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Neid: Auf Wiedergutmachungskurs

DFB-Torfrau Angerer: "Wir waren zu ängstlich"

Neid: Auf Wiedergutmachungskurs

"Wir müssen die Spieler mutig machen": Bundestrainerin Silvia Neid.

"Wir müssen die Spieler mutig machen": Bundestrainerin Silvia Neid. getty images

Neid warnte vor übertriebenem Pessimismus nach dem durchwachsenen Auftakt. Man dürfe jetzt nicht alles "schlecht reden", erklärte sie unmittelbar nach der Partie. "Es war nicht alles schlecht. Es waren auch gute Sachen dabei." Und die Ausgangsposition ist schließlich auch nicht die schlechteste. Denn auch Mitfavorit Norwegen kam gegen Island nicht über ein 1:1 hinaus, somit liegen alle vier Teams in der deutschen Gruppe B gleichauf. "Es ist ja nichts passiert. Kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken", meinte Neid, die eine "perfekte Analyse" des Duells mit den "starken Holländerinnen" versprach.

Aus dem Kreise ihrer Spielerinnen sind ähnliche Stimmen zu vernehmen. Wie immer kein Blatt vor den Mund nahm Torfrau Nadine Angerer. "Wir waren zu ängstlich", konstatierte die 34-jährige Spielführerin, die mit einigen starken Paraden immerhin den Punkt sicherte und weiter zuversichtlich ist. "Wir sind mit dem Punkt erstmal zufrieden. Alles ist offen", so Angerer.

Man braucht sich um uns keine Sorgen zu machen. Wir wissen, dass wir viel besser spielen können.

Innenverteidigerin Saskia Bartusiak bei der Pressekonferenz in Växjö

Steigerungspotenzial ist also jede Menge vorhanden, das sehen auch andere Kolleginnen ähnlich, die sich durchaus selbstkritisch präsentierten. "Wir sind nicht in Tritt gekommen", gab Lena Goeßling zu, die gemeinsam mit Nadine Keßler als "Doppelsechs" diesmal nicht überzeugte. "Gegen die Isländerinnen müssen wir wieder besser kombinieren und unsere Fehler abstellen", so Goeßling weiter. "Ich denke, dass wir in den nächsten Spielen schon wieder mehr Lösungen haben." Auch Neid war der Meinung: "Lena und Nadine können es besser." Im Zentrum sei man "zu löchrig" gewesen, "zu wenige Ballgewinne" und "zu ungenaue Pässe in die Spitze" seien ebenfalls zu bemängeln gewesen.

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Klar ist: Sollte die deutsche Mannschaft so weiter kicken, dürfte das Abenteuer Schweden bald vorbei sein. Zu ideenlos und verkrampft präsentierte sich der Dauer-Europameister, der die letzten fünf Turniere gewann. Lag's vielleicht auch an der Verletzungsmisere und der Unerfahrenheit? Schließlich fehlten sechs Spielerinnen verletzt oder krank, die sechs Millionen TV-Zuschauer sahen zudem ein stark verjüngtes Team (23,5 Jahre im Durchschnitt). Stürmerin Celia Okoyino da Mbabi erkannte dies jedenfalls als möglichen Faktor. "Für viele Spielerinnen war die Drucksituation neu, aber sie haben das Potenzial", sagte die Stürmerin. Ähnlich sah es Angerer. "Für viele war es das erste Turnierspiel. So was kann lähmen."

Laudehr steht in den Startlöchern

Die Frage nach personellen Konsequenzen steht trotz aller guten Vorsätze im Raum, zumal vor allem mit Simone Laudehr eine hoch veranlagte und erfahrene Spielerin auf einen Einsatz brennt. Viele Änderungen dürfte es aber nicht geben, wie Neid relativ klar durchblicken ließ. "Ich werde nicht alles ummodeln, sondern vertraue meinen Spielerinnen. Sie haben ja schon gezeigt, dass sie es besser können." Auch mit Hilfe des angereisten Mentalcoachs Markus Hornig soll das Selbstvertrauen bei den deutschen Damen wieder hergestellt werden. "Wir müssen die Spielerinnen jetzt aufbauen und mutig machen, das ist unsere Hauptaufgabe", sagte Neid.

Viel Krampf und ein Lichtblick im Tor