Regionalliga

Nach Spielabbruch: Drei Punkte Abzug für Mannheim

DFB-Sportgericht bestraft Regionalligisten

Nach Spielabbruch: Drei Punkte Abzug für Mannheim

Aufgrund von Fehlverhalten seiner Fans beim Rückspiel in der Aufstiegsrelegation zur 3. Liga bekommt Waldhof Mannheim drei Punkte abgezogen.

Aufgrund von Fehlverhalten seiner Fans beim Rückspiel in der Aufstiegsrelegation zur 3. Liga bekommt Waldhof Mannheim drei Punkte abgezogen. imago

Das Sportgericht unter Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden Stephan Oberholz sah es als erwiesen an, dass der Klub "eine erhebliche Mitschuld" an Ausschreitungen und Abbruch trägt. "Das war eine Bankrotterklärung im deutschen Fußball, die in einem Inferno endete", so Oberholz, der die außergewöhnliche Schwere der Vorkommnissen betonte: "Sie sind mit wenigen Fällen vergleichbar." Der Verein hat die Möglichkeit, gegen das Urteil Berufung einzulegen und das DFB-Bundesgericht als nächsthöhere Sportgerichtsinstanz anzurufen. Durchaus möglich, dass Waldhof bei einer Bestätigung des Punktabzugs auch vor ein ordentliches Gericht zieht.

Erster Punktabzug wegen Fan-Verhalten

Es ist, zumindest in der Erinnerung aller Verhandlungsbeteiligten, das erste Mal, dass der DFB wegen Zuschauer-Ausschreitungen einen Punktabzug verhängt. 2012 war Dynamo Dresden wegen ähnlicher Vorkommnisse vom DFB-Pokal ausgeschlossen worden. Seitdem gab es meistens Zuschauerteil-Ausschlüsse oder Geisterspiele. Vor rund einem Jahr hatte der Verband diese Kollektivstrafen ausgesetzt, weil diese, so Präsident Reinhard Grindel, "unmittelbare Wirkung auf Fans haben, deren Beteiligung an Verstößen gegen die Stadionordnung nicht nachgewiesen ist". Das wurde dem Waldhof nun wohl zum Verhängnis. "Mit einer solchen Maßnahme kann auch ein deutliches Signal an die Täter gesendet werden", so Oberholz: "Sie sehen, dass auch der sportliche Wettbewerb beeinflusst wird, wenn sie sich danebenverhalten."

SV Waldhof Mannheim - Vereinsdaten
SV Waldhof Mannheim

Gründungsdatum

11.04.1907

Vereinsfarben

Blau-Schwarz

Trainersteckbrief Trares
Trares

Trares Bernhard

Vor dem Sportgericht hatte der Kontrollausschuss am Donnerstag bemängelt, dass der Verein seinen Fans und speziell der für den Abbruch verantwortlichen Ultragruppierung zu viele Freiräume und zu viel Selbstkontrolle eingeräumt hätte. Zudem wurde dem Waldhof von Seiten der DFB-Sicherheitsbeobachter unter anderem eine "ausreichende bis mangelhafte" Personenkontrolle im Heimbereich zur Last gelegt. Es habe "Fehler in der Vorbereitung des Spiels" gegegeben, so Wolfgang Zieher, stellvertretender Vorsitzender des Kontrollausschusses, der neben dem Auflagenkatalog einen Abzug von sechs Punkten und eine Geldstrafe von 40.000 Euro beantragte. Letztere sprach das Sportgericht zusätzlich zum Drei-Punkteabzug aus.

"Ohne eine gravierende Sanktion kommen wir nicht aus"

Die Situation im Stadion sei "ein Chaos" gewesen, die Sicherheit der Zuschauer gefährdet gewesen. Die Intensität der Ereignisse und die Tatsache, dass die Mannheimer Fans in der Vergangenheit bereits auffällig waren, sprachen gegen den Klub. Geldstrafen würden deswegen nicht ausreichen. "Ohne eine gravierende Sanktion in Form eines Punktabzugs kommen wir nicht aus".

Der Kommentar

Für den Verein könnte der Abzug "existenzielle" Folgen haben, so Geschäftsführer Markus Kompp. Der angepeilte Aufstieg in der kommenden Saison der Regionalliga Südwest, der erstmals wieder nur über Platz 1 möglich ist, wäre natürlich deutlich erschwert. Der Verein in Person von Kompp hatte in der Verhandlung klargemacht, dass sich Mannheim "von den Chaoten im Stadion" distanziert und bereits Maßnahmen eingeleitet wurden. So wurde der Maßnahmenkatalog, den der DFB im Strafantrag gefordert hatte, vom Verein selbst vorgeschlagen. "Wir sind gewillt, das aufzuarbeiten und die Schuldigen zu ermitteln und auszusperren, auch bundesweit. Gemeinsam mit den Behörden wollen wir daran arbeiten, dass das zukünftig nicht mehr passiert", so Kompp. Diese Bemühungen wurden vonseiten des DFB wohlwollend gewertet.

Mannheims Anwalt Zindel: Punktabzug keine Bestrafung für die Täter

In seinem Plädoyer argumentierte Johannes Zindel, der Anwalt der Mannheimer, unter anderem damit, dass ein Punktabzug keine Bestrafung für die Täter sei, sondern eine sportliche für den Verein. Die für den Abbruch verantwortlichen Fans könnten weiterhin alle Spiele sehen, Geisterspiele als Bestrafung seien passender. Es ginge nicht um das Verschulden des Vereins, sondern um das Eintreten für Fremde, in diesem Fall Zuschauer. Das sei nur bei Geldtrafen und einem Zuschauer-Ausschluss möglich. Zudem könne ein Punktabzug bewirken, dass demnächst rivalisierende Fangruppen bei anderen Vereinen für Spielabbrüche und Punktabzüge sorgen, um dem eigenen Klub einen Vorteil zu verschaffen.

Kompp sieht "kleinen Teilerfolg"

Trotzdem wertete Mannheims Geschäftsführer Markus Kompp das reduzierte Urteil als einen "kleinen Teilerfolg". Er gehe davon aus, dass schon zur Wahrung der Fristen Berufung eingelegt werde, um das Urteil dann genau zu prüfen. "Prinzipiell halte ich die Entscheidung aber für falsch, mit einem Punktabzug in den Spielbetrieb einzugreifen", betonte er. Damit habe der DFB eine Entwicklung losgetreten, deren Folgen sich nicht mehr kontrollieren ließen.

In beiden Aufstiegsspielen in Duisburg und in Mannheim war es zu Zuschauer-Ausschreitungen gekommen, im Rückspiel am 27. Mai 2018 wurde vor allem aus dem Mannheimer Block während der gesamten Partie und verstärkt in der Schlussphase massiv Pyrotechnik in Form von Böllern, Leuchtspurraketen und Rauchtöpfen abgefeuert. Schiedsrichter Patrick Ittrich hatte die Partie zunächst für rund 20 Minuten unterbrochen und dann, als beim Versuch des Wiederanpfiffs erneut Pyrotechnik abgefeuert wurde, abgebrochen .

Patrick Kleinmann/dpa