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20.03.2019, 16:28

"In keiner Weise nachvollziehbar"

Hannover 96 gibt Mitgliederdaten heraus

Drei Tage vor der Jahreshauptversammlung beugt sich Hannover 96 der gerichtlichen Aufforderung, Daten aller seiner Mitglieder freizugeben. Der Klub vermeidet damit Zwangsgeld oder gar Zwangshaft gegen Präsident Martin Kind.

Hannover 96
Hannover 96 muss Mitgliederdaten an Klub-Opposition herausgeben.

Es geschieht unter Protest, aber es geschieht: Drei Tage vor der mit Spannung erwarteten Jahreshauptversammlung gibt Hannover 96 persönliche Daten aller seiner etwa 23.000 Mitglieder heraus. Empfänger sind drei Vertreter der in der "IG Pro Verein 1896" organisierten Opposition, die die Adressen für die Vorstellung ihres Konzepts und der Kandidaten zur am Samstag anstehenden Aufsichtsratswahl nutzen will. Die Wahl gilt als richtungsweisend für die künftige Politik des Vereins, da die neuen Räte anschließend gemäß Satzung auch den neuen Vorstand und damit die Nachfolge des sich als Vereinsvorsitzenden zurückziehenden Martin Kind bestimmen.

Zwar habe der Verein den drei Personen, die auch Mitglied bei 96 sind, angeboten, ihre Inhalte unzensiert über die dem Verein zur Verfügung stehenden Kanäle an die Mitglieder weiterzugeben. Dies aber hätten die Antragsteller abgelehnt. Stattdessen beugt sich der Vorstand nunmehr einer behördlichen Aufforderung, die Daten preiszugeben. Das Amtsgericht Hannover hatte zuvor unter Androhung von Zwangsgeld in Höhe von 25.000 Euro und sogar Zwangshaft gegen Martin Kind dazu aufgefordert, dem Verlangen der drei Mitglieder nachzukommen. "Für den Vorstand ist diese Entscheidung, insbesondere mit Blick auf die Datenschutzgrundverordnung, in keiner Weise nachvollziehbar", kommentierte 96 in einer Pressemitteilung den Vorgang. Über eine Berufung gegen das Urteil sei vom Landgericht Hannover bislang noch nicht rechtskräftig entschieden worden. Die vom Verein eingeschaltete niedersächsische Datenschutzbehörde unterdessen habe bei Vereinen mit einer sehr hohen Mitgliederzahl die Einbeziehung eines neutralen Treuhänders für "nicht nur geboten, sondern zwingend erforderlich" befunden.

Im Einvernehmen mit den Abteilungsleitern der 17 Vereinssparten hatte der Vorstand das Ausschöpfen sämtlicher Rechtsmittel beschlossen. Nach eigenen Angaben hätten den Verein zudem "Hunderte von Mails von Mitgliedern" erreicht, die ihrerseits mit Austritt und Klage drohten, falls ihre Daten an für sie unbekannte Mitglieder weitergegeben werden.

Daten an Gerichtsvollzieher übergeben

Die Daten wurden nach Darstellung der IG Pro Verein 1896 unterdessen am Mittwochmittag einem Gerichtsvollzieher in Begleitung des Hannoveraner Rechtsanwalts Jürgen Scholz übergeben. Mehrere Versuche, vor Gericht oder außergerichtlich einen fairen Vergleich zu erreichen, seien zuvor leider gescheitert, formuliert die Opposition in einer Mitteilung. Eine unzensierte Veröffentlichung der Informationen seitens Hannover 96 habe nicht fest zugesagt werden können. Weitere Versuche einer einvernehmlichen Einigung seien erfolglos geblieben. "Angesichts dieser völligen Ignoranz gegenüber der Rechtsprechung staatlicher Gerichte waren die Antragsteller nicht bereit, die bereits gescheiterten Vergleichsverhandlungen wieder aufzunehmen", heißt es seitens der Opposition weiter. Schließlich habe das Amtsgericht Hannover am 8. März seinerseits über die Rechtsauffassung geurteilt. Die Mitgliederdaten befänden sich nun in der treuhänderischen Obhut von Rechtsanwalt Scholz.

Michael Richter

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Vereinsdaten

Vereinsname:Hannover 96
Gründungsdatum:12.04.1896
Mitglieder:22.000 (01.07.2018)
Vereinsfarben:Schwarz-Weiß-Grün
Anschrift:Robert-Enke-Straße 1
30169 Hannover
Telefon: (05 11) 96 90 0 96
Telefax: (05 11) 96 90 0 796
E-Mail: info@hannover96.de
Internet:http://www.hannover96.de


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