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11.05.2019, 10:51

Deutschland startet unter ungewohnten Vorzeichen in WM

Offensive hui, Defensive pfui? DEB-Team mit neuem Gesicht

Mit dem Arbeitssieg gegen den krassen Außenseiter Großbritannien (3:1) startete das DEB-Team in die WM 2019. Nicht nur aufgrund der ersten WM des als Coach auf höchstem Level noch unerfahrenen Bundestrainers Toni Söderholm, befindet sich das deutsche Team in der Slowakei auf ungewohntem Terrain. Denn einerseits steht in der Offensive plötzlich ein Superstar plus weitere neue Qualität in den eigenen Reihen. Anderseits gibt es in einem langjährigen deutschen Kernkompetenzbereich, der Defensive, mittelgroße Fragezeichen. Eine Analyse des deutschen WM-Kaders...

Leon Draisaitl
Die Hoffnung im Angriff: NHL-Superstar Leon Draisaitl.
© imagoimagesZoomansicht

Tor:

Es mag noch ein wenig zu früh sein, um Philipp Grubauer einen der Startorhüter der NHL zu nennen. Nichtsdestotrotz spielte der 27-jährige Rosenheimer in den für die Colorado Avalanche gerade zu Ende gegangenen Play-offs 2018/19 wie ein solcher. Eine ganze Reihe von exzellenten Paraden sowie hervorragende Statistiken (Fangquote: 92,5 Prozent, Gegentorschnitt: 2,30) sorgten dafür, dass Grubauer nicht nur in Nordamerika in den vergangenen Woche große Aufmerksamkeit erhielt. Kann der Oberbayer seine Galaform auch für die WM konservieren, könnte die ansonsten anfällige Defensive eine enorm wichtige Verstärkung erhalten.

Bange werden muss dem DEB-Team allerdings auch ohne Grubauer keineswegs. Denn gerade der Nürnberger Niklas Treutle (28) bewies schon beim WM-Turnier von 2018, bei dem er sich erst ins Team spielte und dann bei seinen vier Einsätzen mit einer Fangquote von 91,9 zu überzeugen wusste, dass er ein sicherer Rückhalt auch für die Nationalmannschaft sein kann. Ähnliches gilt auch für den eineinhalb Jahre jüngeren Mathias Niederberger (92,9 Prozent Fangquote für Düsseldorf in der abgelaufenen DEL-Saison).

Abwehr:

Die Defensivabteilung (exklusive der Torhüter) ist die Achillesferse des deutschen Teams, wie Bundestrainer Toni Söderholm nach dem 2:5 im abschließenden Testspiel in Mannheim explizit heraushob. Auch wenn der Bundestrainer zu Recht anmerkte, dass die Rückwärtsbewegung letztlich eine Aufgabe für die gesamte Mannschaft sei, gibt es gute Gründe, an der Qualität der Abwehr zu zweifeln. So lasten die Hoffnungen auf dem 31-Jährigen Korbinian Holzer, der in der NHL in den vergangenen Jahren Verletzungsprobleme hatte und auch davor, trotz insgesamt 157 Partien in der besten Liga der Welt, nie unumstrittener Stammspieler bei seinen Stationen Toronto und Anaheim war.

Daneben steht der erst 18-jährige Moritz Seider im Fokus nicht nur der NHL-Scouts. Der 1,92 Meter große Rechtsschütze, der mit den Adler Mannheim die deutsche Meisterschaft 2019 feierte, gilt als heißer Kandidat, in der ersten Runde im NHL-Draft im Juni ausgewählt zu werden. Danach aber wird es dünn in Deutschlands Abwehr: Jonas Müller (23) verfügt zwar weiter über viel Potenzial, machte allerdings im Jahr eins nach Olympia-Silber 2018 eher einen Karriere-Rückschritt, denn einen Fortschritt. Kapitän Moritz Müller (32) und Yannic Seidenberg (35) verfügen über Führungsqualitäten, genügen aber auf internationalem Niveau - auch altersbedingt - in Sachen Tempo nicht allerhöchsten internationalen Ansprüchen.

