DFB-Pokal

Neururer über Klostermann: "Zu dem Spruch stehe ich auch heute noch"

Vor Leipzigs DFB-Pokalduell mit Bochum

Neururer über Klostermann: "Zu dem Spruch stehe ich auch heute noch"

Peter Neururer setzte Lukas Klostermann einst erstmals im Profifußball ein - heute spielt er mit Leipzig Champions League und ist Nationalspieler.

Peter Neururer setzte Lukas Klostermann einst erstmals im Profifußball ein - heute spielt er mit Leipzig Champions League und ist Nationalspieler. imago images (2)

Dass Lukas Klostermann ihn mit großen Augen anschaute, weiß Peter Neururer heute noch. Wer darf sich vor seinem Profidebüt als 17-Jähriger schon aussuchen, auf welcher Position er spielen will? Aber Neururer fragte: "Wo glaubst du, kannst du der Mannschaft am stärksten helfen?" Klostermann wählte die rechte Seite, und Neururer dachte: "Na herzlichen Glückwunsch."

Es war Freitag, der 14. März 2014, als Klostermann erstmals für den VfL Bochum spielte, von Neururer eingewechselt in der 74. Minute beim 2:0-Auswärtssieg in Aalen für den doppelt so alten Paul Freier. "Der hätte mein Papa sein können", sagt Klostermann fast sieben Jahre später.

Für Neururer steht immer noch fest: Klostermann hätte in Bochum bleiben sollen

Er sagt es als gestandener Rechtsverteidiger und zehnmaliger Nationalspieler. 2016 gewann er Silber bei den Olympischen Spielen in Rio, stand mit RB Leipzig im Champions-League-Halbfinale und DFB-Pokal-Endspiel - und trifft am Mittwoch (18.30 Uhr, LIVE! bei kicker) im Pokal-Achtelfinale erstmals seit Leipziger Zweitligazeiten auf den VfL Bochum.

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Diese "sensationelle Entwicklung", sagt Neururer im Gespräch mit dem kicker, sei "bei seinem Talent absehbar" und "frühzeitig erkennbar" gewesen. Und doch steht für ihn fest: Wäre Klostermann damals nicht gleich zu RB Leipzig gewechselt, wäre alles "noch schneller" gegangen.

Klostermann startet auf "einer begrünten kleinen Verkehrsinsel"

Klostermann kommt aus einer Sportlerfamilie. Seine Eltern waren Leichtathleten, seine drei Jahre jüngere Schwester Lisa ist Torhüterhin beim Bundesligisten SGS Essen. Als Kinder spielten sie auf der Straße Fußball und kamen mit zerrissenen Hosen nach Hause. Lisa musste meistens ins Tor, zumindest hieß es so. "Das Tor war eine begrünte kleine Verkehrsinsel", erzählte Lukas Klostermann Ende September im "kicker meets DAZN"-Podcast.

Neururer, der Klostermann beim VfL als "sehr, sehr, sehr introvertiert, äußerst intelligent und sehr, sehr gebildet" kennenlernte, erinnert sich an dieses Elternhaus: seriös, bodenständig, "glücklicherweise nicht abgedreht". Klostermann, dieser schweigsame Teenager, sei ein "hochanständiger Vorzeigeprofi gewesen, wie man ihn sich als Trainer wünscht". Nur war Neururer schon bald nicht mehr sein Trainer.

Nachdem Klostermann dem VfL als "wichtiger Bestandteil" (Neururer) und Stammspieler zum Klassenerhalt verholfen hatte, wechselte er im August, ein Jahr vor seinem Vertragsende, zu RB Leipzig, das gerade in die 2. Liga aufgestiegen war. Vertragsverhandlungen mit Bochum waren gescheitert, "und ich habe meinen Spruch getätigt, zu dem ich auch heute noch stehe", sagt Neururer.

Neururer: "Die Gesamtentwicklung wäre in Bochum noch schneller gegangen"

Er lautete: "Ich wünsche Lukas für sein weiteres Leben viel, viel Gesundheit und einen neuen Berater." Denn in Bochum wäre Klostermann Nationalspieler geworden, stattdessen spiele er "in Leipzig in der U 19. Das sind drei Schritte zurück."

Klostermann, der in jenem Sommer gerade die Schule beendet hatte, nannte seinen Wechsel bei "kicker meets DAZN" "rückblickend die beste Entscheidung", Ralf Rangnicks damalige Prophezeiungen für RB und ihn persönlich seien wahr geworden, "das ist schon beeindruckend". In Leipzig sei er Teil "von etwas Einzigartigem". Neururer widerspricht noch heute.

KMD #53 - Lukas Klostermann
21. September 202001:29:55 Stunden

KMD #53 - Lukas Klostermann

Die Bundesliga ist zurück und wir präsentieren euch wie gewohnt die Drunterkommis zum Hören. Neben der Analyse des ersten Spieltags gibt sich in der neuen KMD-Folge auch Nationalspieler Lukas Klostermann die Ehre und erklärt unter anderem, was der Abgang von Timo Werner für die Leipziger Spielweise bedeutet, wie sich ein Olympia-Finale anfühlt und warum er die Bezeichnung Straßenfußballer mehr als verdient. Außerdem ist kicker-Reporter Matthias Dersch zu Gast und berichtet über den Status Quo bei Borussia Dortmund.

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"Finanztechnisch hat er im Prinzip alles richtig gemacht, aber ich sage: Die Gesamtentwicklung wäre in Bochum noch schneller gegangen. Es wäre für Lukas mit Sicherheit unter sportlichen Gesichtspunkten noch besser geworden, davon bin ich überzeugt."

Klostermann: Neururer habe damals "im Detail nicht über alles Bescheid" gewusst

Klostermann, der sich vor dem Pokal-Duell nicht mehr aufs Neue zu der Thematik äußern wollte, fand Neururers Abschiedsworte 2014 "natürlich nicht ganz so cool", will ihm aber "im Nachhinein gar keinen Vorwurf machen". Die kryptische Begründung: "Seine Aussage war leider ein bisschen davon geprägt, dass er gar nicht zu 100 Prozent wusste, was damals vorgefallen ist." Neururer habe "im Detail nicht über alles Bescheid" gewusst, so Klostermann im Herbst. Was bleibt, ist die Dankbarkeit dafür, "dass er das Vertrauen in mich gesetzt hat, Profifußball spielen zu dürfen. Das war damals schon auch ein gewisses Risiko für ihn."

Heute beschränkt sich der Kontakt zwischen beiden auf Geburtstags-WhatsApps. Schalke-Mitglied Neururer, dem das "Konstrukt" RB Leipzig immer noch "widerstrebt", drückt am Mittwoch dem VfL die Daumen. Klostermann wünscht er trotzdem "weiterhin privat und sportlich alles Gute" - und belässt es dabei.

Jörn Petersen

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