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Neumarkt hofft auf Rückkehrer und bessere Rückrunde

Nur Platz 15 nach tristem Oktober

Neumarkt hofft auf Rückkehrer und bessere Rückrunde

Das für kommenden Samstag angesetzte Neumarkter Spiel gegen den SC Eltersdorf wurde bereits abgesagt.

Das für kommenden Samstag angesetzte Neumarkter Spiel gegen den SC Eltersdorf wurde bereits abgesagt. IMAGO/Zink

Es schien zunächst, als würde der ASV Neumarkt auf eine Saison in ruhigen Tabellengefilden zusteuern: Zwar weit weg von der Ligaspitze, allerdings ebenso mit Abstand nach hinten - kurzum im gesicherten Mittelfeld. Anfang Oktober begann für die Oberpfälzer jedoch eine Ergebnismisere, die sechs Spiele andauerte und beim 1:6 in Gebenbach ihren Tiefpunkt fand, wie Trainer Jochen Strobel bilanziert: "Die Liga ist brutal ausgeglichen, von Platz fünf bis 13 sind es zum Beispiel nur fünf Punkte. Wir hatten ein paar Ausfälle, die uns weh getan haben und wenn du dann in einen Strudel kommst und eine Phase hast, in der jeder Fehler bestraft wird, ist es ganz schwer zu gewinnen."

Turnaround gegen Spitzenteam

Wie im Fußball so oft gelang der Turnaround dann äußerst überraschend - schließlich war ein Dreier gegen die zuvor fünfmal in Folge zu Null siegreiche SpVgg Hankofen-Hailing nicht zwingend zu erwarten. "Es hat an diesem Tag alles gepasst. Hinten waren wir sehr stabil und hatten keine individuellen Patzer wie in den Spielen zuvor", erläutert Strobel, dessen Mannschaft nach torloser erster Hälfte die zweiten 45 Minuten mit Elf gegen Zehn bestritt, "wir hatten diese Saison schon öfter Phasen in Überzahl und waren dabei häufig nicht so prickelnd. Auch gegen Hankofen haben wir zehn Minuten gewackelt und dem Gegner ein Brett zur Führung ermöglicht. Glücklicherweise konnten wir durch Selim Mjaki auf der anderen Seite das 1:0 erzielen - das war schon ein Brustlöser für uns und wir konnten den tristen Oktober etwas beiseiteschieben." Denn durch die vorangegangene Niederlagenserie war der ASV bis auf einen Relegationsplatz abgestürzt und stand schon "mit dem Rücken zur Wand". Rein tabellarisch steht die Mannschaft zwar weiterhin auf Rang 15, konnte die Negativserie aber durchbrechen.

Stabilere Defensive notwendig

Hauptursächlich für den Absturz war neben zu vielen individuellen Fehlern auch die ausgedünnte Offensivreihe des ASV, dem während der Negativphase lediglich drei eigene Treffer glückten. Kein Vergleich zu den drei Heimspielen im September, als die Strobel-Elf mit jeweils vier Toren souveräne Siege feiern durfte. "Diese Torgefährlichkeit ist uns im Oktober abgegangen, daher bin ich froh, dass wir Hankofen nun mit alten Tugenden und zu Null schlagen konnten", zeigt sich der 44-Jährige zufrieden. Denn eines ist klar: Funktioniert die Offensivabteilung nicht, muss zumindest die Defensive stehen.

Und das tat sie beim ASV in dieser Halbserie zu selten - lediglich zwei weitere Spiele ohne Gegentreffer belegen diese Einschätzung. Die in Summe 38 Gegentreffer sind zwar nicht Minuswert der Liga - allerdings haben mit Ausnahme des FC Coburg alle vor den Relegationsplätzen platzierte Mannschaften stabilere Defensiven. "Wenn du hinten rauskommen willst, musst du öfter zu Null spielen", hofft der Trainer daher auf weitere Auftritte wie gegen Hankofen im neuen Jahr.

Hartes Programm auf dem Weg zum Klassenerhalt

Im Kalenderjahr 2024 warten dann voraussichtlich 16 Spiele auf die Oberpfälzer - auch, wenn Stand heute noch die Partie in Würzburg Mitte Dezember angesetzt ist. Eigentlich war sogar ein zweites Spiel im Dezember geplant, allerdings ist die Begegnung gegen den SC Eltersdorf am kommenden Wochenende witterungsbedingt bereits abgesagt. Die Neumarkter hätten zwar gerne gespielt, da sich "das Lazarett nun gelichtet hat" - Schnee und Frost zerschlugen diese Pläne allerdings und machen zudem wenig Hoffnung auf weitere Pflichtspiele in 2023.

Nichtsdestotrotz zeigt sich Strobel trotz des "harten Programms innerhalb von drei Monaten" für die Rückserie optimistisch, nachdem - wie zu Saisonbeginn - ein großer Kader zur Verfügung stehen sollte. Zudem herrscht im Verein Ruhe, da die Verantwortlichen die Negativserie richtig einordnen konnten, denn neben verletzungsbedingten Ausfällen fehlt der jungen Truppe in manchen Situationen schlichtweg die notwendige Erfahrung. "Wir gehen den Weg mit der Jugend bewusst - allerdings hast du da automatisch Schwankungen drin", verweist Strobel auf die Partie gegen Hankofen, bei der sich fünf 19-jährige Eigengewächse in der Startelf wiederfanden, "natürlich hätten wir uns vier bis fünf Punkte mehr gewünscht, aber jammern hilft jetzt auch nichts."

So fehlen den Oberpfälzern aktuell noch 21 Zähler auf wohl zum Klassenerhalt erforderliche 45 - schließlich sind bei zwei Direktabsteigern und womöglich vier Releganten knapp ein Drittel der Liga nicht direkt gesichert. Hoffnung kann der ASV aus der vergangenen Rückrunde schöpfen, als man nach ähnlich verlaufener Hinrunde 23 Zähler aus 13 Begegnungen sammelte und die Saison als Elfter beschloss. Daher gilt: Wiederholung erwünscht, um ein viertes Jahr Bayernliga in Folge zu sichern.

Simon Ruß

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