Bundesliga

Nächster TV-Showdown 2022? Wie DAZN Sky bedrängt

Die Lage auf dem deutschen Fußball-TV-Markt

Nächster Showdown 2022? Wie DAZN Sky bedrängt

Live bei DAZN und Sky: Thomas Müller und Jerome Boateng nach dem gewonnenen Champions-League-Finale.

Live bei DAZN und Sky: Thomas Müller und Jerome Boateng nach dem gewonnenen Champions-League-Finale. imago images

Wer überträgt heute Abend eigentlich Dortmunds Auftritt in der Königsklasse? Fragen wie diese musste sich noch vor ein paar Jahren niemand stellen. Für Fußballfans in Deutschland war die TV-Welt gut überschaubar. Wer 1. und 2. Bundesliga sehen wollte, Champions und Europa League, Premier League und DFB-Pokal - ein Sky-Abo genügte.

Dann trat die britische Perform Group ins Rampenlicht und mit ihr vier Buchstaben, die jene TV-Welt durcheinanderwirbelten: DAZN. Und jetzt, 2020, bahnt sich auf dem deutschen Fußballrechtemarkt an, was in der Bundesliga in immer weitere Ferne rückt: eine Wachablösung an der Spitze.

DAZN sieht sich ab 2021 als "neue Nummer 1"

Ab 2021, sagt Thomas de Buhr, der Deutschland-Chef des Streamingdienstes, ist nicht mehr Sky, sondern DAZN "die neue Nummer 1 für alle Fußballfans in Deutschland". Abonnentenzahlen geben beide Konkurrenten nicht bekannt, doch die Sachlage zeigt, dass diese selbstbewusste Ansage nicht von ungefähr kommt.

Beginnend mit der Saison 2021/22 darf Sky "nur" noch am Samstag Bundesligaspiele ausstrahlen, das heißt fünf bis sechs Partien pro Woche; die Übertragungsrechte an der Champions League verliert der Pay-TV-Sender ganz an DAZN, wobei Fußball-Newcomer Amazon 16 der 137 Partien zeigen wird. Erstmals seit 2000 ist Sky dann in der Königsklasse außen vor, die Europa League wanderte bereits 2017 zu DAZN (und zieht 2021 komplett zu RTL weiter).

Wer bekommt die Premier League ab 2022?

"Dass einzelne Rechte kommen und gehen, das ist ganz normal", spielte Devesh Raj, der neue Chef von Sky Deutschland, diese Verschiebungen gerade in der "Süddeutschen Zeitung" herunter. Gegenüber dem kicker verweist Sky auf die Rechte in anderen Sportarten wie Formel 1, Wimbledon oder die Handball-Bundesliga und wähnt sich durch diese "konkurrenzlose Programmvielfalt" als "Nummer 1 für alle Sportfans".

Nur ist die Nummer 1 aller Sportfans in Deutschland immer noch der Fußball. Und so zeichnet sich im Machtkampf zwischen Sky und DAZN schon 2022 der nächste Showdown ab. Dann werden die Rechte an der Premier League neu vergeben, die hierzulande immer mehr an Relevanz gewinnt.

Sky profitiert bei der Premier League auch von Corona

2019 hatte DAZN auf dem Weg nach oben den mutmaßlich schwersten Rückschlag erlitten, als Sky die erst 2016 verlorenen Premier-League-Rechte zurückeroberte. Der Münchner Fernsehsender, hinter dem seit 2018 der amerikanische Kabelnetzbetreiber Comcast NBC Universal steht, baut stark auf die nach eigener Aussage "international stärkste Liga der Welt" und profitiert gerade auch davon, dass die Premier League ihre Anstoßzeiten seit der Corona-Pandemie weiter aufgesplittet hat.

Zuletzt zeigte Sky dadurch an jedem Spieltag jede Partie live, wobei sich vor allem Jürgen Klopps FC Liverpool bei den Quoten als eine Art 19. Bundesligist entpuppt: Das Derby des Meisters bei Everton am vorvergangenen Samstagmittag etwa verfolgten nach Senderangaben 158.000 Zuschauer. Bei Sky gab es schon Bundesligaspiele mit einer offiziellen Zuschauerzahl von 0, weil weniger als 5000 einschalteten.

Wie Sky 2016 seine Kunden beruhigte, ist diesmal keine Option

DAZN hält zwar schon lange und noch bis mindestens 2021 die Rechte an La Liga, Serie A und Ligue 1, doch die Zahlen dürften dabei kaum mit jenen aus England mithalten können. Schlägt der Internetsender zur Saison 2022/23 zurück? Dessen Deutschland-Chef de Buhr bezeichnet die Premier League gegenüber dem kicker als "sehr attraktives Recht", das Sky aber nicht kampflos hergeben wird.

Bild aus der Vorsaison: ein gut gelaunter BVB-Trainer Lucien Favre in der Champions League mit DAZN-Reporter Daniel Herzog.

Bild aus der Vorsaison: ein gut gelaunter BVB-Trainer Lucien Favre in der Champions League mit DAZN-Reporter Daniel Herzog. imago images

Als der Pay-TV-Sender 2016, am Anfang des Klopp-Hypes, die Premier League verlor, hatte er seine Abonnenten damit beruhigt, dass sie "die Topstars und Topklubs von der Insel" ja weiterhin live bei den Übertragungen von Champions und Europa League verfolgen können. Dass es diese Option 2022 nicht mehr geben wird, zeigt, wie sehr Sky auf dem Fußballmarkt unter Druck geraten ist.

DAZN schließt Preiserhöhung ab 2021 nicht aus

Als Thronfolger wähnt sich DAZN schon jetzt, schweigt aber noch darüber, ob der neue Status auch finanzielle Folgen für die Fußballfans haben wird. Eine Erhöhung des gegenwärtigen Abopreises von 11,99 Euro pro Monat bzw. 119,99 Euro pro Jahr schließt de Buhr für 2021 nicht aus. Er sagte dem kicker nur: "DAZN ist immer bestrebt, den Fans das bestmögliche Angebot zu einem fairen Preis zu bieten." Das werde sich "nicht ändern".

Von Verhältnissen wie momentan in der Premier League ist der deutsche Fußball-TV-Markt auf jeden Fall noch ein gutes Stück entfernt. Dort können Fans seit dieser Saison diejenigen Spiele, die nicht von den beiden großen TV-Anbietern gezeigt werden, einzeln buchen - für umgerechnet 16,49 Euro pro Partie.

Jörn Petersen

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