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Nagelsmann muss alles hinterfragen - vor allem seine Maßnahmen

Kommentar

Nagelsmann muss alles hinterfragen - vor allem seine Maßnahmen

Bundestrainer Julian Nagelsmann muss sich bei der Ursachsenforschung auch selbst hinterfragen.

Bundestrainer Julian Nagelsmann muss sich bei der Ursachsenforschung auch selbst hinterfragen. picture alliance

Julian Nagelsmann wusste, wie viel nach der Türkei-Pleite von diesem letzten Vortrag vor der viermonatigen Länderspiel-Pause abhängen würde, er wies am Vortag explizit darauf hin. Es gehe darum, in den eigenen Reihen den Glauben und die Überzeugung zu festigen "von dem Weg, den wir gehen".

Nach dem in jeder Hinsicht armseligen und unwürdigen Auftritt zum Jahresabschluss gegen Österreich kann man eigentlich nur noch vom Glauben an eine erfolgreiche Heim-EM abfallen. Die 2:3-Niederlage gegen die Türkei war nach dem hoffnungsvollen Nagelsmann-Auftakt bei der USA-Tour schon ein empfindlicher Dämpfer. Der blutleere und zusammenhanglose Vortrag bei der hoch verdienten 0:2-Niederlage gegen Österreich erinnerte in vielerlei Hinsicht an das 1:4-Debakel gegen Japan am Endpunkt der Ära Hansi Flick. Mit dieser Darbietung hat sich Deutschland bei der EM-Auslosung am 2. Dezember in Hamburg zum Wunschgegner aus Lostopf 1 gemacht.

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Bei der Ursachenforschung dieser beiden völlig missratenen November-Länderspiele muss Nagelsmann alles hinterfragen - vor allem die eigenen Maßnahmen. Gegen die Türkei und Österreich hat er seine Mannschaft mit waghalsigen Aufstellungen, vielen Personalrochaden und einer äußerst riskanten Grundausrichtung ganz offensichtlich überfrachtet und verunsichert. Gegen die Türkei boten die Nationalspieler immerhin 20 Minuten überzeugenden Fußball und danach wenigstens noch einen wilden und leidenschaftlichen Schlagabtausch. Der erschreckende Auftritt in Wien aber geriet von der ersten Minute an zu einem Sammelsurium der Unzulänglichkeiten, es passte in der deutschen Mannschaft vorn wie hinten nichts zusammen. Von defensiver Stabilität war wieder nichts zu sehen. 22 Gegentore in elf Länderspielen 2023 - einen schlechteren Gegentorschnitt in einem Kalenderjahr wies eine deutsche Mannschaft zuletzt 1956 auf.

Es fehlten mit Ball Ideen, Präzision, Überzeugung und jegliche Torgefahr

Diesmal aber fehlten aber auch mit Ball Ideen, Präzision, Überzeugung und jegliche Torgefahr - zudem war nicht erkennbar, welchen Plan ihnen ihr Trainer mit auf den Weg gegeben hatte. Bezeichnenderweise schossen die Deutschen im ganzen Spiel nur einmal durch Leroy Sané (32.) auf des Gegners Tor. Eben jener Sané leistete sich dann eine fatale Disziplinlosigkeit, die seine Kollegen endgültig auf die Verliererstraße brachte und für ihn noch Konsequenzen für die März-Länderspiele haben dürfte.

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Sieben Monate vor der EM hat Nagelsmann mehr offene Baustellen als bei der Amtsübernahme vor zwei Monaten. Noch immer ist keine Achse erkennbar, noch immer kein Gerüst. Dass Nagelsmann Pascal Groß nach zwei guten Spielen gegen die USA und Mexiko nun zweimal keine einzige Minute brachte, ist nicht nachvollziehbar. Und die Verbannung von Joshua Kimmich, der gegen die Türkei nach drei aus gesundheitlichen Gründen verpassten Länderspielen zurückgekehrt war, aus der Startelf wirkte wie eine Demontage. Bis dato hatte der Mittelfeldspieler mit Führungsanspruch 79 seiner 81 Einsätze für die DFB-Auswahl in der Startelf bestritten - und mit Leon Goretzka statt Kimmich auf der Doppelsechs wurde es keinen Deut besser.

Mit Trotz und Sturheit wird Nagelsmann keine Überzeugung in seinen Weg auslösen

Nagelsmann hatte nach der Niederlage gegen die Türkei bemerkenswert dünnhäutig auf die seiner Ansicht nach unangebrachte öffentliche Kritik reagiert. Und er machte mit der erneuten Berufung von Kai Havertz deutlich, dass er von seiner Grundidee mit dem Arsenal-Profi als "Joker" auf der linken Seite nicht abrücken will. Mit Trotz und Sturheit aber wird er das Ruder, das ihm nun augenscheinlich entglitten ist, nicht wieder in den Griff bekommen. Und schon gar nicht in den eigenen Reihen Überzeugung in seinen Weg auslösen.

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