Der Luxemburger Arm des Fonds

Wie VfB-Boss Dietrich noch an Quattrex beteiligt ist

Bundesliga - 14.04. 18:18

Schon im Herbst 2016, als Wolfgang Dietrich beim VfB Stuttgart für das Amt des Präsidenten kandidierte, kritisierten Skeptiker die Vergangenheit des 70-Jährigen als Finanzinvestor. Formal löste sich Dietrich rechtzeitig von seinen Anteilen an der Quattrex Sports AG, die Fußball-Klubs Kredite gewährt. Nun belegt eine Recherche des kicker, wie Dietrich über eine Firma mittelbar am Geschäft beteiligt ist.

Seit Oktober 2016 VfB-Präsident: Wolfgang Dietrich. © imago

Die Spur führt nach Luxemburg. Im Großherzogtum, bekannt für seinen niedrigen Steuersatz und seine diskrete Finanzindustrie, hat der Fonds "Quattrex German Opportunities" (deutsch: Quattrex deutsche Chancen) zum Stichtag 31. Dezember 2017 31,8 Millionen Euro an Kapitalzusagen gegeben. Unter anderem an Union Berlin, den 1. FC Kaiserslautern und den 1. FC Heidenheim.

Die Geschäfte mit diesen drei Klubs sind datiert auf August 2016. Im Oktober 2016 wurde Dietrich VfB-Präsident, zudem leitet er den Aufsichtsrat der ausgegliederten Fußball-AG. Seine Anteile an der Quattrex Sports AG hat der frühere Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart 21 nach eigenen Angaben verkauft, zum 31. Juli 2016 trat er zudem von der Quattrex Finance GmbH als Geschäftsführer zurück, einer weiteren Firma im Dunstkreis der Quattrex Sports AG.

Die Quattrex Finance GmbH nimmt im Luxemburger Fonds eine besondere Rolle ein. Als "Investment Adviser" (wörtlich übersetzt: Investitionsberater) erhält sie, obgleich sie selbst kein Kapital gibt, 0,95 Prozent der kumulierten Kapitalzusagen des Fonds. Für das Geschäftsjahr 2017 waren das 295.509,38 Euro (2016: 83.698,96 Euro). Darüber hinaus erhält der Adviser eine "performance fee", also eine erfolgsabhängige Zahlung. 2017 waren das 271.902,53 Euro. Dietrich sagt: "An der Quattrex Finance GmbH war ich zu keinem Zeitpunkt mit 50 Prozent beteiligt, sondern lediglich Minderheitsgesellschafter." Doch exakt die Hälfte an der Quattrex Finance GmbH hält die VMM Consulting GmbH - deren alleiniger Gesellschafter Wolfgang Dietrich ist.

VfB erkennt keine Interessenskollisionen

Der VfB erklärt auf Anfrage, dass Dietrich den zuständigen Gremien und Personen all seine Beteiligungen vor der Wahl zum Präsidenten offengelegt habe. "Insofern war den Gremien des VfB bekannt, dass Wolfgang Dietrich an Erträgen, die aus diesen Engagements fließen könnten, partizipieren kann. Entscheidend ist, dass hierbei keine Interessenskollisionen vorliegen und die Integrität in jeglicher Hinsicht gewährleistet ist. Dies wurde durch die DFL vollumfänglich bestätigt", teilt Stuttgarts Finanzvorstand Stefan Heim mit. Eine erstaunliche Definition von Wettbewerbsintegrität, gerade weil in der Saison 2016/17 direkte Konkurrenten des damals zweitklassigen VfB mit Quattrex-Millionen arbeiteten: der FCK, Heidenheim und Union.

Die Geschäfte mit den Köpenickern beispielsweise laufen prächtig. So rechneten die Fonds-Manager zum Stichtag 31. Dezember 2017 bei dem Union-Investment mit einer künftigen Rendite von 9,4 Prozent. 2026 ist die Rückzahlung fällig. Läuft alles nach Plan, hätte der Fonds nach zehn Jahren aus 6,3 über 14,5 Millionen Euro gemacht. Alleine aus dem Deal mit Union, wie Stuttgart selbst ein heißer Kandidat für die Relegation, würde dies 2,87 Millionen Euro bedeuten für die Quattrex Finance GmbH, an der Dietrich mittelbar über die VMM beteiligt ist.

Wie viele Zinsen der 1. FC Kaiserslautern für seinen Quattrex-Deal bezahlt, welcher Klub eine Vereinbarung mit dem Fonds über 10,5 Millionen Euro abgeschlossen hat und wie das Geschäftsmodell funktioniert, lesen Sie in der Montagsausgabe des kicker - gedruckt und im ePaper.

Benni Hofmann

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