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06.04.2019, 13:23

Erste Fahrräder mit ABS sind bereits auf dem Markt

Besser bremsen: ABS für das E-Bike

Im Auto und im Motorrad ist das Antiblockiersystem längst gängiger Standard. Auch Fahrrädern verhilft die Technologie jetzt zu mehr Sicherheit beim Bremsen. Allerdings beschränkt sich die ABS-Verfügbarkeit auf den boomenden Markt der E-Bikes beziehungsweise Pedelecs. Hier ist sie aber auch besonders sinnvoll eingesetzt.

Ausweichmanöver mit Fahrrad
Abbremsen und Ausweichen: In Gefahrensituationen wie dieser wirkt sich das ABS fürs E-Bike vorteilhaft aus.
© Bosch

Ob in den Innenstädten, in den Erholungsgebieten oder auf Radwanderwegen: Die Pedelecs sind inzwischen überall. Allein 2018 sind in Deutschland fast eine Million E-Bikes verkauft worden, der Zweirad-Industrie-Verband rechnet damit, dass die Räder "unter Strom" langfristig einen Marktanteil von 35 Prozent erreichen werden. Nach einer von Shimano Steps in Auftrag gegebenen Studie könnte sich über ein Fünftel der Deutschen vorstellen, für den Weg zur Arbeit vom Auto auf ein E-Bike umzusteigen.

Beim überwiegenden Teil der Elektro-Fahrräder handelt es sich um sogenannte "E-Bikes 25", deren Motor maximal 250 Watt leistet und die stromgestützt eine Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h erreichen. Für viele Menschen sind solche Pedelecs ein Segen, ermöglichen sie ihnen die Fortbewegung im Sattel doch auch dann, wenn die körperliche Fitness nicht oder nicht mehr auf Topniveau liegt.

Pedelec-Boom mit Risiken

Mit dem Pedelec-Boom sind aber auch Risiken verbunden. Oftmals steigen Menschen aufs E-Bike, die sich zuvor jahrelang nicht mehr auf zwei Rädern verursacht haben. Ungeübte also, die mit dem Manövrieren des verhältnismäßig schweren Strom-Fahrrads ebenso ihre Probleme haben wie mit dem flugs erreichten hohen Tempo. Als Resultat kommt es immer wieder zu Zusammenstößen mit anderen Verkehrsteilnehmern, oftmals aber auch zu "Alleinunfällen".

Falsches Bremsverhalten

E-Bike mit ABS
Sicherheitsvorteil beim Bremsen: E-Bike mit Antiblockiersystem.
© ZEGZoomansicht

Nicht selten spielt dabei falsches Bremsverhalten eine Rolle. Pedelecs sind gängigerweise mit hydraulischen Scheibenbremsen ausgestattet, die wesentlich kräftiger zupacken als Felgenbremsen. Aus Respekt vor solch giftigem Gebaren wird dann die Vorderradbremse zu zaghaft eingesetzt - oder aber (Panikbremsung) so stark, dass ein verhängnisvoller Salto über den Lenker droht. Die Schweizer Beratungsstelle für Unfallverhütung in Bern hat 4000 verunglückte E-Biker nach der Ursache ihres Malheurs gefragt und als Ergebnis ermittelt, dass in 26 Prozent der Fälle eine Überbremsung ausschlaggebend gewesen ist.

Abhilfe soll nun eine Technik schaffen, die im Auto, im Flugzeug, aber auch im Motorrad längst verbaut wird: Das Antiblockiersystem, kurz ABS. Entwickelt wurde das Pedelec-ABS von Bosch in Kooperation mit dem Bremsenhersteller Magura. Zur Funktionsweise: Sensoren an den Bremsscheiben beider Räder überwachen deren Raddrehzahl. Sobald das Vorderrad zu blockieren droht, greift das ABS über die am Lenker montierte Kontrolleinheit ein und senkt den Bremsdruck in Sekundenbruchteilen so lange ab, bis das Laufrad wieder rollt. Anschließend wird erneut Bremsdruck aufgebaut. Dieser Ablauf kann sich pro Sekunde vielfach wiederholen, so dass der Fahrer auch bei voll durchgezogenem Bremshebel sicher zum Halt gelangt. Im Unterschied zum Motorrad wirkt das Pedelec-ABS nur auf das Vorderrad und dosiert die Bremswirkung dort so, dass der E-Biker auch in Schräglage nicht wegrutscht. Zudem gibt es eine weitere Funktion, die verhindern soll, dass das Hinterrad bei einer Vollbremsung vom Boden abhebt.

Ohne Einfluss auf die Reichweite

Den Strom zum Arbeiten holt sich das ABS aus dem Akku des E-Bikes. Auf die Reichweite, so versichert Bosch, habe dies keinen merkbaren Einfluss, da das System nur dann Strom verbraucht, wenn es aktiv den Bremsvorgang regelt.

ABS-Steuereinheit
ABS-Kontrolleinheit: Sie ist am Lenker des Bikes montiert.
© BoschZoomansicht

Nachrüsten ist nicht möglich. Zum E-Bike-ABS kommt man nur über ein neues Fahrrad. Erste Bikes mit ABS sind bereits auf dem Markt. Die Zweirad-Einkaufsgenossenschaft ZEG beispielsweise vertreibt über ihre Händler das Pegasus Savona (3799 Euro) und das Flyer Upstreet 4 (ab 4299 Euro). Haibike offeriert das SDURO Trekking 3.5 zu 3499 Euro, KTM das Macina City ABS E-Bike zu 3888 Euro. Das Centurion E-Fire City R 2500 ABS kostet 3899 Euro. Von Riese und Müller kommen das Delite GT touring HS ABS (ab 6899 Euro) und das Delite GT vario HS ABS (ab 7199 Euro), an denen sich der ABS-Aufpreis gegenüber den konventionell bremsenden Varianten ablesen und auf 500 Euro beziffern lässt.

Lange Geschichte

Schon 1936 hat Bosch ein Patent für eine "Vorrichtung zum Verhüten des Festbremsens der Räder eines Kraftfahrzeuges" angemeldet, als 1978 die Mercedes S-Klasse erstmals serienmäßig mit ABS auf den Markt kam, ließ man sich den Begriff auch rechtlich schützen. "Ich bin sicher, dass ABS bei hochwertigen Pedelecs Standard wird", sagt Claus Fleischer, Geschäftsleiter eBike-Systems bei Bosch. Bei Automobilen und Motorräder über 125 ccm ist man da schon weiter - hier ist ABS bereits gesetzlich vorgeschrieben.

Ulla Ellmer

 

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