Tennis

Sechs Erkenntnisse zu den French Open: Neue Dominatorin und der alte König

Tragisches Ende für Zverev - Flaute bei den deutschen Frauen

Neue Dominatorin und der alte König: Sechs Erkenntnisse zu den French Open

Krönten sich in Paris: Iga Swiatek und Rafael Nadal.

Krönten sich in Paris: Iga Swiatek und Rafael Nadal. Getty Images

1. Swiatek fehlt aktuell die Konkurrenz

Widmen wir uns zunächst den beiden Titelträgern. Bei den Damen setzte sich Iga Swiatek in einer Art und Weise durch, die schon beeindruckend war. Das Finale, das überdeutliche 6:1 und 6:3 gegen Coco Gauff, war der 35. Sieg in Folge auf der WTA-Tour für die Polin, die sich anschließend unter anderem die Gratulation von Robert Lewandowski abholte. Die erst 21-Jährige ist seit dem überraschenden Rücktritt von Ash Barty die Nummer eins der Welt - und spielt auch wie solch eine. Swiatek gab im ganzen Turnier nur einen Satz ab. Ab dem Viertelfinale holten ihre Kontrahentinnen in Summe nur zwölf Spiele. Somit lässt sich mit Fug und Recht behaupten: Der Polin fehlen aktuell die Gegnerinnen, die sie ernsthaft vor Probleme stellen können.

2. Der Sandplatzkönig bleibt der Sandplatzkönig

Einmal mehr hat sich Rafael Nadal zum König von Paris gekrönt. Der Spanier gewann die French Open zum 14. Mal, es war sein 22. Grand-Slam-Sieg - damit baute er seinen eigenen Rekord aus. Doch waren viele Titel des seit Freitag 36-Jährigen in Roland Garros erwartet worden, so konnte mit diesem nicht unbedingt gerechnet werden. Der Mann aus Manacor setzte vor dem Turnier einmal mehr wegen seines rechten Fußes aus, wusste gar nicht, ob er in Paris antreten kann. Die Buchmacher führten Nadal auf dem dritten Platz hinter Novak Djokovic und Carlos Alcaraz. Aber einmal mehr zeigte es der Spanier allen, wenngleich er im Halbfinale von der Aufgabe eines sehr starken Alexander Zverev profitierte.

Nadal allein vorn: Diese Spieler holten die meisten Grand-Slam-Titel

Mit welchen Schmerzen der beste Sandplatzspieler aller Zeiten spielte, ist wohl für die wenigsten nachzuvollziehen. Vor dem Finale ließ er sich eine Injektion in den Fuß spritzen, dass er ihn nicht mehr spürte. Alleine das sagt schon alles über seine Arbeitseinstellung aus. Und das Gute für die Fans: Der 36-Jährige will weiterkämpfen, aber wohl erst nach der Rasensaison.

3. Zverev ist ganz nah dran

Ein starkes Turnier, das auf die maximal tragische Art und Weise endete, spielte Alexander Zverev. Die deutsche Nummer eins machte auf Sand einen starken Eindruck, schaltete Mitfavorit Alcaraz im Viertelfinale in vier Sätzen aus. Im Halbfinale wartete dann Nadal. Der Hamburger verlor zwar den ersten Satz, wirkte in Durchgang zwei körperlich aber wesentlich fitter. Und dann passierte es: Der 25-Jährige knickte mit seinem rechten Fuß um, zog sich eine schwere Bänderverletzung zu und musste aufgeben. Der Deutsche hätte gute Chancen gehabt, ins Finale einzuziehen - und dort wäre er gegen Casper Ruud der Favorit gewesen. Was hängen bleibt: Zverev fehlt nicht viel für sein großes Ziel, endlich ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Er kann mit jedem mithalten, auch mit Nadal auf dessen stärkstem Belag. Aber nun muss der Olympiasieger erst einmal pausieren, mit Wimbledon (Start Ende Juni) dürfte es sehr knapp werden.

4. Im deutschen Damen-Tennis geht nicht viel

Die deutschen Tennis-Damen warten auf der großen Bühne seit geraumer Zeit auf das nächste große Highlight. Angelique Kerber kam zwar in die dritte Runde, schied da aber in zwei Sätzen gegen Aliaksandra Sasnovich aus. Von fünf Starterinnen schaffte es sonst nur Andrea Petkovic in Runde zwei, wo Victoria Azarenka zu stark war. Es wird weiterhin eine Nachfolgerin der Generation Kerber, Petkovic und Görges gesucht. So wirklich hervor tut sich bislang keine deutsche Spielerin.

5. Hut ab vor den Jungspunden

Im Herrentennis sind aktuell einige junge Spieler unterwegs, die man für die nächsten Jahre auf dem Zettel haben sollte. Über Alcaraz wurde bereits genug geschrieben und dass er mit seinen 19 Jahren neben Djokovic der Top-Favorit auf den Titel war, sagt eigentlich schon alles. Aber nicht nur der Spanier machte auf sich aufmerksam, auch beispielsweise München-Gewinner Holger Rune (19 Jahre) spielte mit seinem Viertelfinaleinzug ein starkes Turnier. Für den Dänen war dann in der Runde der letzten Acht gegen Ruud Schluss. Der 23-jährige Norweger schaffte es sogar bis ins Finale, wo die Situation mit erstem Grand-Slam-Finale überhaupt und Gegner Nadal noch eine Nummer zu groß war. Aber neben den üblichen Youngstern um beispielsweise Felix Auger-Aliassime (21 Jahre) oder Jannik Sinner (20 Jahre) ist reichlich Qualität im Herrentennis vorhanden. Die Zeit nach der Federer/Nadal/Djokovic-Ära dürfte gesichert sein.

6. Bei den Damen ist immer alles offen

Aktuell spielt Swiatek auf der WTA-Tour zwar sehr dominant, dahinter ist aber alles offen, das bestätigte sich in Paris einmal mehr. Im Viertelfinale standen neben der Polin noch Jessica Pegula (Nummer 11 der Setzliste), Veronika Kudermetova (29), Darja Kasatkina (20), Martina Trevisan (ungesetzt), Leylah Fernandez (17), Coco Gauff (18) und Sloane Stephens (ungesetzt). Es ist also auch bei einem Grand Slam viel erreichbar im Damenfeld, was ja auch für die deutschen Starterinnen in den nächsten Turnieren mal eine Chance  bieten könnte.

Mirko Strässer