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24.03.2019, 11:26

Was Radler dürfen - und was nicht

Zehn Irrtümer rund ums Radfahren

Autofahrer und Radler, das ist nicht immer eine konfliktfreie Beziehung. Die einen ärgert, dass sich die anderen vermeintlich über alle Verkehrsregeln hinwegsetzen; Radfahrer wiederum sind erzürnt, weil sie sich vom motorisierten Verkehr bedrängt, ja, gar gefährdet fühlen. Zehn Beispiele, wo die eine oder die andere Seite häufig irrt:

Radfahrer
Ärgert manche Autofahrer, ist aber nicht grundsätzlich verboten: Wenn Radler nebeneinander fahren.
© Pressedienst Fahrrad/Martin Häußermann

1.Radfahrer dürfen nicht nebeneinander fahren

Falsch. Manchmal dürfen Radfahrer durchaus nebeneinander fahren. In Fahrradstraßen beispielsweise. Aber auch dann, wenn der Verkehr durch solches Verhalten nicht behindert wird (§ 2 Abs. 4 StVO). Das ist zum Beispiel in Straßen der Fall, die breit genug sind, dass Autofahrer die Radler mit mindestens eineinhalb Metern seitlichem Abstand überholen können.

Besondere Regeln gelten auch für einen Verband. Ein solcher entsteht dann, wenn 16 oder mehr Radfahrer in einer Gruppe unterwegs sind. In diesem Falle dürfen die Radler nicht nur nebeneinander fahren (§ 27 StVO), sondern sollen es nach Möglichkeit sogar. Grund: Für Autofahrer ist es unproblematischer, einen Verband zu überholen als eine lange Reihe von einzelnen Radfahrern. Den Verkehr behindern darf aber auch ein Verband nicht: Bei besonders dichtem Verkehr ist es Radlern zuzumuten, in einer Einzelreihe zu fahren.

2.Radfahrer müssen immer den Radweg benutzen

Radfahrer
Keine Geisterradler: Dieser Radweg darf in beide Richtungen befahren werden.
© Pressedienst Fahrrad/Kay TkatzikZoomansicht

Falsch. Die Radwegebenutzungspflicht gilt nur dann, wenn der Radweg explizit mit dem bekannten Verkehrszeichen (weißes Fahrrad auf blauem Grund) gekennzeichnet ist. Ist das nicht der Fall, bleibt es dem Radler überlassen, ob er die Fahrbahn oder den Radweg benutzen möchte.

3.Radfahrer dürfen den Radweg auch in Gegenrichtung befahren

Falsch. Normalerweise darf der Radweg nur in einer Richtung befahren werden. Allerdings gibt es auch eine Ausnahme: Wenn der Radweg in beiden Richtungen als solcher gekennnzeichnet ist, oder wenn sich unter dem Radwegzeichen ein Zusatzschild mit zwei gegenläufigen Pfeilen findet.

4.Radfahrer dürfen auch rechts überholen

Falsch. Es sei denn, der Radler möchte im Stau oder an einer roten Ampel rechts am stehenden Autoverkehr vorbeifahren. Dies gestattet ihm die Straßenverkehrsordnung (§ 5 Abs. 8) aber nur mit mäßiger Geschwindigkeit, mit besonderer Vorsicht und nur dann, wenn genügend Raum zur Verfügung steht. Wenn die Autos so nah am Fahrbahnrand stehen, dass der Radler nicht vorbeikommt, muss er warten. Verboten ist es ihm auch, sich zwischen den wartenden Fahrzeugen hindurchzuschlängeln.

5.Radfahrer müssen über den Zebrastreifen schieben

Falsch. Aber: Wenn die Straße nicht wirklich in beiden Richtungen frei ist, sollten sie es besser tun. Denn Vorrang vor dem Autoverkehr haben Radler nur, wenn sie am Zebrastreifen absteigen und schieben. Muss ein Autofahrer bremsen oder halten, weil ein Radfahrer den Zebrastreifen radelnd überquert, so droht ein Bußgeld wegen einer vermeidbaren Behinderung. Kommt es gar zu einem Unfall, kann dem Radler zumindest eine Mitschuld angelastet werden.

Radfahrerin auf Zebrastreifen
Zebrastreifen: Hier haben Radfahrer nur dann Vorrang, wenn sie absteigen und das Fahrrad schieben.
© ARCD/ampnetZoomansicht

6.Radfahrer können keine Flensburg-Punkte bekommen

Falsch. Bei besonders schwerwiegenden Verstößen (wie dem Überfahren einer roten Ampel) sind durchaus Flensburg-Punkte möglich. Wenn der Radfahrer keinen Führerschein hat, kann ein Punktekonto eröffnet eröffnet werden.

7.Radfahrer können nicht den Führerschein verlieren

Falsch. Der Schein ist zum Beispiel dann weg, wenn der Betroffene auch nur als Radler - siehe oben - zu viele Flensburg-Punkte angesammelt hat. Aber auch in anderer Hinsicht kann die Führerscheinbehörde die Eignung eines Radlers zur Teilnahme am Straßenverkehr in Frage stellen (siehe Punkt 8).

8.Radler dürfen unbegrenzt alkoholisiert fahren

Falsch. Ab 1,6 Promille drohen drei Flensburg-Punkte, ein Bußgeld und die Anordnung einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung. Wird diese MPU nicht bestanden, kann das zum Verlust des Auto- und/oder Motorradführerscheins führen. In besonders schwerwiegenden Fällen ist sogar ein lebenslanges Fahrradfahrverbot möglich. Auch Radfahren unter Drogeneinfluss kann mit der MPU sanktioniert werden, außerdem ist mit einer Strafanzeige zu rechnen.

9.Radfahrer ohne Helm haben eine Mitschuld

Radfahrer
So ist es sicher: Es gibt in Deutschland zwar keine Helmpflicht für Radler, dennoch sollte man immer "mit" fahren.
© abus/Pressedienst FahrradZoomansicht

Falsch. Es gibt in Deutschland keine Helmpflicht für Radfahrer, deshalb bekommen Radler, die sich bei einem Unfall eine Kopfverletzung zugezogen, aber keinen Helm getragen haben, in aller Regel keine Teilschuld aufgebrummt. Die gegnerische Haftpflichtversicherung muss somit für alle Kosten aufkommen. Dies gilt vor allem dann, wenn der Radler unschuldig in den Unfall verwickelt worden ist. Letztlich aber kommt es auf den Einzelfall an. Einige Haft-, Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen verweigern nach einem Fahrradunfall ohne Helm die volle Kostenübernahme, sinnvoll ist es daher, sich den Versicherungsvertrag genau anzusehen. Zudem ist es möglich, dass Rennrad- oder Mountainbike-Fahrer aufgrund ihres im Vergleich zu Alltagsradlern höheren Verletzungsrisikos strenger behandelt werden.

10.Radfahrer dürfen keine Kopfhörer tragen

Falsch. Musikhören und Telefonieren mit Kopfhörern bzw. Ohrstöpseln ist Radfahrern erlaubt. Allerdings muss die Lautstärke der Musik/des Telefonats so niedrig eingestellt sein, dass die Geräusche des Verkehrsgeschehens noch wahrzunehmen sind. Ansonsten kann im Falle eines Unfalls eine Mitschuld festgestellt werden, was den Anspruch auf Schadenersatz und/oder Schmerzensgeld in Frage stellt. Hat der Radler den Unfall verursacht, kann sich die Lautstärke der Musik womöglich auf die Schuldfrage auswirken. Grundsätzlich ist das Hören zu lauter Musik eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld in Höhe von zehn Euro geahndet wird.

ule

 

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