Bundesliga

Nagelsmanns Lehren aus der Frankfurt-Niederlage

Bayerns Defensivverhalten soll schon im eigenen Ballbesitz beginnen

Nagelsmanns Lehren aus der Frankfurt-Niederlage

Will hier und da noch an ein paar Stellschrauben drehen: Bayern-Trainer Julian Nagelsmann.

Will hier und da noch an ein paar Stellschrauben drehen: Bayern-Trainer Julian Nagelsmann. imago images/kolbert-press

Die Münchner gehen als Tabellenführer und als Favorit in dieses Topspiel am Sonntag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) in Leverkusen. Trotzdem aber ist der Rekordmeister gewarnt. Immerhin spielt Konkurrent Bayer eine bis dato ebenso starke Saison. Punktgleich sind die beiden Teams, für den FCB spricht das bessere Torkonto (24:7 gegenüber 20:7). Weil sich die Mannschaft von Trainer Nagelsmann mit Ausnahme der Auftaktpartie in Mönchengladbach (1:1) und dem bislang letzten Spiel gegen Frankfurt (1:2) auf ihre Offensive verlassen konnte.

Wenn aber diese Effizienz mal ausbleibt und auch Robert Lewandowski mal am gegnerischen Keeper scheitert, sind andere Elemente im Spiel gefragt. Es habe sich angedeutet, dass noch nicht alles rund läuft. Schon in Fürth (3:1) oder gegen Kiew (5:0) gab es Momente, die dem Coach nicht gefallen haben. Das 1:2 gegen Frankfurt "hatte einige Parallelen", sagt er: "Der Gegner hatte Situationen, die wir nicht optimal gelöst haben."

Vereitelt wurden sie häufig durch den unheimlich aufmerksam mitspielenden Manuel Neuer, der weit außerhalb seines Strafraums Bälle abfing und sich einmal mehr als klasse Libero präsentierte. "Deshalb haben wir das Spiel gegen Frankfurt nochmal aufgearbeitet", erklärt Nagelsmann. Nicht emotional, um Wunden zu öffnen, sondern rein inhaltlicher Natur, weil es "immer die gleichen" Dinge seien, die zu beobachten waren.

Fünf Spieler schneller als 35 km/h: Achtung vor Leverkusens Sprintern

Worum es genau geht? "Um Positionen in Ballbesitz", sagt der 34-Jährige. Insbesondere im Offensivfußball. Da werde die Basis gelegt, ob man bei Ballverlust richtig stehe, um den Ball im Gegenpressing schnellstmöglich wieder zurückzuholen. "Die Aktivität im eigenen Ballbesitz beeinflusst automatisch die Aktivität bei Ballverlust", so die Nagelsmann'sche Formel: "Wenn du mit Ball ein gutes Aktivitätsniveau hast, wirst du so gut stehen, dass du den Ball schnell wieder kriegst."

Und das sei gerade gegen die schnellen Leverkusener enorm wichtig. Denn das Team von Gerardo Seoane "ist sehr kontergefährlich", sagt der Bayern-Coach, es habe "extrem viel Speed auf den Außenverteidigerpositionen", zudem "fünf Spieler, die über 35 km/h laufen, das ist nicht so langsam". Und er weiß auch, dass der FC Bayern häufig dann Probleme bekam, wenn die hinterste, oft weit aufgerückte Kette mit Schnittstellenpässen oder Chipbällen überspielt wurde und die Innenverteidiger in Eins-gegen-eins-Laufduelle gezwungen wurden.

Um diese Gefahr zu reduzieren, "wird die Restverteidigung sehr wichtig sein", sagt Nagelsmann. Gefragt sind da schon die Mittelfeldspieler - auf dem Flügel wie in der Zentrale. Sie sind dafür verantwortlich, dass das Gegenpressing früh genug beginnt. Die Viererabwehrkette ist in diesem Fall nur das letzte Glied in der Verhinderungstaktik.

Die Partie in Leverkusen wird in jedem Fall eine Prüfung werden und zeigen, ob die Mannschaft die Lehren aus der Frankfurt-Niederlage gezogen hat. Ein Sieg - und der Münchner Herbst strahlt wieder. Eine weitere Niederlage hingegen würde ein paar erste graue Wolken aufziehen lassen.

Georg Holzner

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