Weniger hinter dem grundsoliden und robusten Denis Reul (29), wohl aber hinter Marco Nowak (28) und Benedikt Schopper (34) stehen ebenso Fragezeichen: Zwar verdiente sich Nowak, der trotz 1,88 Meter Körpergröße ein laufstarker Verteidiger ist, seinen ersten WM-Einsatz redlich. Gleichwohl ist sein zum Teil fehlerbehaftetes Defensivverhalten zweifellos der Grund dafür, dass er unter Söderholms Vorgängern keine Chance im Nationalteam erhalten hatte. Die größte Überraschung im gesamten Kader ist aber Schopper: Der gebürtige Oberpfälzer, ein reiner Defensivverteidiger, gibt wie Nowak sein WM-Debüt - und dies im reifen Alter von 34.

Angriff:

Ganz anders als in der Abwehr kann Söderholm in der Offensive auf einen Pool an Talent zurückgreifen, wie es ihn der deutschen Eishockey-Geschichte womöglich so noch nie gab. Es ist müßig, Leon Draisaitl (23) mit Deutschlands Spieler des 20. Jahrhunderts, Erich Kühnhackl, zu vergleichen. Denn so oder so ist Draisaitl seit dem Ablauf der Hauptrunde 2018/19 (50 Tore, 105 Scorerpunkte) der erste deutsche Superstar in der NHL. Dominik Kahun (23), der sich seiner ersten NHL-Saison in Chicago (37 Scorerpunkte) auf Anhieb durchsetzte, stellte eine weitere spielstarke Alternative dar.

Obwohl mit Kühnhackl junior Tom (New York Islanders) und Tobias Rieder (Edmonton) zwei weitere NHL-Stürmer fehlen, die wohl aufgrund auslaufender Verträge am 30. Juni das Verletzungsrisiko einer WM nicht eingehen wollten, strotzt der deutsche Kader in der Offensive vor jugendlichem Tempo und Talent. Markus Eisenschmid (24) gelangen in seiner ersten Saison nach Rückkehr aus Nordamerika für Mannheim insgesamt 30 Tore. Lean Bergmann (20) erzielte für Kellerkind Iserlohn 20 Tore in der Hauptrunde und wechselt nun zu den Adlern. Der lange verletzte Frederik Tiffels (23) startete - auch nach Nordamerika-Rückkehr - mit 22 Punkten aus 27 Spielen in seine erste DEL-Saison für seine Heimatstadt Köln.

Mit den Silbermedaillengewinnern Frank Mauer (31), Matthias Plachta (27) sowie dem schussstarken Leo Pföderl (25) stehen weitere Akteure mit vielseitigen Qualitäten gerade im Offensivbereich im Kader. Was allerdings ein wenig fehlt, sind echte Spezialisten für das Zwei-Wege- und physische Spiel - und dies trotz Yasin Ehliz (26), Marcel Noebels (27), Gerrit Fauser (29) und insbesondere auch Patrick Hager (30), der in Pyeongchang vor gut einem Jahr keineswegs nur aufgrund seiner sieben Punkte in sieben Spielen zu überzeugen gewusst hatte.

Ausblick:

Offensive hui, Defensive pfui. Diese plumpe Zusammenfassung trifft auf das deutsche WM-Team 2019 zumindest auf dem Papier zweifellos zu. Sollten Grubauer & Co. im Tor nicht zu Höchstform auflaufen, könnten die Schwächen in der Abwehr durchaus entscheidend für den Turnierverlauf werden. Andererseits könnte das deutsche Team dank der bis dato so nicht gekannten Offensivqualitäten womöglich eher für die eine oder andere Überraschung gut sein als in vergangenen Jahren (das Olympia-Silber ohne NHL-Beteiligung dabei außen vor gelassen).

Joachim Meyer

Das DEB-Team in Bildern
Söderholms 25: Der deutsche WM-Kader
Söderholms 25

Leon Draisaitl, Dominik Kahun - und nun auch noch Philipp Grubauer. Bundestrainer Toni Söderholm kann bei seiner ersten WM als Coach auf einige deutsche Topspieler zurückgreifen. Der 25 Spieler umfassende WM-Kader in Bildern...
© imago images (3)

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