Bundesliga

Eskalation im Konflikt beim DFB und beim Streit zwischen DFB und DFL

DFB-Vize-Präsident erhebt schwere Vorwürfe gegen Ligaverband

Neue Eskalation - Koch fordert Seifert zur "Richtigstellung" auf

Nun auch im Streit vereint: DFL-Boss Christian Seifert (li.) und DFB-Vizepräsident Rainer Koch.

Nun auch im Streit vereint: DFL-Boss Christian Seifert (li.) und DFB-Vizepräsident Rainer Koch. imago images

Die Streitigkeiten bei Deutschlands höchsten Fußball-Funktionären haben endgültig eine neue Eskalationsstufe erreicht. Inmitten aller Spekulationen über einen möglichen Rücktritt des schwer beschädigten DFB-Präsidenten Fritz Keller attackieren sich Vizepräsident Rainer Koch und DFL-Boss Christian Seifert nun auch noch mit Briefen, die nicht nur an die Vereine gingen, sondern unmittelbar an die Medien durchgestochen werden und somit breite Aufmerksamkeit erhielten.

In einem achtseitigen Antwortschreiben, das auch dem kicker vorliegt, konterte Koch am Dienstag dabei sämtliche Vorwürfe des Profilagers um Seifert.

Die DFL bat zuvor in einem Brief um eine Erklärung von Koch, ob er sich bezüglich möglicher Pläne der DFL und Zukunftsplänen von Seifert geäußert habe. Man löse die Probleme des DFB "nicht durch den Aufbau imaginärer Feindbilder und abenteuerlicher Verschwörungstheorien", ließ Seifert den Vizepräsidenten wissen.

Inmitten der Funktionärsschlammschlacht, in der DFB-Boss Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius am Sonntag bereits das Vertrauen der Landes- und Regionalchefs entzogen bekamen, ließ eine Antwort von Koch nicht lange auf sich warten. In fetten Buchstaben und zudem unterstrichen, schrieb er auf der ersten von acht Briefseiten: "Ihre entsprechende Behauptung, mittlerweile bundesweit in allen Kanälen medial bestens gestreut, ist frei erfunden."

Ihre entsprechende Behauptung, mittlerweile bundesweit in allen Kanälen medial bestens gestreut, ist frei erfunden.

Rainer Koch

Doch damit nicht genug. Jurist Koch, der sich mit dem Profilager und Präsident Keller akut im Clinch befindet, legte nach: "Ich bitte Sie, diese Behauptung nicht weiter zu erheben und wäre dankbar für eine baldige Richtigstellung." Koch, der auch Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes ist, kämpfe "für die Anliegen des Amateurfußballs", der es sich wünschen würde, vom Profilager so unterstützt zu werden, wie dieser den Profifußball "seit nunmehr über zwölf Monaten durchgängig unterstützt".

Auszug aus dem Brief von Rainer Koch an Christian Seifert.

Auszug aus dem Brief von Rainer Koch an Christian Seifert. kicker

Die DFB-Konferenz von Potsdam am Wochenende wirkte wie ein Beben. Die Chefs der Landes- und Regionalverbande entzogen nicht nur Keller und Curtius das Vertrauen, sondern schwächten auch Koch und Schatzmeister Stephan Osnabrügge, die zwar das grundsätzliche Vertrauen, aber auch zahlreiche Gegenstimmen erhielten. Das von den Bundesliga-Vertretern angeführte Profilager führt derweil dauerhaft Streitigkeiten mit Koch und vor allem Curtius.

Koch warf der DFL und Seifert nun gar vor, die 2019 beim Bundestag aufgenommenen Strukturveränderungen beim DFB nicht tatsächlich zu unterstützen. Die derzeitige Debatte bestätigten Kochs Eindrücke, dass der Ligaverband die Änderungen "nur vordergründig mitgetragen" habe und "nie umsetzen" wollte, sondern weiterhin Veränderungen wolle, die am Ende nachteilig für den Amateurfußball sein dürften", schrieb Koch.

Kellers Entgleisung gerät kurzzeitig zur Nebensache

Inmitten dieser Grabenkämpfe gerät selbst der Nazi-Vergleich von Verbandsboss Keller, für welchen dieser sich nun vor dem DFB-Sportgericht verantworten muss, kurzzeitig zur Nebensache. Der 64 Jahre alte Winzer ist dennoch noch stärker unter Druck geraten und muss Sanktionen befürchten, nachdem die Ethikkommission ihre Ergebnisse an das dreiköpfige Gremium unter dem Vorsitz von Hans E. Lorenz verwiesen hat.

bst/dpa

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