Bundesliga

Nationalspieler Koch: Ein spannender Sommer wartet

Abwehrmann will nächsten Karriereschritt - wie reagiert Freiburg?

Nationalspieler Koch: Ein spannender Sommer wartet

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Am Gründonnerstag ging Robin Koch einkaufen. Nicht für sich, sondern für andere, für Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen, die Risikogruppe in der aktuellen Corona-Pandemie. Für diese betreiben auch die Freiburger Malteser einen kostenlosen Einkaufsservice in Supermärkten und Apotheken. Koch packte mit an, lieferte an der Haustür aus, unterhielt sich mit denen, die Unterstützung benötigen und übernahm an diesem Tag die Kosten für alle Einkäufe. "Jeder kann helfen, jede noch so kleine Geste zählt. Mein größter Respekt an alle Helfer in Deutschland. Eure derzeitige Arbeit ist unbezahlbar", kommentierte der Sport-Club-Profi seine Aktion bei Twitter.

Man nimmt dem 23-Jährigen seinen Sinn für die Lebensrealitäten außerhalb der Profifußball-Blase ab. Koch ist ein unaufgeregter und bodenständiger Typ. Lange hat er bei Eintracht Trier abseits der großen Bühnen gespielt und parallel eine Lehre zum Industriekaufmann abgeschlossen. Über die Regionalliga und den damaligen Zweitligisten Kaiserslautern kam er mit 21 Jahren beim SC in der Bundesliga an - und im Oktober 2019 sogar im Nationalteam. Beim überraschenden Debüt im Test gegen Argentinien zeigte der direkt von Bundestrainer Joachim Löw in die Startelf beorderte Koch eine ansprechende Leistung. Die Bühnen wurden also größer und damit automatisch die Aufregung - zumindest um ihn herum. Ende Januar bemühte sich plötzlich RB Leipzig intensiv um eine sofortige Verpflichtung des 74-maligen Bundesligaspielers. Freiburg blockte jedoch ab, wollte einen seiner stabilsten Akteure nicht während der Saison ziehen lassen.

Kein Murren über geplatzten Wechsel nach Leipzig

Und wie reagierte Koch auf den geplatzten Wechsel zum Champions-League-Klub? "Das klären erstmal die Vereine unter sich. Ich war auf meine Aufgaben beim SC konzentriert, ich fühle mich hier sehr wohl. Das Thema ist also weitgehend an mir vorbeigegangen", erzählte der gelernte Innenverteidiger im Podcast "kicker meets DAZN". Was nach geschäftsmäßiger Phrase klingt, ist in diesem Fall glaubhaft. Koch lässt sich weiterhin nicht so schnell aus der Ruhe bringen - eine seiner großen Stärken auch auf dem Platz. Leute im Verein bestätigen, dass keinerlei Murren über den ausgebliebenen Wechsel zum Spitzenklub Leipzig von Koch zu vernehmen war.

Koch möchte am liebsten zu einem Champions-League-Klub

Doch wie wird es nach dieser Saison aussehen, vorausgesetzt sie wird noch im Sommer beendet? Kochs Ausrichtung ist klar: Er möchte den berühmten nächsten Schritt in der Karriere wagen. Am liebsten zu einem Champions-League-Klub. Also nach Leipzig? Das scheint zumindest aktuell keine heiße Option mehr, da die Leipziger zunächst versuchen, Abwehrstar Dayot Upamecano zu halten. Der Franzose kann dieses Jahr per Ausstiegsklausel für 60 Millionen Euro gehen. Diese Summe wird nach der Corona-Krise wahrscheinlich kein Klub zahlen. Aber das letzte Wort ist zum jetzigen Zeitpunkt natürlich längst nicht gesprochen, zumal hinter Leipzigs Kapitän Willi Orban (Reha nach Knorpelschaden) derzeit ein Fragezeichen steht. Koch könnte bei RB also wieder zur Option werden und es gibt ja noch andere regelmäßige Europacup-Starter in Deutschland. Zudem zählen seit Längerem Benfica Lissabon und Neapel zu den Interessenten.

Und der SC? Das Arbeitspapier über die Zusammenarbeit mit Koch endet 2021. Für den Aus- und Weiterbildungsverein wird es also die letzte Chance sein, Ablöse für einen Akteur zu generieren, der sich seit 2017 unter der Anleitung von Christian Streich und seinen Trainerkollegen exzellent entwickelt hat. Und: Sobald sich Koch mit einem neuen Verein einig sein sollte - was soll der Klub gegen den klaren Wechselwunsch eines Musterprofis ausrichten? Dass Koch nach dieser Saison, wann auch immer sie enden mag, den SC verlässt, scheint ausgemacht Sache. Oder doch nicht?

Sportvorstand Jochen Saier ist sich der vertraglichen Konstellation bewusst, für den Sport-Club werde es jedoch eine ganzheitliche Abwägung sein. Bedeutet: Trotz des durch die Corona-Krise allgemein erwartenden Preisverfalls auf dem Transfermarkt muss die Ablöse aus Freiburger Sicht stimmen, es muss also auch nach dem Kauf eines Nachfolgers noch ein deutlicher Teil der Summe hängen bleiben. Aktuell gibt es noch viele Ungewissheiten, aber für unter zehn Millionen Euro wird Koch wohl nicht wechseln dürfen. Denn, so eine Rechnung der Breisgauer: Mit dem Nationalspieler ist die Wahrscheinlichkeit auf den Ligaverbleib in der Saison 2020/21 höher als ohne ihn. Und eine weitere Bundesligasaison spült dem Verein vor allem durch TV- und Sponsoringerlöse deutlich mehr Geld in die Kasse als eine einzelne Spielerablöse, auf die man bei Koch 2021 dann verzichten müsste. Dass dieser unangenehme Weg für die Freiburger kein Tabu darstellt, haben sie in der Vergangenheit mehrmals bewiesen.

Bleibt er oder geht er? Wenn ja, wohin und für welche Ablöse? Auf Koch wartet ein spannender Sommer, wenngleich dieses Thema noch weit weg ist. Zunächst gilt es für alle, die Corona-Krise bestmöglich zu überstehen.

Carsten Schröter-Lorenz

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