Champions League

Neuer Spirit? Beierlorzers Hoffnung auf eine Initialzündung

Leipzig: Martinez ein unaufgeregter Gulacsi-Vertreter

Neuer Spirit? Beierlorzers Hoffnung auf eine Initialzündung

Gut gemacht! Marsch-Vertreter Achim Beierlorzer und Doppeltorschütze Christopher Nkunku.

Gut gemacht! Marsch-Vertreter Achim Beierlorzer und Doppeltorschütze Christopher Nkunku. imago images/Picture Point LE

Am Ende zweier höchst turbulenter Tage hatten sich die Leipziger Profis und die noch verbliebenen Trainer und Betreuer immerhin einige unbeschwerte Stunden verschafft: Die Nacht verbrachten sie in ihrem belgischen Teamquartier unweit des Jan-Breydel-Stadions, in dem sie am Vorabend mit dem höchsten Europapokal-Sieg der Vereinsgeschichte einen ebenso fulminanten wie überraschenden Auftritt hingelegt hatten. Erst für Donnerstag ist die Heimreise nach einer Regenerationseinheit in Brügge terminiert.

"Die Mannschaft hat die Situation hervorragend angenommen und die Chancen dieser Situation erkannt. Corona hat die Mannschaft dazu gebracht, für die anderen zu kämpfen und zu arbeiten", urteilte Achim Beierlorzer als Vertreter des mit dem Coronavirus infizierten und von Leipzig aus dirigierenden Cheftrainers Jesse Marsch. "Befreiend", fand Kevin Kampl, der Vertreter des ebenfalls mit COVID19 infizierten Kapitäns Peter Gulacsi, diesen Abend in Brügge als Reaktion auf den leblosen 0:2-Auftritt vier Tage zuvor in Hoffenheim. "Die ganze Situation hat was ausgestrahlt in der Mannschaft . Heute hat sehr vieles gepasst, am meisten war es die Einstellung", sagte der Team-Senior: "In der ersten Halbzeit haben wir ein Feuerwerk abgebrannt."

Wie wir uns bei jeder Situation gepusht haben, das war unglaublich, das habe ich selten gesehen.

Kevin Kampl

Mentalität, das war der am meisten verwendete Begriff der Spieler und Verantwortlichen. "Wie wir uns bei jeder Situation gepusht haben, das war unglaublich, das habe ich selten gesehen", sagte Kampl, und dieser Spirit ging über die Grenzen der arg ausgedünnten Mannschaft hinaus. Beispielgebend dafür stand Leipzigs Urgestein Yussuf Poulsen, der trotz seines Muskelfaserrisses als Motivator und Berater mitgereist war, und selbst beim Aufwärmen in Betreuerjacke mitwirkte. "Überragend" fand Beierlorzer diese Unterstützung: "Kein Spieler hat die RB-Philosophie so verinnerlicht wie Yussi.". Beierlorzer erhofft sich nun, dieses 5:0 möge "eine Initialzündung in vielerlei Hinsicht" sein. Vor allem eine zu mehr Stabilität. Dass sich bei RB in dieser Saison Galavorstellungen wie gegen Dortmund und in Brügge abwechseln mit Horrordarbietungen à la Hoffenheim oder dem Heimspiel gegen Brügge, "beschäftigt uns auch. Wir können es uns auch nicht erklären."

Am Sonntag im Geisterspiel wartet Leverkusen

Man darf gespannt sein, welches Gesicht RB am Sonntag im nächsten Schlüsselspiel zeigt, wenn es im Geisterspiel gegen Leverkusen um Platz vier geht. Marsch wird auch da nur aus dem Homeoffice mitwirken können. Der US-Amerikaner stand vor und während der Partie in ständigem Kontakt mit seinem Stab, veranlasste etwa die strategische Ausrichtung in der Halbzeit und die Auswechslungen im weiteren Spielverlauf. Die Spieler selbst aber hatte er, nachdem er am Dienstag noch zur Teamsitzung zugeschaltet war, am Spieltag der Obhut seiner Assistenten überlassen. "Achim hat uns die ganzen Dinge weitergeleitet und seine Sache sehr gut gemacht", lobte Kampl. "Natürlich kam der Matchplan von Jesse", betonte auch Emil Forsberg.

Martinez agiert fehlerlos - Hoffnung auf ein Quartett

Wie Marsch wird auch Gulacsi am Sonntag noch nicht mitwirken können. Sein unerfahrener Vertreter Josep Martinez (23) gehörte mit seiner ruhigen und fehlerlosen Vorstellung zu den Gewinnern des Mittwochs. "Er hat es hervorragend gemacht. Ihm steht die Zukunft absolut offen, er kann noch eine große Karriere antreten", sagte Beierlorzer. Das letzte Aufgebot von Brügge wird gegen Leverkusen um den am Mittwoch gesperrten Tyler Adams und wohl auch um den nach Erkältung auf dem Weg der Besserung befindlichen Mohamed Simakan aufgefüllt. Hoffnung besteht zudem bei Dominik Szoboszlai und Amadou Haidara, die sich mit Sprunggelenksverletzungen herumplagen. "Wenn diese vier zurückkommen, wäre uns geholfen", hofft Beierlorzer. Wenn nicht, das hat der Abend in Brügge gezeigt, ist auch nicht von Vornherein alles verloren.

Oliver Hartmann

Bilder zur Partie Club Brügge - RB Leipzig