wir haben gute Schiedsrichter, und sie haben es echt nicht einfach. Sie leiden am meisten. Dieses Durcheinander wird international vom IFAB vorgegeben.Fredi Bobic

Doch bei aller Kritik an den Problemen ergreift der Ex-Nationalstürmer auch Partei für die Schiedsrichter. "Man muss aufpassen: Wir dürfen die deutschen Schiedsrichter nicht schlechtmachen. Wir haben gute Schiedsrichter, und sie haben es echt nicht einfach. Sie leiden am meisten. Dieses Durcheinander wird international vom IFAB vorgegeben, die Richtlinien verändern sich ständig", führt Bobic aus.

Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic und kicker-Reporter Julian Franzke
Im Gespräch: Fredi Bobic und kicker-Reporter Julian Franzke.
© kickerZoomansicht

Er befürchtet: "Erst sprechen wir von der Vergrößerung der Körperfläche, jetzt kommt noch die Uhrzeit dazu, dann reden wir wie Kampfbomber: Auf 11 Uhr ist die Hand. Wo kommen wir denn da hin? Die Spieler, vor allem aber die Fans verstehen es irgendwann nicht mehr. Man dachte, der Videobeweis sei der Tod des Stammtisches, aber der lebt jetzt erst richtig auf. Nichtsdestotrotz müssen wir von dem Glauben wegkommen, dass der Fußball komplett gerecht wird."


Im kicker-Interview (Donnerstagsausgabe) spricht Bobic außerdem über das bevorstehende Saisonfinale in München, Frankfurts Imagegewinn durch die Europa League, die große finanzielle Diskrepanz zur Champions League, die ECA-Pläne zu einer Reform des Europapokals, Niko Kovacs Entwicklung in München, einen möglichen personellen Umbruch bei der Eintracht in diesem Sommer und weitere Themen.

Julian Franzke

 

kicker

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