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Nach Vorfall in Norwegen: FIFA-Schiedsrichter Hagen outet sich

Norweger steht öffentlich zu seiner Homosexualität

Nach Vorfall in Norwegen: FIFA-Schiedsrichter Hagen outet sich

Bekam viel Zuspruch nach seinem Outing in Norwegen: FIFA-Schiedsrichter Tom Harald Hagen.

Bekam viel Zuspruch nach seinem Outing in Norwegen: FIFA-Schiedsrichter Tom Harald Hagen. imago images

Erst eine schwere homophobe Beleidigung - und dann eine fadenscheinige Entschuldigung: Der frühere Zweitliga-Profi Flamur Kastrati (Osnabrück, Duisburg, Aue) hat sich in Norwegen am Sonntag massiv daneben benommen. "Halt's Maul und setz' dich hin", war noch der harmlosere Teil, den der 28 Jahre alte Stürmer vom norwegischen Erstligisten Kristiansund BK in Richtung Trainer Dag-Eilev Fagermo von Valerenga IF rief, ehe eine homophobe Beleidigung folgte.

"Nur" eine Entgleisung im Eifer des Gefechts? Mitnichten, denn auf Nachfrage im "Eurosport"-Interview nach dem Spiel (1:1), ob er das wirklich gesagt habe, wiederholte Kastrati seinen Ausfall. "Er hat eine große Klappe, da musst du es aushalten, dass du mal was zurückkriegst."

Seine dünne Entschuldigung folgte erst am Montag. Er habe die genaue Bedeutung des Wortes nicht gekannt, behauptete der in Oslo geborene Nationalspieler Kosovos in der Zeitung "Verdens Gang".

Schiedsrichter Hagen hatte Beschimpfung überhört und outet sich tags darauf

Schiedsrichter Tom Harald Hagen hatte von dem Vorfall nichts mitbekommen, der norwegische Verband (NFF) kündigte eine Untersuchung an. Bis zum Ende der Untersuchung wurde Kastrati übrigens von seinem Klub vom Training ausgeschlossen. Doch die homophobe Beleidigung in Richtung des Trainers nutzte Referee Hagen tags darauf, um seine Homosexualität, um die er zuvor schon kein großes Geheimnis gemacht hatte, öffentlich bekanntzugeben.

"Ich habe das Gefühl, dass es wichtig ist, der Sache die Brisanz zu nehmen, dass ich schwul bin. Ich habe mein ganzes Leben so gelebt, das ist nichts, worüber ich mir Gedanken mache. Das ist mein Alltag", wird der FIFA-Schiedsrichter von der Lokalzeitung "Glomdalen" aus Kongsvinger zitiert. Er halte die Zeit für reif und könne sich "nicht vorstellen, dass es für mich andere als positive Folgen hat", sagte Hagen. Der Referee bekam öffentlich viel Zuspruch und wurde von mehreren Seiten als Vorbild bezeichnet. "Es ist fantastisch, dass Tom Harald seine Geschichte teilt und damit dazu beiträgt, den Weg für mehr Toleranz und Akzeptanz für die Verschiedenheit im Sport zu bahnen", sagte Kultur- und Gleichstellungsminister Abid Raja der Zeitung "Verdens Gang".

Hitzlsperger ist in Deutschland der Vorreiter

Auch im deutschen Spitzenfußball hat es noch kein prominenter Spieler gewagt, sich offen zu seiner Homosexualität zu bekennen. Der ehemalige Nationalspieler und heutige Vorstandschef des VfB Stuttgart, Thomas Hitzlsperger, hatte sich nach seiner aktiven Laufbahn geoutet. Hitzlsperger hatte erst jüngst das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen. "Wir ehren einen ehemaligen Fußballnationalspieler und Deutschen Meister mit dem VfB Stuttgart, der mit seinem Coming-out ein Tabu gebrochen hat und seit vielen Jahren gegen Homophobie, Sexismus und Rassismus in Stadien und Vereinen kämpft", würdigte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Rede.

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