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26.02.2019, 22:14

Schalkes neuer Sportvorstand arbeitete stets im Hintergrund

"Jochen wer?" Schneider wagt den Schritt ins Rampenlicht

"Jochen wer?" So überschrieb der kicker im Herbst 2004 ein Porträt über Jochen Schneider. Fünfzehn Jahre später stellen sich nicht wenige noch immer diese Frage. Wen haben die Schalker zum Nachfolger von Christian Heidel als Sportvorstand auserkoren? Die Antwort könnte heißen: Einen "Wettkönig", richtiger ist aber einen absoluten Liga-Insider.

Keiner, den man in der breiten Masse erkennt: Jochen Schneider, hier mit dem RB-Vorstandsvorsitzenden Oliver Mintzlaff (li.).
Keiner, den man in der breiten Masse erkennt: Jochen Schneider, hier mit dem RB-Vorstandsvorsitzenden Oliver Mintzlaff (li.).
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Im zarten Alter von 17 Jahren tauchte Schneider erstmals in der Öffentlichkeit auf, als er bei der legendären Fernsehshow "Wetten, dass ..." als Kandidat auftrat. Am 28. November 1987 zeigte er sein außergewöhnliches Händchen für die Beschaffenheit von Tennisbällen - aus 100 durcheinandergewirbelten gelben Filzkugeln erkannte er durch Anschauen und Betasten fünf später hinzugelegte Bälle. Dank seines guten Gespürs und scharfen Blicks wurde er im Laufe der Sendung sogar zum Wettkönig gekürt.

Diese Fähigkeiten halfen ihm auch etliche Jahre später in der Fußballbranche. In der Hinrunde der Saison 2004/05 war Schneider gerade zusammen mit Herbert Briem zu einer Art Doppelspitze im sportlichen Managementbereich des VfB Stuttgart befördert worden. Trainer war Matthias Sammer, vorher hatte Schneider die erfolgreichen Jahre unter Felix Magath erlebt. Der war damals zu den Bayern gegangen, also mussten neben den Trainer- auch die Managementaufgaben des allmächtigen Magath aufgeteilt werden.

Wichtig im Hintergrund und Entdecker von Horst Heldt als Manager

Jochen Schneider war damals ein wichtiger Arbeiter im Hintergrund. Ein gelernter Bankkaufmann mit im Jahr 1999 abgeschlossenem BWL-Studium, das auch ein Praktikum beim VfB einschloss. Danach war der gebürtige Schwabe aus Mutlangen auf der Ostalb beim VfB für die Ausgestaltung aller Verträge zuständig. Doch nach 2004 nahm seine Karriere rasant Fahrt auf. Es war seine Idee, aus dem Spieler Horst Heldt den Sportmanager Horst Heldt zu machen (Januar 2006). Zusammen entließen sie kurz darauf Trainer Giovanni Trapattoni und installierten Armin Veh als Trainer. 2007 folgte die Deutsche Meisterschaft, vielleicht die letzte eines e.V. für immer. Der VfB Stuttgart war damals noch ein lupenreiner Verein.

Als Heldt, längst zum Sportvorstand befördert, immer wieder mal mit Angeboten kokettierte und 2010 tatsächlich den Verein in Richtung Schalke 04 verließ, wurde Fredi Bobic der neue Sportdirektor auf Augenhöhe mit Jochen Schneider. Bobic, wie vorher Heldt, der Mann an der Front, Schneider der Macher im Hintergrund. Ein Posten, auf dem er sehr wirkungsvoll sein konnte, lange Zeit harmonierte das Duo Bobic/Schneider auch bestens.

Dutt kommt, Schneider geht

Doch als sich der neue VfB-Präsident Bernd Wahler im September 2014 dazu entschloss, Bobic zu entlassen, teilten sich Schneider und der zurückgeholte Trainer Armin Veh dessen Manageraufgaben. Als Robin Dutt im Januar 2015 zum Sportvorstand bestellt wurde, wurde der Vertrag mit Jochen Schneider nach noch mal erfolgreichem Abstiegskampf zum 30. Juni 2015 aufgelöst. Ein Jahr später, längst ohne Schneider, stiegen die Schwaben dann ab, zum zweiten Mal in der Bundesliga nach 1975.

Rechte Hand von Ralf Rangnick

Schon im Oktober 2015 trat er seine zweite Station im Fußballbusiness an. Ab dem 12. Oktober bekleidete er das Amt des "Coordinator Sport Global Soccer" der Red Bull GmbH, de facto war er die rechte Hand vom Ralf Rangnick, den er ebenfalls schon aus ihrer gemeinsamen Stuttgarter Zeit kannte (Mai 1999 bis Februar 2001).

Fortan war er federführend in der Transferabwicklung und Vertragsausgestaltung tätig. Als Rangnick in der laufenden Spielzeit wieder das Leipziger Traineramt übernahm und er seinen Managerposten in den "Stand-by-Modus" schaltete, wurden Schneiders Aufgaben und Resultate sichtbarer: Die Transfers von Cunha (Sion), Smith-Rowe (Arsenal), Mukiele (Montpellier), Saracchi (River Plate) sowie Haidara und Hannes Wolf (beide Salzburg) trugen deutlicher Schneiders Handschrift - wiewohl klar blieb, dass Rangnick letztlich die Entscheidungen fällte.

Große Lerneffekte, doch jetzt wartet das grelle Rampenlicht

Trotz des Wirkens in zweiter Reihe: Schneider hat viel erlebt in seinen 16 Jahren beim VfB und den dreieinhalb bei den Leipzigern. Magath, Sammer, Trapattoni, Veh und Stevens (das Aufsichtsratsmitglied seines neuen Arbeitgebers FC Schalke) auf der Trainerbank des VfB, Heldt und Bobic als Managerkollegen. Schneider hat große Erfahrung, ist bestens vernetzt, ein absoluter Liga-Insider. Er ist ehrgeizig, fleißig, hat ein Auge für Talente und gute Charaktere. Den 33-jährigen Schalker Coach Domenico Tedesco lernte Schneider schon 2008 kennen, als dieser beim VfB fast sieben Jahre lang im Juniorenbereich der Schwaben als Assistenz- und Cheftrainer tätig war.

Die einzige Frage bei seinem Schalke-Engagement: Ist er nach all den Jahren im Hintergrund bereit für das grelle Rampenlicht der allerersten Reihe? Am 5. März bei seiner offiziellen Präsentation auf Schalke wird er ein Gefühl für die Anforderungen für seinen neuen Job bekommen. Elf Tage später kreuzen die Leipziger in Gelsenkirchen auf, am letzten Spieltag der Saison wartet in der Arena das Duell mit "seinen" Stuttgartern. Ob der einstige Wettkönig darauf setzen will, dass es kein Abstiegsendspiel wird?

Martin Messerer/oha/bst

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Pl. VereinTorePkte.
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5VfL Wolfsburg38:3038
 
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